Klöster Eifel-Ahr

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Bau- und Kunstgeschichte Kloster Mayen

0.1. Baugeschichte

Im 2. Weltkrieg wurde die Klemenskirche bis auf die Außenmauern und die südliche Arkadenreihen zerstört. Grabungen von Josef Röder in den Jahren 1947 und 1951 dokumentierten im südlichen Seitenschiff der gotischen Kirche eine lückenlose Folge von christlichen Kultbauten bis hin zur großräumigen Hallenkirche um 1400.

  • Es begann mit einem rechteckigem Holzgebäude (2,50 x 3,50 m): Gefunden wurden verkohlte Schwellenbalken mit Nut und Resten senkrechter Planken. Verbrannte Vogelknochen auf der alten Oberfläche verwiesen möglicherweise auf Mahlzeitenreste bei Totenfeiern. Das Gebäude lag inmitten eines christlichen Friedhofs mit Tuff- und Holzsärgen sowie gemauerten Gräbern. Eine Datierung für das 6./7 Jahrhundert schien wohl gerechtfertigt.
  • Ein Steinbau (2 x 2 m) aus breit fundiertem Mauerwerk ersetzte verbranntes Holzgebäude. In dem Mauerwerk befanden sich Reste von zerschlagenen Tuffsärgen. Der Boden war aufgehöht. Für Röder belegte dieser Befund das erste Bauwerk auf dem Friedhof.
  • Dem Quadratbau folgte um 1000 eine lang gestrecktes, eindeutig als Kirche erkennbares Bauwerk von 16 m Länge und 3,50 m Breite. Der Chor der neuen Saalkirche ummantelte eindeutig die Mauerstümpfe des älteren, weitgehend abgetragenen Baues. Wohl nicht zufällig lag der noch in den Fundamenten festgestellte Altar der dritten Kirche genau im Mittelpunkt der beiden Vorgänger. Dieser Stelle war früher offensichtlich eine große kultische Bedeutung zugemessen worden. Wenn das Gräberfeld an der Clemenskirche tatsächlich den fränkischen Friedhof an der Sehbachstrasse ablöste, war er frühestens in die 2.Hälfte des 7. Jahrhunderts zu datieren. Der älteste Steinbau gehörte vermutlich dem 6. Jahrhundert und die Saalkirche erst dem späten 10. Jahrhundert an. Schon ein Jahrhundert später schloss sich ein vierter vergrößerter Kirchenbau an.

0.2.Dreischiffige romanische Pfeilerbasilika

Klosterkirche Mayen - Innenraum[Bild: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz]

Im 12. Jahrhundert (161) wurde unter Beibehaltung der alten Altarstelle eine dreischiffige romanische Basilika mit geradem Chorabschluss errichtet. Diese Kirche gehörte dem Koblenzer Florinstift, das im 13. Jahrhundert als Pfarr- und Zehntherr über Kirche und Pfarrhof erschien. Die Kirche und das Clemens Patrozinium wurden 1296 im Zusammenhang mit der Ausstellung eines Ablasses urkundlich erwähnt. Bei den Umbauten zur gotischen Hallenkirche blieb zunächst die auf der Nordseite gelegene ältere Kirche bestehen. Der Neubau wurde vermutlich von zwei Seiten, dem Chor und dem Westbau gleichzeitig begonnen. Zu Ende des Jahrhunderts konnte Konrad von Altendrop (1387-1416) die Weihe vornehmen. In den 80er und 90er Jahren wurden zahlreiche Altäre dotiert. Um 1387 goss Johann Düsterwald die Marien- und die Osannaglocke. Eine Altarstiftung 1391 zugunsten der „neuen Kirche“ beendete die erste Bauphase. Nach längerer Pause begann mit der Schenkung der Katherine von Starkenwilze gen. Kringelin 1401 ein neuer Bauabschnitt. Das Erbe des ansehnlichen Vermögens wurde durch das Testament zur Fortsetzung der Umgestaltung bestimmt. Mittelschiff und rechtes Seitenschiff der romanischen Kirche wurden abgebrochen. Unter Beibehaltung des romanischen Westturms wurden Mittel- und Nordschiff der gotischen Kirche um das Südschiff zur Hallenkirche ergänzt. 1409 war der Bau weitgehend fertig. Im gleichen Jahr erhielt das Gotteshaus einen neuen Altar. Die Einwölbung und die endgültige Fertigstellung des Südschiffs fiel in die Zeit um 1430.

Der in der Einzelgliederung schlichte Bau war als querschifflose Hallenkirche aus Basaltbruchsteinen mit polygonalen Chorschlüssen konzipiert. Der südliche Seitenchor mit der dahinter liegenden Sakristei wurde gerade geschlossen. In dem schweren, fast ungegliederten Westbau wurde der ältere romanische Nordturm des 12. Jahrhunderts einbezogen. Das Mauerwerk ist heute weiß verputzt. Spitze, zum Langhaus quer gestellte Giebel über den einzelnen Seitenschiffjochen beleben die Wände des Langhauses. Zum hohen Mittelschiffdach stehen sie in reizvollem Gegensatz.

Fischblasenmaßwerk schmückt die zwei- und dreiteiligen Fenster. In der Mitte des Langhauses  befinden sich unter gewölbten Vorhallen die beiden Haupteingänge. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts stammt das Westportal. Mit dem niedrigeren schweren romanischen Turm wirkt die Westfassade eher ungewohnt. Der schlankere Südturm mit seinem achteckigen Helm ist dagegen zum Wahrzeichen geworden. Konstruktionsfehler und Wind und Wetter sind für seinen heutigen Zustand verantwortlich. Stadtrechnungen von 1693 und eine Abbildung von 1711 belegen die „Drehung“ des „schiefen Kirchturms“ wohl im 17. oder 18. Jahrhundert.

Friedhöfe

Außerhalb der alten Stadtmauern, am Wege zum früheren Ostbahnhof, inmitten der Anlagen des sog. „alten Friedhofs“, entstand die einschiffige barocke St. Veith-Kapelle. Die älteste Mayener Kirche hatte sich zuvor an dieser Stelle befunden. Ausgrabungen von 1919 bestätigten dies. Die heutige Kapelle besteht aus einem schmaleren, 1718 erbauten Chor und dem 1785 errichteten einschiffigen Langhaus. Bekrönt wird der Chor von einem sechseckigen Dachreiter. Prägend für das Innere der anheimelnden Kapelle ist der prächtige barocke Altar des 18. Jahrhunderts. Er stammt aus dem alten Marienaltar der Pfarrkirche.

0.3.Bauausstattung

Die Innenausstattung der Kirche wurde im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört. Der Innenraum des harmonischen dreischiffigen Hallenbaus beeindruckt durch seine ausgewogenen Proportionen. Die einfachen Kreuzripppengewölbe auf schlanken Rundpfeilern sind erneuert worden.

0.3.1.Skulpturen

Die spätgotische Kirche beherbergt eine Reihe guter spätbarocker Plastiken: die fast lebensgroßen Barockstatuen von St. Josef, St. Matthias, St. Wendelinus, St. Michael und St. Katharina, Schutzpatronin der Steinhauer- und Maurermeisterzunft. Alle Plastiken stammen vom Mayener Bildhauer Heinrich Alken, der sie im ausgehenden 18. Jahrhundert geschaffen hat.

Kirchenfenster

Die lichte Raumwirkung der Halleninnenarchitektur wird heute durch die luzide Lichtführung der modernen Fenster von Georg Meistermann bestimmt.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Mayen - Augustinerkloster. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/mayen-augustinerkloster/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 22.11.19)