Klöster in Rheinhessen

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Geschichtlicher Abriss Bergkloster (Worms)

Urkundlich erstmals erwähnt wird das Kloster im Jahr 1243, doch eine Gruppe von büßenden Schwestern hatte sich bereits vor 1230 in Worms niedergelassen. Sie gilt als erste Gemeinschaft des Reuerinnenklosters. Ein erster Hinweis findet sich in einem 1230 ausgestellten Ablassbrief. Die Rede ist in diesem Schreiben von „pauperes sorores penitentes s. Marie Magdalene in Wormacia“, den armen büßenden Schwestern der hl. Maria Magdalena in Worms.
Initiator der Niederlassung war der Kanoniker Rudolf von Hildesheim, der im Auftrag des Kardinallegaten Konrad von Urach Predigtreisen im Rheinland unternahm, um für den Kreuzzug zu werben. In der Nähe von Worms stieß er auf die Gruppe von Prostituierten, die er nach Worms brachte und dort zu einem anderen Leben anleitete. In einem eigens für sie erworbenen Haus sollten sie fortan in Gemeinschaft leben. Ein solcher Zusammenschluss insbesondere zu Beginn des 13. Jahrhunderts war eine typisch städtische Erscheinung,
Die Quellen berichten, dass die Frauen Ordenkleidung trugen, um sich so auch nach außen als religiöse Gemeinschaft darstellen. Eine strenge Klausur für Reuerinnen bestand nicht. Für die frühe Zeit ist auch angesichts der Tatsache, dass die Frauen von Almosen lebten, eine strenge Klausur unwahrscheinlich. Zunächst war die Gemeinschaft allerdings wenig institutionalisiert. Nach den Forderungen des IV. Laterankonzils hatte jede neue Ordensgemeinschaft eine Regel anzunehmen. Zunächst waren dies die Benediktregel und die Institutionen von Citeaux.
1232 wies Papst Gergor IX. (1227/1241) die Reuerinnengemeinschaften an, die Augustinerregel und die Konstitutionen des Dominikanerklosters von San Sisto in Rom zu übernehmen. Dies geschah auch in Worms. 1238 ist in einer bischöflichen Urkunde die Rede von den „sorores poenitentium ordinis Sancte Magdalene“, den büßenden Schwestern vom Orden der hl. Magdalena.
Der Gedanke der Bekehrung Prostituierter trat sehr bald in den Hintergrund.
Zwischen 1266/86 und 1291 geriet der Orden als solcher in eine Krise, die sich im Wormser Konvent aber nicht bemerkbar machte (Kleinjung, S.128).
König Ruprecht nahm 1408 das Kloster unter seinen Schutz.
Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Wormser Konvent von Straßburg aus im Sinne des Magdelenenordens reformiert. Maßgeblich beteiligt an dieser Reform war der Wormser Bischof.
Spätestens seit dem 15. Jahrhundert besaß der Konvent als solcher das Wormser Bürgerrecht. Ein Einfluss städtischer Familien durch Prioren / Prokuratoren aus einflussreichen Familien aus Worms (Kleinjung, S.136) und eine „städtischer Pflegschaft“ (S.136) sind erst im 16. Jahrhundert nachweisbar.
Wie die übrigen Orden wurde auch das Bergkloster 1802 aufgelöst.
Die Lage des ersten Hauses innerhalb der Stadt Worms ist unbekannt. 1243 wurden der Gemeinschaft durch den Propst des Andreasstiftes Geländes und Pfarrkirche in der westlichen Vorstadt vor dem Andreastor an die Frauengemeinschaft übertragen. Aufgrund der stadtgeographischen Lage des Klosters auf dem Andreasberg wurde ab den 1260-er Jahren der Begriff Bergkloster üblich. Heute erinnert noch ein Straßenname an die Ordensniederlassung.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - Bergkloster. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-bergkloster/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 21.07.19)