Klöster am Mittelrhein

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Wilhelmitinnen (Birlenbach, Ortsteil Fachingen)

In Fachingen an der St.-Georg-Kapelle existierte bis zur Einführung der Reformation eine der äußerst seltenen Niederlassungen der Wilhelmitinnen. Es ist unklar, ob diese Fachinger Gemeinschaft schon Ende des 14. Jahrhunderts als Klause ohne klare Ordenszugehörigkeit bestand oder ob die Wilhelmiten in Limburg, denen die Fachinger Schwestern später unterstellt waren, bereits bei der Gründung mitwirkten. Der erste sichere Beleg einer Klause an der St. Georg-Kapelle datiert jedenfalls von 1402.

Von dem dortigen Grundherr, Kuno I. von Westerburg, Herr zu Schaumburg , erhielten die Schwestern 1458 das Patronatsrecht an der Kapelle; in der entsprechenden Urkunde erscheinen sie nun als Wilhelmitinnen mit Beziehungen zu ihren Ordensbrüdern in Limburg.

Um 1771 baten sie den Papst um die Genehmigung, ihre Niederlassung zu einem selbständigen Kloster ausbauen zu dürfen; dazu wollten sie einen Glockenturm, Schlaf- und Speiseräume, Gärten und andere Gebäude errichten. Papst Sixtus IV. unterstützte diese Absicht. Ob aber die angesprochenen Bauvorhaben letztlich ausgeführt wurden, liegt im Dunkeln, da weder solche Gebäude selbst, noch entsprechende schriftliche Zeugnisse die Zeit überdauert haben.

Um 1470 lebten in Fachingen neun Schwestern mit einer Priorin. Sie verwalteten ihren Besitz, der durch Stiftungen reicher Familien der Region profitierte, offenbar selbst; die Beziehungen zu den Wilhelmiten in Limburg waren eher geistlicher Natur. Persönlich trugen sie durch das Weben von Tuche und durch das Sammeln von Almosen zu ihrem Unterhalt bei.

Nachdem der Teil der Grafschaft Diez, zu dem auch die Obrigkeit in Fachingen gehörte, 1564 letztlich an Nassau-Dillenburg gelangt war, führte der Nassauer Graf die Reformation ein. Einige der Fachinger Schwestern traten daraufhin offenbar zum lutherischen Glauben über. Mit dem Tod der letzten Schwestern bis 1574 erlosch die Fachinger Niederlassung.

Ihre Besitzungen bildeten in der Folge einen Streitpunkt zwischen Nassau und Westerburg; die Kapelle verfiel und wurde schon 1595 als baufällig bezeichnet.

Empfohlene Zitierweise

F. Büren: Birlenbach - Wilhelmitinnen. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/birlenbach-wilhelmitinnen.html> (Letzter Aufruf: 14.12.18)