Bau- und Kunstgeschichte Kloster Stuben

0.1.Kirche

Augustinerinnen Kloster Stuben - Südseite[Bild: LandesMedienZentrum RLP]

Die romanische Klosterkirche wurde bereits 1190 geweiht. Die barocke Klosterkirche St. Nikolaus und das damit verbundenen Kloster der Augustinerinnen verfielen nach der Säkularisierung zur Ruine. Eine Sanierung der Örtlichkeit ergab sich durch ein gemeinsames Projekt der Gemeinden Bremm, Ediger-Eller und Neef, die Mauerreste in ein kulturelles Veranstaltungskonzept einzubinden.
Damit die bauliche Situation und der Ruinenzustand erhalten werden konnten, wurden entsprechende Vorarbeiten in den Jahren 2001 und 2004 durchgeführt. Erkenntnisinteresse war es, die schriftliche Überlieferung von vorklösterlicher und klösterlicher Zeit mit den vor Ort angetroffenen, freigelegten und ergrabenen Befunden abzugleichen. Durch die unterschiedlichen Arbeiten wurden Kenntnisse erlangt, die die wechselhafte Geschichte der Kirche belegen und erlebbar machen. Aus der Zeit vor der Klostergründung wurden die Grundmauern eines Turms und eines dreischiffigen gewölbten Säulensaals freigelegt. Weiterhin konnte ein als Apsis zu deutender Mauerzug an der Südwand der Kirche freigelegt werden, der zu der Kapelle (Kreuzkapelle) gehören könnte, die bei der Klostergründung erwähnt wurde.
In die Giebelfront des Kirchenbaus von 1685-1687 wurde ein romanischer Turm integriert. Gleiches geschah mit dem heute sichtbar einen Meter unter dem heutigen Bodenniveau liegenden Säulenraum, der als Untergeschoss der Nonnenempore übernommen wurde und mit der Errichtung der barocken Kirchenmauer eine neue Einwölbung erfuhr. Die Untersuchung der Fundamente zeigt, dass der barocke Bau die Fundamente der südlichen Längswand des romanischen Vorgängers benutzte. Die Vermutung, dass dies auch für die Apsis zutraf, womit sich ein etwa gleich großer romanischer Kirchenraum ergab, ist noch nicht abschließend bestätigt. Beim Neubau der Kirche wurde das Abbruchmaterial des romanischen Vorgängerbaus verwendet. Dies zeigt sich in verbauten Kapitellen und profilierten Werksteinen.
Bedeutendster in den Barockbau übernommener Teil der romanischen Kirche war die erst teilweise im Mauerwerk ergrabene Apsis eines außerhalb des Schiffes an die Südseite angrenzenden Kapellenraumes. Die Bogenstellung des Joches wurde gänzlich in die Außenmauer integriert. Wenn es auch Quellen gibt (ein Ablassprivileg von Juni 1275 sowie der ausgesprochene Wunsch des Klosters von 1685), die auf einen Neubau der Kapelle zur Aufnahme der Staurothek hinweisen, ist sie nicht neu errichtet worden. Am 14. Oktober 1687 weihte Johann Philipp Birkhardt, Weihbischof von Trier und Tripolis, die neue Kirche nebst drei Altären und zwei Altären im Nonnenchor. Das Gotteshaus integrierte bestehende Bauteile und wurde dadurch in seiner Ausdehnung festgelegt. Eine heute im Ruineninneren sichtbare Besonderheit stellten der Säulensaal und ein zur Nordseite anschließender ehemaliger Kellerraum dar, der wiederum ein romanisches Mauerstück zur nördlichen Außenmauer erschloss. Ein schmaler Gang stellte hier die Außenverbindung zum Kloster her. Darüber war die Nonnenempore angeordnet, die von Westen über den Kellern mit Holzstützen bis zum fünften Pilaster nach Osten in den Kirchenraum ragte. Der barocke Saalbau war gewölbt. Das auf Pilastern ruhende Gewölbe, dessen Bogenverlauf der Putz wiedergab, wäre als Steingewölbe konstruktiv kaum möglich gewesen. Deshalb wurde das Gewölbe - wie im Barock nicht unüblich - als verputzte Holzkonstruktion errichtet. Die Erkenntnisse der restauratorischen Untersuchung ermöglichten in der Folge eine genauere Vorstellung vom ursprünglichen Erscheinungsbild des Kirchenbaus.
Trotz der jahrhunderte langen Verwitterung des Putzes finden sich, zumal in geschützten Bereichen, immer noch Hinweise auf die recht schlichte Farbfassung.
Der ockerfarbene Außenbau wurde gegliedert durch - um die Fenstergewände laufende - rote Putzritzungen und eine aufgemalte Quaderung an den Mauerecken des Chorschlusses. Das Laienportal wies eine ornamentale Begleitfassung aus Arabeskenranken auf. Zum Bauschmuck gehörten die heute sämtlich bis auf die Bindersteine verlorenen Sandsteingewände der Fenster und des Portals. Auch der Innenraum der Kirche präsentierte sich schlicht. Die kalkweißen Wandflächen wurden nur durch eine Hervorhebung der Sockelzone und der Kapitelle der Pilaster gegliedert.

0.2.Klosteranlage

Augustinerinnen Kloster Stuben - Innenseite der Südwand[Bild: LandesMedienZentrum RLP]

Der Aufbau der Klosteranlage ergibt sich aus der Darstellung der präsentierten Untersuchungspläne wie folgt:

Kirchen außerhalb der Anlage: 1190 bestätigte Erzbischof Johann dem Kloster des hl. Nikolaus in Stuben die Kapelle in Urschmitt (Ursmadia). Im Verzeichnis der erzbischöflichen Rechte war 1220 Urschmitt noch Kapelle, 1475 wurde es selbständig visitiert und bei der Visitation 1569 zur Pfarrei Stuben-Neef im Landkapitel Zell gerechnet. 1697 fanden die Taufen noch in Stuben statt.

0.3.Grabstätten

Bei Untersuchungen des Amtes Koblenz der archäologischen Denkmalpflege in der Stubener Klosterruine wurden im Kirchenschiff, dem Kreuzgang und der Kapelle zahlreiche Bestattungen entdeckt. Es handelte sich wohl um ehemalige Bewohnerinnen des Klosters. Nach den Grabungsberichten sind sie sehr dicht gelegen, zum Teil mit Überlagerungen. Die Gräber sind unterschiedlich tief eingebracht worden. Ein Grab war durch eine gut verzierte Platte mit Inschrift abgedeckt. Darunter hat sich ein großes, verhältnismäßig gut erhaltenes Skelett befunden. Nach Vermutung des Grabungsleiters handelt es sich dabei um die Grabstelle der Anna Maria Saline von Metzenhausen. Viele der Toten weisen körperliche Gebrechen auf. Eines der Skelette hat eine völlig verkrümmte Wirbelsäule. Archäologisch nicht zu klären ist das Zeitfenster, in dem die Gräber gestört bzw. die einzelnen Skelette bei der Suche nach Pretiosen auseinander gerissen worden sind. Ein Schmuckstück jedenfalls ist von den Grabräubern übersehen worden. Es handelt sich um ein Bronzemedaillon mit Goldauflage und stellt die Mutter Gottes und den knienden Augustinus dar.

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Bremm - Augustinerinnenkloster Stuben. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/bremm-augustinerinnenkloster-stuben/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 17.09.19)