Klöster am Mittelrhein

Zur Übersicht

Geschichtlicher Abriss

Minoritenkloster - Zeichnung Merian[Bild: Matthäus Merian der Ältere [gemeinfrei]]

Das Minoritenkloster in Oberwesel ist eines der ältesten Franziskanerklöster Deutschlands. Nur 16 Jahre nach dem Tod des hl. Franziskus wurde es von der Kölner Ordensprovinz um 1242 mit Unterstützung von  Angehörigen der Reichsministerialen von Schönburg gegründet. 1262 werden das Kloster und sein Guardian Wilhelm von Waltershausen erstmals erwähnt. Schon um diese Zeit besaß es eine bedeutende Lateinschule. Die Kirche wurde in mehreren Phasen im Laufe des 13./14. Jahrhunderts erbaut; es war eine zweischiffige, ursprünglich kreuzrippengewölbte Halle, bestehend aus einem Hauptschiff  mit fünf Jochen und einem gleich langen und hohen, aber schmaleren südlichen Seitenschiff, sowie einem Chor mit 5/8-Schluss. Hinsichtlich ihres Fassungsvermögens heißt es in einer Notiz von 1801, dass 300 Gläubigen in ihr Platz fanden.
Nach der Blütezeit des Klosters vom frühen 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts  begann, wahrscheinlich als Folge der Reformation und des aus ihr resultierenden Mangels an Nachwuchs, ein allmählicher Niedergang. 1552 lebte nur noch ein Pater im Kloster, das sich 1517 innerhalb des Franziskanerordens dem Zweig der Minoriten angeschlossen hatte. Der Trierer Erzbischof Johann VI. von der Leyen hob das Kloster deshalb um 1558 auf und richtete in seinen Gebäuden die kurfürstliche Kellerei für das Oberamt Oberwesel ein.
Erst im Zuge der Gegenreformation konnte  der Orden 1621 wenigstens die eine Hälfte des Klosters wieder in Besitz nehmen, die andere Hälfte verblieb im kurfürstlichen Besitz. Zwischen 1624 und 1627 entstanden an der Nordseite des Chores Wandmalereien, die Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus darstellten. Eine Orgel wurde 1628 angeschafft, die 1672 allerdings schon für 12 Taler repariert werden mußte. 1628/29 wurde ein neuer Hochaltar errichtet, 1733 das Kirchendach erneuert und auf dem Chor ein Türmchen errichtet.

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts unterhielten die Minoriten in Oberwesel wieder eine Lateinschule, die 1802 zusammen mit dem Kloster aufgelöst wurde. Sie befand sich in dem gotischen Haus, heute Oberstrasse 11, in dem auch der Guardian seinen Sitz hatte.
Nach der Säkularisation des Klosters im Jahre 1802 wurden am 15. November 1803 seine Gebäude mit dem dazugehörigen Besitz für 4000 Francs versteigert, die Klosterkirche selbst wurde bis zum Jahr 1836 für den Gottesdienst genutzt. Nach einem vernichtenden Brand am 19. Oktober dieses Jahres wurden Kirche und Kloster nicht wieder aufgebaut und sind seitdem nur noch als Ruine erhalten. Die Ruine der Kirche, in welcher nach dem Brand mehrere kleinere Häuschen errichtet wurden, wurde in den Jahren 2003/2004 durch den Bauverein Historische Stadt Oberwesel e. V. mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege aufwändig saniert und vor weiterem Verfall geschützt. Neben der architektonisch wertvollen Sakristei, die in den Jahren 2006/2007 durch die Kulturstiftung Hütte Oberwesel gleichfalls umfassend saniert wurde, sind noch der Südflügel des Kreuzganges und weitere Klosterbauten auf der Nordseite der Kirche erhalten, ebenso die Umfassungsmauern des Klosterkomplexes. West- und Nordflügel des Kreuzganges wurden in Wohnhäuser integriert, deren Fensteranordnung noch recht gut die ehemaligen Bögen des Arkadengangs erkennen läßt.
(z. T. nach Winfried Monschauer, Kamp-Bornhofen)

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Oberwesel - Minoritenkloster. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/oberwesel-minoritenkloster/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 13.12.18)