Klöster am Mittelrhein

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GEO:50.360491, 7.598810

Jesuitenkirche (Koblenz)

Jesuitenkirche und Rathaus - Außenansicht[Bild: Stefan Grathoff]
Jesuitenkirche - Außenansicht[Bild: Stefan Grathoff]

Nachdem die Jesuiten in Trier bereits 1561 ein Gymnasium eröffnet und mit der Lehre an der Universität begonnen hatten, wurde auch in Koblenz im Jahre 1580 eine Jesuitenniederlassung gegründet. Ihr wies Erzbischof Jakob III. von Eltz die Gebäude des Zisterzienserinnenklosters in der Leer zu,  dessen bisherige Bewohnerinnen trotz heftigen Widerstandes in das ehemalige Kloster der Augustiner-Chorherren auf der Rheininsel Niederwerth umziehen mussten. 1581 wurde in einem quadratischen Neubau, dem heutigen Rathausgebäude, ein Kollegium zum Schulunterricht eingerichtet, aus dem das Jesuitengymnasium, das heutige Görresgymnasium, erwuchs. Die Schule fand regen Zulauf, schon Ende 1582 gab es 260 Schüler. 1588/89 wurde der Südflügel des Kollegs errichtet, im Mai 1591 der Bau des Westflügels begonnen. 1664 wurde auch eine Mädchenschule eingerichtet. 1670 konnte mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Erzbischofs Karl Kaspar von der Leyen der Ostflügel des Kollegs errichtet werden, der wegen seiner besonderen Prachtentfaltung auch Fürstenbau genannt wurde.
Schon 1585 war am Jesuitenkolleg auch ein Priesterseminar eingerichtet worden, über dessen weitere Entwicklung jedoch nur wenig bekannt ist. 1714 wurde dann erneut ein Theologiestudium zur Förderung des Priesternachwuchses ins Leben gerufen, um dem einheimischen Priesternachwuchs den teuren Besuch an auswärtigen Universitäten zu ersparen.

Rathaus am Jesuitenplatz[Bild: Katharina Ücgül/IGL]

Die Koblenzer Jesuiten kümmerten sich allerdings nicht nur um den Unterricht, sondern nahmen auch Aufgaben in der Seelsorge und Krankenpflege wahr. Auch das geistige und religiöse Leben in Koblenz wurde von ihnen nachhaltig beeinflusst. So wurden ab 1582 eine Reihe von Sodalitäten gegründet, wie etwa 1609 eine Bürger- oder 1639 eine Frauensodalität. Von großer Bedeutung für das Koblenzer Kulturleben war auch das Jesuitentheater. Von 1581 an führte das Kolleg mit seinen Schülern fast alljährlich große Dramen auf, die das Publikum durch ihre Inszenierung mit Musik und sogar mit Tanzeinlagen beeindruckten. Diese Dramen, von welchen sich teilweise noch Inhaltsbeschreibungen erhalten haben, widmeten sich biblischen Themen und Heiligenlegenden und wurden in lateinischer Sprache aufgeführt.
Nach der Auflösung des Ordens 1773 waren einige ehemalige Jesuiten noch weiterhin in der Seelsorge tätig, bis 1803 der Pfarrer von St. Kastor den Gottesdienst in der Jesuitenkirche übernahm. Seit 1919 gibt es in Koblenz wieder einen Jesuitenkonvent.
Die von den Zisterzienserinnen übernommene, 1592 neu Johannes dem Täufer geweihte Kirche wurde wegen Baufälligkeit und auch wegen ihrer nun nicht mehr ausreichenden Größe in den Jahren zwischen 1613 und 1617 grundlegend erneuert. Lediglich der Langchor der alten Klosterkirche wurde übernommen und in den Neubau der Jesuiten integriert. Die Kirche, eine dreischiffige, sternrippengewölbte Säulenbasilika mit einschiffigen Chor, wurde 1944 weitgehend zerstört und 1958/59 neu aufgebaut. Dabei wurde die alte Giebelfassade wieder hergestellt, an der besonders das reich geschmückte Westportal von 1617 und die darüber liegende Maßwerkrose auffallen.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Koblenz - Jesuitenkonvent. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-jesuitenkonvent.html> (Letzter Aufruf: 13.11.18)