Klöster am Mittelrhein

Zur Übersicht

Bau- und Kunstgeschichte Kloster Hirzenach

Kirche

St. Bartholomäus - Mittelschiff[Bild: Heinz Straeter]
St. Bartholomäus - Chor[Bild: Heinz Straeter]

Die Hirzenacher Propsteikirche entstand im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts; noch vor 1114 wurde sie geweiht. Der Bau orientierte sich an der 1069 erbauten Klosterkirche von Siegburg; eine Krypta wie sie dort bestand konnte allerdings wegen der geographischen Gegebenheiten in Hirzenach nicht angelegt werden. Es handelte sich um eine dreischiffige flachgedeckte Pfeilerkirche. Ein viergeschossiger quadratischer Turm im Westen wurde erst im 13. Jahrhundert fertiggestellt. Das Querhaus ragte nur wenig über das Langhaus hinaus. Die Apsis war halbrund gewölbt mit Vorchorjoch. In den Winkeln zwischen Chor und Querhaus befanden sich zwei runde Treppentürme, die allerdings später entfernt wurden. Um 1250 wurde die bisherige Apsis niedergelegt und durch einen reich gegliederten gotischen Chorraum ersetzt. Das südliche Seitenschiff wurde in dieser Zeit mit einem spitzbogigen Hauptportal versehen, dem das sog. Paradies vorgelagert war, eine quadratische Halle mit breiten Spitzbögen, die nach drei Seiten offen war.
Die damals entstandenen Gebäudeteile zeigen den Einfluss nordfranzösischer Kathedralbaukunst.
Im 13. und 14. Jahrhundert waren Arbeiten an der Kirche aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Im 15. Jahrhundert erhielten Vierung und Querhaus ein Kreuzrippengewölbe, das mit Blättern und Ranken ausgemalt wurde. Die mittelalterliche Gestaltung wurde 1969 wieder freigelegt und restauriert.
Erhalten sind Grabplatten der Pröpste Johann von Kobern (+1404 ?) an der nördlichen Querwand und Roland von Waldenburg genannt Schenkern (+1567) an der südlichen Querwand der Kirche. Im nördlichen Seitenschiff befinden sich die Grabplatten der Pröpste Adam von Lintzenich (+1619), Johann Bertram von Bellinghausen (+1676), Wolfram von Hoen (+1706) und Johann Friedrich von Hamm (+1756).
Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1790.
Um 1750 entstand eine Kreuzigungsgruppe im Chor der Kirche. Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammen Skulpturen der Muttergottes mit dem Jesuskind, des hl. Bartholomäus (Patron der Hirzenacher Pfarrkiche), des Johannes von Nepomuk und des hl. Benedikt. Angeblich wurden die Statuten durch Johannes Neudecker d.Ä. geschaffen.
Das Chorgestühl stammt angeblich von 1766.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Boppard-Hirzenach - Kloster Hirzenach. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/boppard-hirzenach-kloster-hirzenach/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 21.09.19)