Historischer Standort

GEO:50.104430241787675,7.122943997383118

Ehemaliges Augustinerinnenkloster Stuben in Bremm

Augustinnerinnen Kloster Stuben - Luftaufnahme

Isoliert in einer weiten Moselschleife liegt die pittoreske Kirchenruine des adeligen Augustinerinnenklosters Stuben. Der Ministeriale Egelolf besaß auf der früheren Halbinsel ein Haus mit Kapelle und Weingarten. Er vermachte 1137 seinen Besitz Richard von Springiersbach. Seine Tochter, aber auch andere Frauen und Witwen, konnten hier ein Leben nach der reformierten Augustiner-Regel führen. 1208 schenkte Heinrich von Ulmen dem Konvent eine kostbare Staurothek (Kreuz-Behältnis). Während des vierten Kreuzzugs war der Ritter bei der unrühmlichen Plünderung Konstantinopels in den Besitz des bedeutender Kunstwerke gelangt.

In den folgenden Jahrhunderten hatte Stuben wiederholt mit Verstößen der adeligen Nonnen gegen das Gelübde der persönlichen Armut zu kämpfen. Nach zahlreichen, aber vergeblichen Reformversuchen wurde der Konvent 1788 angesichts der wirtschaftlichen und auch disziplinären Verhältnisse nicht einfach in ein freies Damenstift umgewandelt worden, sondern wurde auch als Versorgungsanstalt für die Töchter sechs kurtrierischer Beamter bestimmt. Die Aufhebung erfolgte ließ nicht lange auf sich warten; sie erfolgte schon 1794.

Nach dem Abbruch 1685 der romanischen Kirche entstand zwei Jahre später an gleicher Stelle ein barockzeitlicher Gotteshaus in gotisierenden Formen. 

Nach der Auflösung des Klosters begann der Niedergang die monastischen Anlage.  Bis auf die Westwand sind die Aussenwände des Gotteshauses erhalten geblieben. Im Innern der Kirchenruine sind noch die Nischen der Beichtstühle zu erkennen. An der Südwand öffnet ein Türdurchbruch den Weg zum früheren Kreuzgang. Die Silhouette der Ruine mit schlankem Schiff und hohen Fenstern wirkt wie ein „aufgebrochener, leerer Reliquienschrein“ (Schmoll, gen. Eisenwerth). Mehrere Grabungen in den letzten Jahren haben wichtige Aufschlüsse über  Struktur und Organisation des Klosters erbracht.

Die kostbare byzantinische Reliquie fand nach langen Irrfahrten 1827 eine endgültige Bleibe im neugegründeten Bistum Limburg. Heute ist die einzigartige Staurothek im Diözesanmuseum der Stadt zu besichtigen.

Allgemeines

Name in stuppa, 1140, „ecclesia beati Nicolai de insula“ (1145), „ecclesia S. Nicolai in loco que dicitur Insula in Stuppa (1179), ad stuppam, 1212, zu der stoben, 1393
Ordenszugehörigkeit Augustinnerinnen
Topographische Lage im Moselbogen auf dem rechten Flussufer, auf einer früheren Halbinsel bei Neef, gegenüber Bremm und dem Calmont
Kirchliche Zugehörigkeit Erzbistum Trier
Staatliche Zugehörigkeit Gemeinde Bremm, Kreis Cochem-Zell
Klosterleitung Vorsteherin (magistra)
Gründungsjahr 1138
Gründer Richard von Springiersbach, Mutterkloster: Augustiner-Chorherrenabtei Springiersbach
Patrozinium St. Nikolaus
Ordenswechsel Augustiner-Nonnenkloster, 1788 – 1792: weltliches Damenstift
Aufhebung 1794
Spätere Nutzung (Eckdaten) Ruine, kultureller Veranstaltungsort

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Bremm - Augustinerinnenkloster Stuben. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/bremm-augustinerinnenkloster-stuben.html> (Letzter Aufruf: 30.03.17)