Klöster in Rheinhessen

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Der Bau der ersten Kirche erfolgte wahrscheinlich im 9.Jh. Ein von F.Schneider 1861 im Haus B 268 (Haus Zum Eckrädchen, auch Zum Juffel, heute Weintorstraße 11) gefundenes, aus einem Menolithen gearbeitetes sog. „Hattofenster“ gehörte nach F.Arens „wahrscheinlich“[Anm. 1]zu St.Mauritius. Dem gleichen Haus werden bei Wagner- Schneider ein Raum mit Tonnengewölbe „und vielleicht noch geringe Reste“[Anm. 2]zugeordnet.
F. Arens vermutet, dass der Fund aus dem südlichen Seitenschiff der Kirche stammte, das im 19.Jh. als Werkstatt genutzt worden sei[Anm. 3].

Fakten über den Bau sind auch für die spätere Zeit nur spärlich überliefert. Erzbischof Siegfried II. von Eppstein (1200/1230) gestattete im Jahr 1230 auf zwei Jahre die Verwendung der Einkünfte aus vakanten Pfründen für Baumaßnahmen.  Papst Innozenz IV. forderte 1249 auf Bitten des Dekans und des Kapitels alle Gläubigen in den Diözesen Mainz, Worms und Speyer für den Neubau der Kirche Hilfe zu leisten und verlieh dafür allen Bußfertigen, die zu den Kosten ihren Beitrag leisten, einen Ablass von 40 Tagen; ebenso verlieh 1252 Kardinallegat Hugo Dekan und Kapitel einen Ablassbrief.

Reber erwähnt einen Umbau der Kirche im 14.Jh.

Der Stadtplan von Maskopp (1575) zeigt das mit einem Dachreiter versehene Dach einer kleinen Kirche, das auch auf dem von Merian erstellten Plan zu erkennen ist.
Nur einen schematischen Grundriss zeigt der „Schwedenplan“ aus dem Jahr 1635/26.

Daniel Papebroich und Gotfried Henschenius, die auf ihrer Reise von Antwerpen nach Rom 1660 Mainz besuchten, erwähnen in ihren Aufzeichnungen die Mauritiuskirche nur mit knappen Worten: „Sie ist klein. Auf dem Türsturz liest man folgende Verse: 6666 Christus geweihte werden in diese Kirche verehrt“[Anm. 4]. Die auf die thebäischen Martyrer bezogene Inschrift
SEXCENTI DENI TER
SEX MILIA SENI
LIBATI CHRISTO TEMPLO
VENERANTUR IN ISTO
1726
wird bei Wagner / Schneider in folgender Weise aufgelöst:
sex milia                                   6000
bis ter         2 mal 3                   0006
sexcenti                                    0600
deni seni    je sechs je zehn        0060
                                                6666

Ein Türsturz gehörte nach F.Arens „wohl zum Westportal“[Anm. 5]. Bei Enttrümmerungsarbeiten ging er verloren.

In den 1770-er Jahren wurden Ausbesserungsarbeiten geplant, die allerdings nie zur Durchführung gelangten.

Auf im Dom befindliche Grabplatten aus St.Mauritius wies F.Werner eigens hin. Bei den 1809 bei der Neuverlegung des Bodens der Memorie u.a. zur Verwendung gekommenen Grabsteinen aus der Mauritiuskirche habe sich „ein sehr merkwürdiger“ Grabstein befunden, „mit dem Geschlechtswappen von Gensfleisch, Gutenberg und jenem zum Boderam, welcher im Jahr 1381 dem Andenken eines aus diesem Geschlecht entsprossenen Geistlichen gesetzt wurde, welcher Kanonikus zu St.Moritz gewesen war“[Anm. 6]. Gemeint ist hier der nach F.Arens 1804 in den Dom gelangte Grabstein des Peterman gen. Boderam + 22.6.1381[Anm. 7].

Das Holzdach der Kirche wurde 1814 abgerissen und in der Folgezeit wurde die Kirche niedergelegt. 1945 waren noch oberirdische Reste des Gebäudes vorhanden: die ca. 7 m, lange parallel zur Gallusgasse verlaufende Ostwand, die südliche Mittelschiffwand und das südliche Seitenschiff, das im 19.Jh. als Werkstatt genutzt wurde.

Ein in der Nordseite des Hauses B 269 (Maurizenplatz 2) eingemauerter, oberer Teil eines gotischen Wandtabernakels stammte „vermutlich“[Anm. 8]aus der Mauritiuskirche. Arens ordnet diese Bekrönung des Sakramentshäuschens dem Westbau der Kirche zu und nennt 1952 das Grundstück Unterer Michelsbergweg 16 als Standort.

H.Reber verweist auf die Einzelfunde dreier Steinsärge, von denen einer erhalten, die beiden anderen hingegen verloren gegangen seien. Zwei im Domkreuzgang befindliche Grabsteine (Grabstein Johannes Helfenstein + 7.9.1426 und Vikar Heinrich Gerlach + 28.10.1498) seien, so Reber, vermutlich dem Stift St.Mauritius zuzuordnen.
F.Arens weist darauf hin, dass 1945 noch Teile der Nordostecke der Stiftskirche vorhanden gewesen seien. In einem Fundament fand man 1955 Längsmauern des nördlichen Seitenschiffs.

Kirche als Ort des Gottesdienstes

Im Hochmittelalter war nach F.Staab die Mauritiuskirche Taufkirche des Liebfrauenstiftes[Anm. 9]. Das Taufbecken von St.Mauritius befand sich nach L.Falck seit spätestens 1329 in der Liebfrauenkirche, deren Taufbecken hinwiederum im Dom stand.

Das Fest Karls d. Großen wurde auf Insititutio des Kanonikers Anthon Drap am 28.Januar mit besonderer Feierlichkeit und besonderen Präsenzbezügen für die Stiftsmitglieder in St.Mauritius begangen. Die Geschichtsblätter für die mittelrheinischen Bisthümer vermuten einen Zusammenhang zwischen dieser Karlsstiftung und dem Geburtsort Draps, der aus Ingelheim stammte.

 

 

Anmerkungen:

  1. Arens, Mauerreste, S. 19 Zurück
  2. Wagner- Schneider, S. 397 Zurück
  3. Arens, Mauerreste, S. 21 Zurück
  4. Arens, Mainz 1660, S. 45 Zurück
  5. Arens, Mauerreste, S. 20 Zurück
  6. Werner I, S. 342 f. Zurück
  7. Arens, Inschriften, Nr. 51 Zurück
  8. Wagner/Schneider, S. 397 Zurück
  9. Staab, S. 175 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - St. Mauritius. Kirche. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-mauritius/kirche.html> (Letzter Aufruf: 21.07.19)