Klöster in Rheinhessen

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Tätigkeit

Die Kapuziner lebten „zurückgezogen, aber nicht weltabgeschieden“ (Jendorf, S. 438). Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war die Predigt. Die volkstümliche Art der Predigt, vor allem bei den Volksmissionen, machte die Kapuziner beliebt. In diesem Zusammenhang ist auch der Einsatz für die Rekatholisierung zu sehen. Im Jahr 1663 erfolgte in Worms die Konversion der Ämilia Sibylle v. Frankenstein[Anm. 1]); insgesamt aber konnten in Worms nur wenige Konversionen verzeichnet werden[Anm. 2]. Ein weiterer wichtiger Aspekt im Wirkens des Ordens war die Tätigkeit im Beichtstuhl.

Der Gottesdienst an der Liebfrauenkirche (Kollegiatstift Liebfrauen) war um 1642 durch die bedrängte Lage des Stifts - einige Kanoniker waren in der Zeit der Besetzung der Stadt verstorben, andere waren aus wirtschaftlichen Gründen aus Worms weggegangen und nicht wieder zurückgekehrt - weitgehend zum Erliegen gekommen. Am 5.3.1642 äußerte sich der Dekan des Stifts, Georg Vogel(ius) zu der Situation: aus Personalmangel sei das Stift nicht in der Lage, den Gottesdienst im erforderlichen Rahmen zu versehen. Vor allem sei es den Stiftsherren nicht möglich, sich um die zahlreichen Wallfahrer, die die Liebfrauenkirche besuchten, zu kümmern. Der Gottesdienst solle, schlug Vogel(ius) vor, den Kapuzinern übertragen werden. Der Bischof übernahm den Vorschlag des Dekans. Am 19.2.1647 wiederholte der Bischof den Auftrag und umschrieb nochmals das Tätigkeitsfeld der Ordensleute: Seelsorge, Vermittlung der katholischen Lehre und Spendung der Sakramente.
Eine dauerhafte Pfarrtätigkeit war eigentlich nur im Notfall (Jacobs S. 116) vorgesehen. Dennoch war der Orden in Worms über einen längeren Zeitraum in der Pfarrseelsorge tätig[Anm. 3]. Die dem Liebfrauenstift inkorporierte Pfarrei St.Amandus bildete seit dem Dreißigjährigen Krieg die kleinste der Wormser Pfarreien; die Bevölkerung zog in den unsicheren Zeiten lieber in den Schutz der ummauerten Innenstadt. Im Jahr 1669 zählte die Pfarrei nur 40 Seelen. Auch im 18.Jahrhundert änderte sich an der demographischen Situation der Pfarrei nichts. Nur 34 Kommunikanten, d.h. Personen über 13/14 Jahren, die ihre Osterpflicht erfüllt hatten, wurden 1754 gezählt. Die Gesamtzahl der Gläubigen blieb gering. Entsprechend verzeichnen die Kirchenbücher nur wenige Taufen und Sterbefälle. Bei den Eheschließungen zeigt sich, dass eine große Anzahl der Paare nicht aus der Pfarrei stammte, sondern von außerhalb. Wie auch andernorts, etwa der Mainzer Kirche der Kapuziner, handelte es sich um Paare, die in ihrer Pfarrkirche nicht heiraten konnten oder aus bestimmten Gründen (etwa beim Vorliegen einer pränuptialen Konzeption) nicht heiraten wollten und die die entsprechende Entlassung (Dimission) zur Heirat außerhalb ihrer Pfarrkirche erhalten hatten.
Im Jahr 1802, dem Jahr der Auflösung der Orden, wird die Zahl der Gläubigen in der Amanduspfarrei mit 73 angegeben (31  männlichen, 42 weiblichen Geschlechts).
Auch bei „zahlreichen Vakanzen“ in den Stadtpfarreien (Reuter, Nebeneinander, S. 325) übernahmen Kapuziner ab dem 17.Jh. die Pfarrseelsorge. So versahen 1631 zwei Patres am Dom den Gottesdienst. Ebenso leisteten sie  im 18.Jh. (Aushilfe in der [Dom] Pfarrei St.Johannis).

Dazu trat seelsorgliche Tätigkeit im Umkreis der Stadt Worms. Nach dem 30-jährigen Krieg übernahmen Kapuziner die Betreuung der Pfarrei Herrnsheim, wo 1581 auf kurpfälzischen Druck die Einführung der Reformation erfolgt war und Lutheraner als Pfarrer eingesetzt wurden[Anm. 4]. Für 1625 ist wieder ein katholischer Pfarrer, Wilhelm Blankenberger, erwähnt, gegen den heftige Vorwürfe, nicht zuletzt wegen Vernachlässigung seiner Pflichten, erhoben wurden. Er fand, so O.Bardong, keinen (katholischen) Nachfolger, denn im Jahr 1632 amtierte wieder ein lutherischer Pfarrer. Für 1633 erwähnt das Handbuch der Diözese Mainz (1931) einen Pfarrer Wilhelm Molitor. Ab 1638 ist das Wirken von Mitgliedern des Kapuzinerordens nachweisbar. Auch hier fiel die Tätigkeit der Patres zunächst in eine schwierige Phase, war doch ein großer Teil der Bevölkerung aus Furcht vor den Kriegsläuften in die schützenden Mauern der Stadt Worms geflohen (1635-1649). Am 13.12.1650 wurden die Wormser Kapuziner als Pfarrer präsentiert. Für den Zeitraum 1651/53 nennt das Handbuch des Bistums dann wieder einen Säkulargeistlichen namens Hildebrand Klingheimer, um dann für den Zeitraum 1653-1687 die Wormser Kapuziner als Seelsorger zu nennen. Im Jahr 1666 (bei Bardong wird fälschlicherweise 1676 angegeben) forderte nach O.Bardong in Herrnsheim zwischen dem 1.Juni und dem 6.November die Pest 191, danach bis Jahresende weitere 60 Todesopfer. Im Kirchenbuch wird notiert: plurimi peste sublati sunt ... ad ducentos et quinqu(a)ginta circiter, qui non sunt annotati“[Anm. 5]. Drei Kapuziner erlagen damals der Seuche. Ihre Namen wurden festgehalten: P.Cyprianus Fritzlar (11.August) P. Franciscus Cochemensis (17.August), fr. Gabriel Bingensis (25. Oktober) sowie der als Pfarrer (parochus) bezeichnete P.Gamaliel Luxemburgensis am 27.Oktober[Anm. 6]. Zwischen 1670 und 1712 verzeichnet das Kirchenbuch der Pfarrei Herrnsheim eine Reihe von Konversionen. Im Jahr 1686 war Herrnheim schon weitgehend rekatholisiert[Anm. 7]. Nach Angaben des Handbuchs der Diözese Mainz amtierte 1687-1689 ein von den Franzosen eingesetzter Priester (Claudius Thouvendt). Nach 1689 waren bis 1711 wieder die Wormser Kapuziner in Herrnsheim tätig. Dort wie in Horchheim übernahmen sie auch die an der Kirche gestiftete Frühmesse.

In Horchheim übernahmen die Patres als „stationarius“ pastorale Aufgaben in den Jahren 1779-1786  und auch für Abenheim nennt Reuter ihre Tätigkeit.

In Neuhausen amtierte bis 1625 ein Pfarrer Johannes Fischlin, ihm folgte Wilhelm Blankenberger (1625-1636). Es folgte die Tätigkeit von Kapuzinern. Dann erst wird wieder zu Beginn des 18.Jhs. ein Weltpriester, Kaspar Adolf Schnernauer (1706-1719), erwähnt. Im nahegelegenen Rheindürkheim wirkte der Orden ebenfalls durch einen stationarius. Bei einer Erhebung aus dem Jahr 1793 finden sich die Kapuziner für Rheindürkheim nicht mehr erwähnt.

Anmerkungen:

  1. Jacobs, S. 35 Zurück
  2. vgl. Jacobs, S. 49 Zurück
  3. Vgl Schmitt, S. 34 f. Zurück
  4. Vgl. Bardong, S. 61 Zurück
  5. KB Herrnsheim 1, fol. 208 (395) Zurück
  6. ebd. Zurück
  7. Vgl. Jacobs, S. 48 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Worms - Kapuziner. Tätigkeit. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-kapuziner/taetigkeit.html> (Letzter Aufruf: 20.07.19)