Klöster Mosel-Saar

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Bau- und Kunstgeschichte Kloster Ebernach

0.1.Aufbau der Propsteianlage

Unter Abt Benedictus an der Eydt (1731-1755) erlebte die Propstei eine intensive Bauphase. 1750 wurde mit dem Neubau der Propstei begonnen, einem schlichten, gut proportionierten, siebenachsigen Putzbau mit zwei Geschossen. Öffnungen und Gliederungen wurden aus rotem Sandstein gefertigt. Geschmückt ist das Gebäude mit giebelgekrönten Mittelrisaliten und einem Mansarddach. Vom Vorgängerbau stammte wohl der Keller, ein Raum, der durch Gurtbögen auf einer 70 cm dicken Mittelsäule viergeteilt wurde. 1752 entstand ein Meierhof, etwas abgelegen östlich der Propstei. Dieser sog. Ebernacher Hof wurde laut einer Türinschrift 1753 fertig gestellt.

0.2.Kapelle innerhalb der Anlage

Die Ebernacher Kapelle wurde erstmals in der Stifterurkunde als „sacellum Beatae Virginis“ erwähnt. 1138 bestätigte Papst Innocenz II. die Gründung. Der Bau zählt zu jenen schlichten romanischen Kapellen, wie sie in jener Zeit wiederholt an der Mosel errichtet werden. 

Zu Beginn des 15. Jahrhundert befand sich die Kapelle in einem desolaten baulichen Zustand. Einen Ablass verhieß Erzbischof Otto von Trier im Februar 1425 allen, die zum Bau der Ebenacher Kapelle beitrugen, die wegen ihrer „Unförmigkeit“ erneuert und erweitert werden sollte. Der bisherige Ablass wurde deshalb 1434 erneuert und all denen gewährt, die ein Almosen zur Erneuerung der Kapelle gaben. Diese Maßnahme erwies sich als sehr erfolgreich. Denn drei Jahre später, 1437, konsekrierte am Donnerstag nach Pfingsten Weihbischof Johann von Berg das erweiterte Gotteshaus mit dem der Gottesmutter geweihten Hochaltar. Die Kapelle verfügte über ein Rechteckchor von ca. 5 x 4,50 m und ein zweijochiges saalartiges Kirchenschiff von 8,50 x8,50 m mit einer flachen hölzerne Kassettendecke. Die Fenster wiesen nunmehr Glasmalereien auf. 1493 berichtete die Gemeinde Sehl von der Kapelle in Ebernach, die nach altem Brauch Ziel einer Prozession zu Pfingsten gewesen war.

Um 1600 erhielt das Gotteshaus eine neue Ausstattung aus der Hofmann-Werkstatt. 1701 wurde mit einem Glockenturm (Dachreiter) begonnen, 1755 die Flachdecke durch ein Kreuzgewölbe im gotisierenden Stil ersetzt. 1889/90 erfolgten umfassende bauliche Ergänzungen und Reparaturen. 1956/7 wurde das Schiff der Propsteikapelle durch eine dazu im rechten Winkel angesetzte Kirche ersetzt. Die Chorteile der Kapelle blieben erhalten. Das Hauptwerk des Schiffes ist seitdem verschwunden.

Der ursprüngliche Altarraum dient heute als Gnadenkapelle St. Maria Himmelfahrt. Es ist ein kleiner, zweijochiger, kreuzrippengewölbter Raum mit 5/8 Schluss und einfach abgestuften Strebepfeilern. Vorhanden aus der früheren Ausstattung sind noch gute figürliche und ornamentale Konsolen und Schlusssteine.

0.3.Kapelle außerhalb der Anlage

Eine Wegekapelle (Putzbau) mit einem Wegekreuz befindet sich zwischen der ehemaligen Propstei und der Mosel. Sie datiert von 1676 und verfügt über einen geschnitzten Wellengiebel und ein Holztonnengewölbe. Bei der Kapelle befindet sich weiterhin ein Kreuz aus Basaltlava von 1629.

0.4.Materielle Kulturgeschichte

0.4.1.Bauausstattung

Bei der größten Kostbarkeit der Kapelle „Maria Himmelfahrt“, dem Ebernacher Gnadenbild, handelt es sich um eine hervorragende mittelrheinische Arbeit (Dehio). Es zeigt die Mutter Gottes mit dem vom Kreuz abgenommenen Sohn. Die hölzerne Plastik aus Eiche entstand Anfang des 15. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts sollte sie, als „unschön“ bezeichnet, verbrannt werden. Zusammen mit anderen Figuren ist sie wohl stattdessen auf dem Friedhof verscharrt und Jahre später wieder ausgegraben worden. Das Vesperbild überstand die Rettungsaktion. Es wurde restauriert. Heute hat das Gnadenbild seinen Platz im Kapellenchor.

Von der alten Einrichtung sind noch weiter erhalten: eine Muttergottes mit Kind um 1700, vermutlich fränkische Arbeit, und ein Triumphkreuz Ende 15. Jahrhunderts.

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Cochem - Kloster Ebernach. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/cochem-kloster-ebernach/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 19.11.19)