Klöster in Rheinhessen

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Baugeschichte

Über Größe und Aussehen der ersten, 1055 geweihten Klosterkirche und –anlage weiß man nichts. Da nach späteren Ansichten die Klostergebäude nach Westen weit vor die spätere Kirchenfassade vorsprangen und nicht in einer Flucht mit ihr blieben, vermutet F. Arens[Anm. 1], dass die romanische Kirche länger als ihre Nachfolgerin war. Das Kloster hätte in diesem Falle wie üblich neben deren Langhaus gelegen.
Am 12. Juni 1093 wurde von Erzbischof Ruthard im Klosterbereich eine Marienkapelle geweiht. Sie blieb 1329 offenbar unbeschädigt, weshalb von 1404 bis zur Fertigstellung der neuen Kirche in ihr der Chordienst stattfinden konnte. Sie befand sich am Kreuzgang und hatte einen dreiseitig geschlossenen Chor, der offenbar gewölbt war. Ein auf ihr befindlicher Dachreiter wurde 1757 abgebrochen. In ihr hingen zwei der insgesamt sieben Glocken des Klosters[Anm. 2]
Auch über die Kirche, die nach der Vertreibung der Benediktiner aus St. Jakob 1163 von den nun angesiedelten Prämonstratensern errichtet wurde und die 1186 vollendet war, weiß man nichts, ebenso wenig, ob die bald darauf wieder zurückgekehrten Benediktiner an Kirche und Klosteranlage Änderungen vorgenommen haben.
Im Gegensatz zu St. Alban und St.Victor hat man über das Ausmaß der Zerstörungen bei St. Jakob im Jahre 1329 keine genaueren Informationen. Die Klosteranlage scheint von den Mainzer Bürgern befestigt worden zu sein, was wahrscheinlich auch nicht ohne Zerstörungen geblieben ist. Ab 1404 begann dann ein langsamer Wiederaufbau, der mit der Fertigstellung der Kirche im Jahre 1461 abgeschlossen war. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde auch der Kreuzgang errichtet, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestanden hat.
Die unter Abt Eberhard von Venlo 1458 begonnene und am 16. August 1461 durch Weihbischof Siegfried von Cyrene zusammen mit einigen Altären geweihte neue Kirche war wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin. Sie musste von den Mainzer Bürgern im Rahmen von Schadenersatzleistungen gebaut werden, was man ihr offensichtlich auch ansah: das „nüchtern-ärmliche Aussehen“[Anm. 3] wird auch von Schriftstellern des 18. Jahrhunderts hervorgehoben[Anm. 4]. Diese spätgotische Kirche hatte nur ein Schiff, das breiter war als der Chor. Dieser war dreiseitig geschlossen und im Unterschied zum Langhaus, welches nur eine flache Holzdecke hatte, wahrscheinlich gewölbt. Nach Angaben des 18. Jahrhunderts war die Kirche 35,10 m lang und 14,17 m breit. Die Ausführung durch Mainzer Bürger hatte auch zur Folge, dass zwei Bürger als Bauaufseher darauf achteten, dass der Stadt durch den Bau keine strategischen Nachteile erwuchsen, weshalb auch auf den Bau eines Turmes verzichtet werden musste. 1563 wurde nur ein Dachreiter auf den Chor der Kirche gesetzt.
Nach den Verwüstungen im 30jährigen Krieg wurde das stark zerstörte Kloster um 1660/70 zwar wiederhergestellt, doch scheint es damals schon Bestrebungen gegeben zu haben, es in die Stadt oder in die Zitadelle zu verlegen[Anm. 5].
Im Jahre 1719 lies Abt Pankraz Wagner den Grundstein für einen langgestreckten zweigeschossigen Bau legen, der unter Wagners Nachfolger Vitus Seidel 1728 vollendet wurde. Der nördliche Teil dieses Baues diente dem Abt als Wohnung und beherbergte auch die Bibliothek; der größere südliche Teil war als Fremdenunterkunft bestimmt. Dieser Bau wurde bei der Beschießung von Mainz 1793 durch die davor liegenden Wälle der Zitadelle geschützt und hat diese überstanden, die übrigen Klostergebäude wurden genau wie die Kirche aber zerstört. Ein Wiederaufbau wäre viel zu teuer gewesen, weshalb der Konvent darum bat, in das leerstehende Altmünsterkloster einziehen zu dürfen. Dieses geschah Anfang 1794 und am 12. Juli dieses Jahres konnte die bis dahin als Getreidemagazin genutzte Altmünsterkirche wieder in Benutzung genommen werden.


Spätere Nutzung
Der auf dem Jakobsberg allein übriggebliebene ehemalige Abts- und Fremdenbau wurde zur Zeit der französischen Verwaltung als Lazarett genutzt und danach als sogenannte Benediktinerkaserne bis zu ihrem Abbruch 1912 genutzt. Die barocken Fenster- und Türrahmen sind aber bis heute erhalten geblieben.

Anmerkungen:

  1. Die Kunstdenkmäler der Stadt Mainz, S. 328 Zurück
  2. Fritz Arens, Die Kunstdenkmäler der Stadt Mainz, S. 333. Zurück
  3. Wolfgang Dobras, St. Jakob, S. 501. Zurück
  4. Fritz Arens, Die Kunstdenkmäler der Stadt Mainz, S. 328. Zurück
  5. Fritz Arens, Die Kunstdenkmäler der Stadt Mainz, S. 325. Zurück

Empfohlene Zitierweise

Reinhard Schmid: Mainz - St. Jakob. Baugeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-jakob/baugeschichte.html> (Letzter Aufruf: 20.05.19)