Klöster in Rheinhessen

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Standort

GEO:49.9662323,7.8886071

Rupertsberg


Auf dem Rupertsberg, einer Felsnase über der Nahemündung auf dem linken Steilufer der Nahe, befand sich zunächst eine Kirche mit den Gräbern des Rupertus von Bingen (712-732), seiner Mutter Berta und eines Priesters Wigbert. An der Stelle dieser mittlerweile zur Ruine verfallenen Kirche errichtete die Heilige Hildegard von Bingen nach ihrem Weggang vom Disibodenberg um 1150 ihr neues Kloster, wie sie es in einer Vision vorhergesehen hatte. Am 1. Mai 1152 wurde die Klosterkirche  - eine dreischiffige Basilika ohne Querschiff mit zwei Türmen - durch Erzbischof Heinrich I. von Mainz geweiht. Die Anfänge waren aufgrund ungeklärter Rechts- und Besitzstreitigkeiten mit Disibodenberg schwierig, doch nach Klärung dieser Fragen begann ein wirtschaftlicher und geistlicher Aufstieg, zu dem natürlich auch die zunehmende Berühmtheit Hildegards beitrug. Der Zulauf war so stark, dass Hildegard 1165 das Kloster Eibingen bei Rüdesheim erwarb und hier einen ebenfalls von ihr betreuten Nonnenkonvent einrichtete.
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts häufen sich wie bei den meisten anderen Benediktinerklöstern auch auf dem Rupertsberg Zeichen eines monastischen Niedergangs. Mit Hilfe von Schwestern des der Bursfelder Union angehörenden Klosters Schönau gelang die Reform, freilich gegen erheblichen politischen Widerstand. Umfangreiche bauliche Wiederherstellungsmaßnahmen 1611 wurden durch den 30jährigen Krieg zunichte gemacht. Nach der Flucht der Schwestern 1631 vor den anrückenden Schweden diente das Kloster zunächst den kaiserlichen Truppen als Feldlazarett. Nach der Einnahme durch schwedische Truppen wurde es am 19. April 1632 geplündert und niedergebrannt. Da ein Wiederaufbau nicht in Frage kam, trat Kloster Eibingen auf der gegenüberliegenden Rheinseite die Rechtsnachfolge an.
Die auf dem Rupertsberg stehenden Ruinen und Gebäude wurden im Zuge der Säkularisation am 17.10.1803 versteigert. Der Felsen, auf dem sich die Reste der Kirchtürme und des Chores erhoben, wurde 1857 für den Bau der Nahetal-Eisenbahn  gesprengt, womit  die letzten sichtbaren Spuren der Klosteranlage, aber auch die Grabkrypta unter dem Chorraum verschwanden.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Bingen - Rupertsberg. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/bingen-rupertsberg.html> (Letzter Aufruf: 29.03.17)