Klöster in Rheinhessen

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St. Peter, Augustiner-Eremiten

Gefördert von den Pfalzgrafen entstand das Kloster der Augustiner-Eremiten in Alzey um 1290. Die Pfalzgrafen Ludwig II. und Rudolf I. überließen ihnen in der Oberstadt in der Nähe des Saalhofes unweit der Stadtmauer ein relativ großes Grundstück, Werner von (Gau- ) Heppenheim genannt von Saal fügte 1376 mit Erlaubnis von Pfalzgraf Ruprecht gegen jährlich 3 Pfund Heller noch einen hier gelegenen Garten hinzu, der vom "Saal" bis zur Klostermauer reichte und den er als pfälzisches Lehen besaß. Das Kloster, in dem im September 1294 das Provinzialkapitel der Augustiner abgehalten wurde, gehörte später der rheinisch-schwäbischen Provinz an und besaß Einkünfte aus 25 Orten der Umgebung. 1384 wurde auf einem Speyrer Provinzialkapitel Alzey mit Eßlingen als Studienort für die „Grammatici“ bestimmt.
Ein bedeutender Alzeyer Augustiner war Jakob Alberich von Alzey, der 1468 vom Ordensgeneral die Erlaubnis erhielt, in Perugia zum Lektor zu promovieren. Als solcher wurde er Prior in Alzey, 1477 ins Provinzkapitel gewählt und 1496 sogar zum Rektor der Provinz ernannt.
Das 14. und 15. Jahrhundert bedeuteten für das Kloster eine Blütezeit, in welcher es zahlreiche Schenkungen und sonstige Zuwendungen erhielt. 1459 tagte hier das Provinzialkapitel des Ordens. Die Übertragung des Alzeyer Augustinereremitinnenklosters "Zu den Klingen" (siehe dort) mit all seinen Besitzungen im Jahre 1499 bedeutete einen weiteren wichtigen Vermögenszuwachs.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geriet das Kloster in den ordensinternen Reformstreit zwischen Konventualen und Observanten, den sogenannten Observantenstreit. Von seinem Ordensgeneral Jakob von Aquila erhielt der Alzeyer Prior Johann Brinck 1475 die Erlaubnis, mit fünf Konventualen das Kloster zu verlassen, falls dieses von den Observanten okkupiert werde. Sie dürften dann bis zu einer möglichen Rückkehr außerhalb ihres Klosters anderen Kirchen oder auch Adligen dienen. Freilich mussten sie von dieser Erlaubnis keinen Gebrauch machen.
Nachdem es in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einem starken wirtschaftlichen Niedergang gekommen war, verließen die Augustinermönche zwischen 1536 und 1539 Alzey, ihr Besitz fiel an den Pfalzgrafen. Von diesem pachtete der Stadtmüller Hans Flock Ostern 1539  auf zehn Jahre alle in der Alzeyer Gemarkung gelegenen Güter und Wirtshaftsgebäude der Augustiner, die ihr Kloster „verlassen und folgens durch Cession dem Pfalzgrafen übergeben und zugestellt“ haben (Brück, christliches Leben, S. 163). 1551 erhielt Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz von Papst Julius III. die Erlaubnis, neben anderen Klöstern auch das Alzeyer Augustinerkloster zugunsten der Universität Heidelberg einzuziehen. 1644 wurde während des 30-jährigen Krieges von den Spaniern eine Restitution des Klosters versucht, die aber ebenso erfolglos blieb wie entsprechende Bemühungen des Augustinerordens im Jahre 1733.
Das Kloster lag im südwestlichen Teil der Stadt (Augustinerstraße - Neugasse - Löwengasse). Seine Klausurgebäude waren schon vor der Reformation verfallen, spätestens bei der großen Stadtzerstörung 1689 gingen auch die restlichen Gebäude und die Kirche unter.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Alzey - Augustiner-Eremiten. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/alzey-augustiner-eremiten.html> (Letzter Aufruf: 14.12.18)