Klöster am Mittelrhein

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GEO:50.392677,7.613131

Kloster Niederwerth

Die Geschichte des Klosters auf der Rheininsel Niederwerth lässt sich in drei Phasen einteilen, wobei die erste nur spärlich dokumentiert ist: Die früheste Erwähnung von Reklusen (Beginen) findet sich in einer Urkunde von 1275, die außerdem St. Georg als Patron angibt. Das erste urkundliche Zeugnis einer Kirche auf Niederwerth von 1256 bezieht sich dagegen offenbar auf eine Kapelle, die zu dem Hofgut des Trierer Erzbischofs auf der Rheininsel gehörte und St. Gangolf geweiht war.

Im Jahre 1429 begann die zweite Phase: Die Beginen, deren Lebensweise von der Kirche wenig geschätzt wurde, mussten in die zu dieser Zeit verwaiste Klause Besselich umziehen (auf der rechten Rheinseite oberhalb Niederwerths gelegen), um in Niederwerth Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation Platz zu machen. Diese hatten ihre Heimat, Zwolle in den Niederlanden, wegen des Interdikts verlassen, das über das Bistum Utrecht aufgrund des dortigen Schismas verhängt worden war. Der Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain (1418-1430) hatte nicht nur ihrer Aufnahme im Erzstift zugestimmt, sondern bedachte sie überdies großzügig mit seinem Hofgut auf der Rheininsel (inklusive der St. Gangolfskapelle) sowie den Besitzungen und Einkünften der Klausen Niederwerth und Kärlich. Als die offizielle Bestätigung der neuen Niederlassung wegen des Trierischen Bischofsstreits bis 1437 auf sich warten ließ, kehrten die Augustiner Niederwerth zwischenzeitlich wieder den Rücken; Nikolaus von Kues trat in dieser Zeit als ihr Verwalter auf.

In der Folgezeit entwickelte sich das Kloster, das nun der Jungfrau Maria geweiht war, zur Blüte, wobei es von reichen Schenkungen profitierte; Ländereien und Privilegien wurden angekauft. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die heute noch bestehende spätgotische Klosterkirche errichtet; jedoch ist lediglich das Jahr der Kirchweihe, 1474, überliefert.

Die Reformation brachte das Ende der Augustiner auf Niederwerth: Da die niederländischen und norddeutschen Herkunftsgebiete der Klosterbrüder ihre Konfession gewechselt hatten, blieb der Nachwuchs aus; 1580 saß der Prior alleine mit einem Laienbruder im Kloster.

Die dritte Phase der Klostergeschichte begann, als Erzbischof Jakob von Eltz im gleichen Jahr beide veranlasste, die Gebäude zu räumen, um für die Zisterzienserinnen in der Lehr aus Koblenz eine neue Bleibe zu schaffen. Diese hatten ihrerseits ihre bisherigen Klostergebäude den Jesuiten überlassen müssen, deren Niederlassung in Koblenz vom Erzbischof im Rahmen der Gegenreformation gefördert wurde. Ihren Umzug nach Niederwerth flankierten die Zisterzienserinnen mit Protest.

Vom Dreißigjährigen Krieg wurde die ungeschützte Rheininsel schwer getroffen; die Nonnen flohen 1633 nach Andernach und fanden bei ihrer Rückkehr 1637 ihre Besitztümer verwüstet vor.

Eine neue Blüte erlebte Niederwerth nach 1648: Töchter reicher Adelsfamilien traten ein, dem Konvent wurden üppige Spenden zuteil; die Familie von Ufflingen stellte auch mehrere Äbtissinnen.

Im Winter 1657/58 wurden die Klostergebäude durch Eisgang so stark beschädigt, dass umfangreiche Instandsetzungsarbeiten, vielleicht auch Neubauten erforderlich wurden. Mitte des 18. Jahrhunderts ist eine letzte Bauzeit nachgewiesen.

Im Jahre 1795 wurden auf Niederwerth zahlreiche Verteidigungsanlagen der französischen Revolutionsarmee errichtet; 1796 wurde das Kloster zum französischen Lazarett.

Die wirtschaftliche Lage gestattete um 1800 keine weitere Aufnahme von Novizinnen; zu einer Erholung kam es jedoch nicht mehr: 1811 wurde das Kloster aufgehoben. Der Fürst zu Nassau-Weilburg, der Gebäude und Besitz erhielt, schenkte die Kirche der (Zivil-) Gemeinde. Heute ist sie katholische Pfarrkirche; Reste der Klostergebäude dienen teils als Wohnhäuser. Im Ostflügel, der 1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde, war nach 1811 eine Schule untergebracht.

Empfohlene Zitierweise

F. Büren: Niederwerth - Kloster. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/niederwerth-kloster.html> (Letzter Aufruf: 13.11.18)