Klöster in Rheinhessen

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Historischer Standort

GEO:49.712832435836155,8.034599606933625

Kloster Sion

Von dem ehemals zwischen Morschheim und Mauchenheim nördlich der Selz gelegenen Zisterzienserinnenkloster Sion hat sich heute nur noch eine wiederaufgebaute Mauer der ehemaligen rückwärtigen Nebengebäude oberhalb der Flur „im Sioner Garten“ erhalten. Eine Bronzetafel erinnert an die Klostergeschichte und auch die Weinbergslage „Sioner Klosterberg“ hält die Erinnerung an das einstige Kloster wach. Gegründet wurde dieses wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich durch die Truchsessen von Alzey. Die älteste überlieferte Urkunde datiert vom 11. Mai 1247, in einer am 27. September des Folgejahres ausgestellten Urkunde bezeichnet Papst Innozenz IV. Sion als ein neugegründetes Kloster (Rödel, S. 7 Nr.6). Aus dieser Frühzeit des Klosters, dessen Vaterabt der Abt von Disibodenberg war, haben sich allein fünf Papsturkunden erhalten. Wolfram und Embricho von Löwenstein schenkten dem Kloster, dem ab 1309 auch die Pfarrei Mauchenheim gehörte, 1248 die Kirche in Spiesheim mit den dazugehörigen Zehnten und anderen Einkünften. Überhaupt gehörten die Herren von Löwenstein mit reichen Schenkungen zu den großen Förderern des Klosters Sion und errichteten hier 1296 auch ihre Grablege. Auch andere namhafte Persönlichkeiten gehörten zu den Förderern des Klosters. Werner von Bolanden beispielsweise befreite 1277 einen Hof in Heßloch von allen Zinsbelastungen, so dass das Kloster diesen wie Eigengut besitzen konnte. 1283 schenkten Raugraf Georg sowie Johannes und Konrad von Altenbaumburg dem Kloster Sion „aus Zuneigung zu ihren beiden leiblichen Schwestern, die sich dort aufhalten und Jesus Christus in diesem Orden dienen, den gesamten Zehnten von den Flächen innerhalb der Mauern und Zäune des Klosters“ (Rödel, Sion S. 19 Nr. 40). Um 1500 schließlich sind die Schwestern Apollonia, Elisabeth, Emmel und Gütgen Lerch von Dirmstein als Nonnen von Sion bezeugt; man kann also annehmen, dass sich der Konvent wie in den anderen Zisterzienserinnenklöstern in und um Alzey auch in Sion hauptsächlich aus Töchtern des umliegenden Adels rekrutierte.
Im Zuge der Reformation wurde Kloster Sion, dem nur noch wenige Schwestern angehörten, im Jahre 1566 durch Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz aufgelöst und in eine in Erbpacht vergebene Schaffnerei umgewandelt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersteigerte ein ehemaliger Professor der Universität Heidelberg die baulichen Überreste des Klosters auf Abriss; das noch verwertbare Steinmaterial wurde für den Bau von Häusern in Mauchenheim verwendet.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mauchenheim - Kloster Sion. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mauchenheim-kloster-sion.html> (Letzter Aufruf: 30.03.17)