Klöster am Mittelrhein

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GEO:50.363599, 7.604923

Deutscher Orden (Koblenz)

Deutscher Orden - Deutschherrenhaus[Bild: Holger Weinandt]
Deutscher Orden - Torbau[Bild: Holger Weinandt]

Im Jahre 1216 schenkte der Trierer Erzbischof Dietrich II. von Wied (1212-1242) mit Einverständnis von Propst und Kapitel von St. Florin das St. Nikolaus - Hospital des Stifts St. Florin den „Brüdern des St. Marien-Hospitals der Deutschen über Meer“, zusammen mit allen dazu gehörigen Besitzungen und Einkünften. Im Zusammenhang mit dieser Schenkung erfolgte wohl auch die Gründung der Kommende, der ersten Niederlassung des Deutschen Ordens am Rhein. Die in der Nachbarschaft von St. Kastor am Zusammenfluss von Rhein und Mosel, am später nach dem Orden benannten Deutschen Eck gelegene, „1944 in großen Teilen zerstörte Anlage bestand ursprünglich aus einem am Rhein gelegenen Hauptgebäude und aus Nebengebäuden, die hufeisenförmig einen Hof umschlossen, der sich nach Süden hin öffnete. Ältester Teil der Niederlassung war der nicht mehr bestehende Westflügel, an den sich die 1306 geweihte und 1811 abgebrochene Kirche anschloss“  (Kunstdenkmäler in Rheinland-Pfalz, S. 64).
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde das Koblenzer Haus zum Sitz einer Ballei erhoben, der unter anderem auch die Kommende in Köln unterstellt war. An ihrer Spitze ist neben dem Hauskomtur seit etwa 1290 auch ein Landkomtur nachweisbar, der zuweilen zusätzlich noch die Ballei Utrecht verwaltete. Seit dem 15. Jahrhundert gehörte Koblenz zu den vier Kammerballeien, die unmittelbar dem Hochmeister unterstellt waren.
Nachdem es ab 1709 unter dem Komtur Heinrich Wilhelm von Mirbach nochmals zu einer lebhaften Bautätigkeit gekommen war, wurden die Ordensgebäude 1792/93 von den aliierten Truppen zunächst als Quartier und Lazarett, dann als Kaserne und Waffendepot genutzt.
1811 wurde die baufällige Kirche abgebrochen. 1819 wurde im Rheinbau von 1279 ein Körnermagazin eingerichtet, wobei sämtliche Innenwände und Decken ausgebrochen wurden. 1895 erfolgte der Umbau zum preußischen Staatsarchiv, wobei auf eine stilechte Renovierung geachtet wurde. Nach einer Generalsanierung seit 1992 beherbergt das heute im Inneren modern gestaltete Gebäude das Ludwig – Museum für zeitgenössische französische und internationale Kunst.
Zur Kirche und den einzelnen Gebäuden siehe Michel, Fritz (Bearb.): Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, S. 210-227.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Koblenz - Deutscher Orden. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-deutscher-orden.html> (Letzter Aufruf: 14.12.18)