Klöster in Rheinhessen

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Mainz - Franziskaner

Historischer Standort

GEO:50.000662,8.270014

Hinweise

Franziskaner

Das genaue Datum der Gründung des Franziskanerklosters in Mainz ist nicht bekannt. Möglicherweise ließen sich die Ordensbrüder zunächst mit Erlaubnis des Mainzer Erzbischofs Siegfried von Eppstein (1208/1230) beim Heilig-Geist-Spital nieder. In einer Urkunde aus dem Jahr 1221 ist von der Aussendung von Ordensbrüdern nach Mainz die Rede.
Mainz war im Zeitraum 1221 bis 1223 Stützpunkt für die Gründung der Niederlassungen des Ordens in Worms und Speyer; 1224 ging die Ausbreitung des Ordens nach Thüringen gleichfalls von Mainz aus. 1239 wurde die Mainzer Niederlassung der Straßburger Provinz zugeordnet, bei der sie bis auf wenige Jahre (1562-1567) bis 1577 verblieb. Im Jahr 1240 wird erwähnt, dass der Konvent über die Walpurgiskapelle des Altmünsterklosters verfügt habe. Die endgültige Niederlassung der Franziskaner erfolgte wahrscheinlich aber erst nach 1250.
Das Verhältnis zwischen  Stadtklerus und Franziskanern war zunächst wahrscheinlich nicht spannungsfrei. Der Orden beanspruchte das Bestattungsrecht, jedoch wurde dieses durch eine Verordnung des Minoritengenerals Konrad im Jahr 1254 zunächst von der Zustimmung des jeweiligen Pfarrers abhängig gemacht. Erst am 19.11.1258 wurde dem Orden durch Papst Alexander IV. (1254/1261) das Recht bestätigt, alle Personen, die einen entsprechenden Wunsch geäußert hatten, im Konvent zu bestatten.
Erzbischof Gerhard II. beauftragte 1290 die Franziskaner, in ihren Predigten und bei der Spendung des Bußsakramentes sowie bei der Errichtung von Testamenten der Gläubigen für die Domrenovierung um Unterstützung zu bitten.
Während andere Konvente im Erzbistum Mainz während der Reformation eingingen, blieb die Mainzer Niederlassung bestehen, es kam jedoch zu einem deutlichen Mitgliederrückgang
Am 16.7.1577 - der Mainzer Konvent zählte nur noch zwei Mitglieder -  wurde durch den Erzbischof die Räumung des Klosters angeordnet; Kirche und Haus wurden den Jesuiten übertragen. Der vom Orden gegen diese Maßnahme bei Papst Gregor XIII. (1572/1585) eingelegte Protest blieb ohne Erfolg. Die Übertragung an die Jesuiten erhielt am 17.5.1578 ihre päpstliche Bestätigung.
Am 26.5.1612 ließ sich der Orden erneut in Mainz nieder und nahm zwei Tage später den sog. großen Konvent, die ehemalige Beginenniederlassung, in Besitz.
1802 erfolgte die Aufhebung des Franziskanerklosters in Mainz.

Stadtgeographische Lage
Die erste Unterkunft war möglicherweise das Heilig-Geist-Spital, danach wahrscheinlich ein Haus in der Nähe des Altmünsterklosters.  Schließlich ließ man sich nordwestlich des Domes nieder. Das Kloster lag im Gebiet der heutigen Stadthausstraße - Betzelsgasse - Sonnengässchen – Franziskanerstraße.

Kirche
Vom 4.12.1253 datiert ein von Papst Innozenz IV. (1243/1254) verliehener Kirchenbauablass.
Es handelte sich um eine große dreischiffige Kirche, die auf dem heutigen Gebiet von Schusterstraße - Alte Universitätsstraße - Kleine Schöfferstraße lag.
1577 wurde die Kirche zusammen mit dem Kloster an die Jesuiten übertragen. Die damals in der Kirche befindlichen Grabmäler wurden beseitigt.
Am 18.4.1622 wurde durch Weihbischof Christoph Weber (1616/1633) der Grundstein für die neue Franziskanerkirche gelegt, die am 19.11.1628 geweiht wurde.(Patronzinium St.Lambertus). Er stiftete 1620 auch 1000 fl. zur Errichtung des Hochaltars und bedachte später den Konvent testamentarisch.

Nach dem Brand der Franziskanerkirche (30.6.1793), die zu diesem Zeitpunkt wohl als Lazarett diente, wurde die Kirche der Armen Klarissen den Franziskanern zur Verfügung gestellt. Dieses Kirchengebäude wurde dem Orden 1797 entzogen und in der folgenden Zeit als Lager genutzt. Im Jahr 1833 erfolgte der Abbruch.

Kloster
Der Grundstein für das Kloster wurde 1253 durch Erzbischof Gerhard I. von Eppstein gelegt, der auch die Baukosten trug. Der Klosterkomplex schloss sich an die Nordseite der Kirche an. Das Gebäude brannte 1330 nieder; der Wiederaufbau erfolgte durch Spenden reicher Mainzer Bürger.
Am 1.9.1625 wurde durch den Erzbischof die Baugenehmigung für eine Klostererweiterung erteilt; mit der am 16.6.1628 begonnen wurde.
Etwa hundert Jahre später baute man 1713 ein Gästebau und erweiterte das Kloster ab 1716, um genügend Platz für die gewachsenen Zahl der Brüder zu haben.

Geistliche Bedeutung

Die Franziskanerkirche war die Kirche der Fünf-Wunden-Bruderschaft.
Im Dommuseum befindet sich ein aus dem Jahr 1753 stammender Fünf-Wunden-Leuchter.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Mainz - Franziskaner. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-franziskaner.html> (Letzter Aufruf: 22.04.17)