Klöster am Mittelrhein

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Bau- und Kunstgeschichte

Klosterruine - Grundriss[Bild: Landesamt für Denkmalpflege RLP]

Besonders sehenswert ist die mustergültig restaurierte Sakristei der ehemaligen Klosterkirche. Sie stammt überwiegend aus dem 14. Jahrhundert, doch sind Süd- und Westmauer älter und rühren noch von einem Vorgängerbau her, der 1305 errichtet worden war. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Ostwand mit zwei Maßwerkfenstern erbaut. Ursprünglich besaß die Sakristei eine Flachdecke, die im 15. Jahrhundert durch ein reich verziertes Kreuzrippengewölbe ersetzt wurde, welches von einem einzigen Pfeiler getragen wurde. Im Unterschied zur Kirche und den übrigen Klostergebäuden hat die Sakristei die zahlreichen Wirren der Zeit recht gut überstanden, vor allem auch den großen Stadtbrand von 1836, dem diese zum Opfer fielen. Dass ihr baulicher Bestand auch in der Folgezeit keinen Schaden nahm, verdankte sie einem Wohnhaus, welches über ihr errichtet wurde und welches auch heute noch steht.
Diese günstige Situation änderte sich allerdings nachhaltig um 1900, als man die Sakristei als Keller- und Lagerraum „entdeckte“ und mit massiven Eingriffen in die Bausubstanz entsprechend umbaute. Um Platz zu schaffen, wurde der dem neuen Nutzungszweck hinderliche, für die Statik aber wichtige Mittelpfeiler entfernt. Um einem nun drohenden Einsturz zu vermeiden, wurde der Gewölberaum kuppelartig ausgemauert. Außerdem wurde der Durchgang zum Chorraum der Kirche zugemauert, der Boden um 80 cm angehoben und das nördliche Maßwerkfenster herausgenommen, um hier eine zusätzliche Tür einzubauen.

Minoritenkloster - Restaurierte Sakristei[Bild: Werner Klockner]
Minoritenkloster - Ruine Sakristei[Bild: Landesamt für Denkmalpflege RLP]

Alle diese gravierenden Bausünden wurden in den Jahren 2006 und 2007 beseitigt, als die Sakristei durch die Kulturstiftung Hütte Oberwesel grundlegend restauriert wurde. Fehlende Rippen und Teile der Mittelsäule wurden originalgetreu rekonstruiert. Glücklicherweise waren sogar noch über die Hälfte des Originalputzes vorhanden, ebenso vier unterschiedliche Farbfassungen und ornamentierte Fußbodenfliesen,  die Ende des 13. Jahrhunderts im Kloster Eberbach hergestellt worden waren. (Kulturhaus Oberwesel – Stadtmuseum)

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Oberwesel - Minoritenkloster. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/oberwesel-minoritenkloster/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 13.12.18)