Klöster in Rheinhessen

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Alzey - Heilig-Geist - St. Johann

Heilig-Geist - St. Johann

Das Zisterzienserinnenkloster Hl. Geist lag ehemals außerhalb von Alzey an der Dautenheimer Landstraße in der Nähe des Kirchhofes von St. Georg. In seinem Areal fanden sich bei Grabungen Fundamentreste eines größeren römischen Baues, bei dem es sich wahrscheinlich um eine mindestens bis ins 4. Jahrhundert bestehende villa handelte; außerdem stieß man auf römische Sarkophage mit merowingischen Bestattungen.
Das Kloster Hl. Geist, welches dem Abt von Eberbach als geistlichem Vater unterstand, wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet; in einer Urkunde von 1290 spricht Pfalzgraf Ludwig II. davon, dass seine Vorfahren das Kloster gestiftet hätten. Die Pfalzgrafen waren auch die Gönner des Klosters, die es mit zahlreichen Privilegien ausstatteten und die es auch als Versorgungsstätte für ihre Töchter nutzten: 1502 lebten immerhin vier Töchter von Pfalzgraf Philipp als Schülerinnen hier. Der Konvent scheint sich auch ansonsten vorwiegend aus Töchtern adliger Familien zusammengesetzt zu haben. Im Kloster befand sich eine dem hl. Johannes geweihte Kapelle, deren Patronatsrecht der Ritter Peter von Alzey im Jahre 1262 den Frauen zum Heiligen Geist übertrug, nachdem er vom Pfalzgrafen hierzu die Erlaubnis erhalten hatte. Dieser Akt hatte zur Folge, dass das Johannespatrozinium in der Folgezeit zunehmend den alten Namen verdrängte, der aber doch auch immer wieder in Formulierungen wie "zum h. Geist zu St. Johann" (1299 und 1314) durchscheint. Noch 1479 richtet Pfalzgraf Philipp seine Urkunde an "die ersamen unnser lieben andechtigen Eptissin und conuent zum heiligen Geist das man nennt zu Sant Johans by Altzey gelegen" (Würdtwein, Monasticon Palatinum 6, S. 45).

Der enge Kontakt zu den Pfalzgrafen bewahrte das Kloster, dem 1501 immerhin noch 17 Chorfrauen, 12 Laienschwestern und 6 Schülerinnen angehörten, jedoch nicht vor seiner Aufhebung im Jahre 1564. Ursula Wolf von Sponheim, die bis dahin Konventualin des Klosters war, beurkundet in diesem Jahr, dass sie als Entschädigung jährlich 40 Gulden Geldes, 16 Malter Korn und 4 Ohm Wein bekommen soll und nun zu ihrem Neffen Johann Wolf von Sponheim und seiner Gemahlin Maria Schenck von Schmidtburg nach Bacharach ziehen werde.

Nach seiner Aufhebung wurde das ehemalige Kloster in ein Spital umgewandelt, welches allerdings keinen Bestand hatte, weshalb ein Schaffner, der bis ins 18. Jahrhundert seinen Amtssitz in den noch gut erhaltenen Klostergebäuden hatte, die Güter verwaltete.
Einblick in die Architektur von Kirche und Klostergebäude, wie sie in ähnlicher Form wohl auch für die anderen Zisterzienserinnenklöster in und um Alzey zutrafen, erbrachten seit 1963 durchgeführte Ausgrabungen auf dem Gelände von St. Johann. Die Klosterkirche war demnach dreischiffig und ungefähr 40 Meter lang, der Kreuzgang – einen Teil davon bildete das südliche Seitenschiff – maß im Geviert etwa 30 Meter. „Das Hauptgebäude mit Speisesaal, Kapitelsstube und Schlafräumen war über 50 Meter lang. Es waren ansehnliche Gebäude, in denen die Nonnen wohnten“ (Brück, Christliches Leben, S. 161).

Um 1780 waren noch Gebäudereste des Klosters sichtbar, am Bogen des Hoftores stand die Inschrift "Pax Domini sit semper vobiscum anno Domini M.CCCC.LX.III" (Der Friede des Herrn sei stets mit Euch. Im Jahre des Herrn 1463).

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Alzey - Heilig-Geist - St. Johann. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/alzey-heilig-geist-st-johann.html> (Letzter Aufruf: 14.12.17)