Klöster in Rheinhessen

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Mainz - Congregatio Jesu (Englische Fräulein, Institutum Beatae Mariae Virginis)

Tätigkeitsfelder

Haupttätigkeitsfeld war die Mädchenbildung.  Neben dem Religionsunterricht – er war Hauptfach – wurden in der Anstalt Schultheiß‘ Lesen, Schreiben, Rechnen und Handarbeiten unterrichtet. M.H. erwähnt (allerdings ohne nähere Jahresangabe) als weitere Lehrgegenstände in den höheren Klassen das Schreiben von Briefen, Rechnungen und Quittungen sowie Französisch. Schulgeld wurde in Mainz nur von begüterten Familien gefordert. Am Konzept der Schule von Maria Barbara Schultheiß änderte sich nach der Übernahme durch die Schwestern des I.B.M.V nur wenig. 1753 zählte die Anstalt schon 100 Schülerinnen. Gegen Ende des 18.Jh. wurden nach Schreiner ca. 400 Mädchen unterrichtet.
Ab der Mitte des 19.Jhs. übernahmen die Schwestern Klassen an den Mainzer Pfarrschulen. Insgesamt bedeutete diese Zeit eine Phase des Aufschwungs. Die kirchliche Statistik des Jahres 1866 erwähnt die Tätigkeit der Schwestern in der „höheren Töchterschule“, im Pensionat, den sechs Klassen der Mädchenschulen der Mainzer Dompfarrei und den Pfarreien St.Quintin und St.Christoph und außerhalb der Stadt,
Von Mainz aus konnte sich zwischen 1856 und 1871 das I.B.M.V in weiteren Orten etablieren, wo sie in den Bereichen Schule (z.T. incl. Pensionaten) und Kindergarten tätig waren (1856-1875 Büdesheim, 1858-1875 Kastel, 1858 Bensheim, 1858-1875 Dieburg, 1859-1874 Alzey, 1859 Worms, 1864 Bingen, 1865-1871 Heppenheim, 1866-1875 Münster b. Dieburg, 1870 Viernheim, 1870 Darmstadt, 1871-1875 Seligenstadt, 1892 Wiesbaden, 1903 Marienborn <Erholungsheim>, 1924 Geisa, 1926 Andernach).
Für das Jahr 1873, unmittelbar vor dem Ausbruch des Kulturkampfes in Hessen, ist notiert, dass die Gemeinschaft an 28 Schulen und zwei Pensionaten tätig sei[Anm. 1].
Während des Kulturkampfes musste das I.B.M.V auf Grund der Bestimmungen des Hessischen Schulgesetzes von 1874 seine Tätigkeit an den Volksschulen in Büdesheim, Kastel, Dieburg, Münster b. Dieburg, Viernheim und Bensheim aufgeben. In Mainz selbst kam es zu Repressalien. Am 17.6.1876 wurden die Schwestern aus den öffentlichen Schulen verwiesen. Die Institutsräume der Mainzer Niederlassung wurden beschlagnahmt. Die Höhere Mädchenschule und das Pensionat durften bleiben. Das durch die hessischen Kulturkampgesetze ausgesprochene Verbot, Novizen aufzunehmen wurde 1884 aufgehoben.
Die Lehrerinnenausbildung wurde 1926 aufgegeben.
Nach der durch das NS-Regime verfügten Schließung der Schulen in Mainz und Bingen wirkten die Schwestern in Mainz gemeinsam mit Rotkreuzschwestern und Schwestern der Göttlichen Vorsehung im Reservelazarett, das in den Institutsräumen untergebracht war. Andere Ordensmitglieder waren in der Fürsorge und auf dem Gebiet der Seelsorgehilfe tätig. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes nahm der Orden seine Unterrichtstätigkeit wieder auf.
Im Jahr 1994 gab der Orden, wie zuvor schon in Bingen, die Trägerschaft an der Schule in Mainz auf und übertrug sie einer neu gegründeten Schulstiftung (Stiftung Maria Ward-Schule). In der Folgezeit zogen sich die Ordensmitglieder zunehmend aus dem Unterricht an der Schule zurück. Nicht zuletzt wegen Nachwuchsmangels wurde die Mainzer Niederlassung der Schwestern 2017 aufgehoben. Die offizielle Verabschiedung erfolgte am 9.6.2017.

Anmerkungen:

  1. Vgl. Dom-und Diözesanarchiv Mainz; Best. Domkapitel D 5.3, Nr.6 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Congregatio Jesu (Englische Fräulein, Institutum Beatae Mariae Virginis). Tätigkeitsfelder. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-congregatio-jesu-englische-fraeulein-institutum-beatae-mariae-virginis/taetigkeitsfelder.html> (Letzter Aufruf: 20.07.19)