Klöster in Rheinhessen

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Besitz

Der Johanniterorden übernahm zunächst den Besitz der Templer in Mühlheim bei Osthofen, in Kirchheim an der Eck, Gernsheim und Biblis . Noch 1765 ist der Besitz nachgewiesen. 

Für 1495 charakterisiert W.G.Rödel die wirtschaftliche Lage der Kommende als „sehr schwach“[Anm. 1].
Trotz des Einflusses der Reformation verbesserte sich im 16.Jh. offensichtlich die Situation. Komtur Coci gelang es, Pfandschaften zu tilgen und Schulden, etwa bei den Dominikanern in Mainz und Worms sowie den Kollegiatstiftern St.Martin und St.Andreas, zu begleichen. W.G.Rödel erwähnt für den gleichen Zeitraum auch den Neubau eines Hauses in Worms und den Erwerb eines Weinbergs sowie den Bau einer neuen Kelter.  Dennoch musste die Niederlassung auch unter Coci Zins für weiterhin bestehende Pfandschaften aufbringen.
1540 nennt das Visitationprotokoll Einkünfte aus dem Gut Mühlheimer Hof, ebenso aus Biblis, Kirchheim, Ottersheim, Heuchelheim, Osthofen, Mertesheim und Sausenheim sowie Wieblingen (heute Heidelberg-Wieblingen).
Über den Besitz in Biblis liefert namentlich die mit dem Titel „Beforchung de 1611 Vber eines Wohllöblichen Teutschen odens Wormbs Liegende Gütter in Bibliß Gemarckhung“ betitelte Renovation vom 8.11.1611 detaillierte Angaben (Vgl. Fendler). Zwar hatte der Deutschorden Besitz in Worms, doch keine Niederlassung.
Die Größe des Besitzes in Biblis wird mit 190 und ein Viertel Morgen Ackerland und einem kleineren Bestand an Wiesen klassifiziert. Eine detaillierte Auflistung ist bei Fendler ediert[Anm. 2].

Besitz /Einkünfte  der Wormser Johanniterniederlassung  sind auch erwähnt für in Eisenberg, Heuchelheim, Ottersheim, Kerzenheim, Mertesheim, Neu-Leinigen, Osthofen, Sausenheim und Wieblingen /Neckar.
Hofgüter befanden sich 1765 in Biblis, Heuchelheim, Ottersheim, Sausenheim und Wieblingen.
Das Gut in Ottersheim wurde damals keiner persönlichen Visitation unterzogen, da es von Worms relativ weit entfernt lag und schwer erreichbar war. Es wird bezeichnet als „nur eine Scheuer“[Anm. 3], die für 301 fl. 57 xr. verpachtet war.
Der Mühlheimer Hof wurde am 27.3.1765 visitiert. Als Beständer genannt werden Jakob Weis und Georg Schneider, 1745 waren die Gebäulichkeiten neu erbaut, 1747 das Haus erweitert worden; erst 1757 war ein neuer Pferdestall für 6-7 Tiere entstanden.
„Güter-Geld und Grundzinsen“ bezog die Niederlassung, wie 1765 festgehalten ist, in Neu-Leiningen, ebenso erwähnt wird ein „Eißenberger gefell“.

In der Stadt Worms besaß der Orden ein Wohngebäude und die als Weißkreuzkapelle bezeichnete, wahrscheinlich zweigeschossige Kapelle. An diese schlossen sich im Süden die Wohn- und Wirtschaftsgebäude an, im Westen befand sich ein weitläufiger Garten. Im Süden wurde das Anwesen begrenzt durch die Hardtgasse, im Osten durch die Kämmererstraße (heute ca. Kämmererstraße 39-41). Die Nähe zum Stadttor ermöglichte es, dass Wanderer und Pilger auch zu später Stunde noch Unterkunft finden konnten[Anm. 4].
Der bauliche Zustand des gut ausgestatteten Hofes wird sowohl 1495 als auch 1540 als gut bezeichnet. Bei der Visitation des Jahres 1765 wird das Haus beschrieben als Wohngebäude mit Stall, Schuppen und Garten, umgeben von einer Ringmauer. Die Möblierung nahm sich eher bescheiden aus.
Auch die Kapelle war eher schlicht ausgestattet. Das Protokoll der Visitation von 1765 erwähnt neben dem Altar fünf Betstühle und eine Glocke.

Bei der Visitation des Jahres 1765 werden zudem zwei Wohngebäude, die in der Nähe der Kommende lagen, erwähnt.

Insgesamt beliefen sich die Einnahmen aus Geld und Naturalien 1765 auf einen Wert von 1502 fl. 15 xr.; diesen gegenüber standen jedoch auch Ausgaben, unter anderem das Salarium für den Administrtator in Höhe von 150 fl., so dass dem Orden letztlich Einnahmen in Höhe von 1202 fl. 15 xr. verblieben.

Nach der Säkularisation im Jahre 1802 fiel die Immobilie in weltliche Hand. Die nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1689, der Worms bis auf die Grundmauern ruiniert hatte, angeschafften Ausstattungsstücke wurden verschleudert[Anm. 5]. Aus der Kapelle erhalten geblieben sind der Hochaltar, der sich heute in Ruppertsberg befindet, sowie die zu diesem Altar gehörenden Figuren (heute im Historischen Museum der Pfalz). Im Jahr 1807 wurde das Haus als Gendarmeriekaserne genutzt. Als die Immobilie 1817 versteigert werden sollte, fand sich kein Käufer.

Noch 1818 diente die Kapelle als Salzmagazin; der Wohntrakt wurde weiter militärisch genutzt (Dragonerkaserne). Auch für 1841 ist eine Nutzung des Ensembles als Magazin und Kaserne nachweisbar. Danach kam es in Privatbesitz. Der ehemalige Johanniterhof wurde 1847 durch die Casinogesellschaft erworben, die ihn 1847-1849 grundlegend zu eigenem Haus für die Gesellschaft umbauen ließ. Dabei wurden die letzten Reste der ursprünglichen, mittlerweile baufällig geworden Gebäude beseitigt. In der Hardtgasse 2-4 weist eine Erinnerungstafel auf die ehemalige Ordensniederlassung hin.

In den Jahren nach 1802 kam auch der Besitz außerhalb der Stadt Worms zur Versteigerung. Die umfangreiche Edition von W.Schieder nennt Besitz des Malteserordens in Ottersheim (Nrr. 10.457, 10.458, 11.772, 11.773), Sausenheim (11.903) und Gundersheim (12.304).

Anmerkungen:

  1. W.G.Rödel, Großpriorat, S. 245 Zurück
  2. Vgl. Fendler, Johanniterkommende, S. 114 ff. Zurück
  3. W.G.Rödel, Visitation, S. 77 Zurück
  4. Vgl. Rödel, W.G.: Großpriorat, S. 28 Zurück
  5. Vgl. Böcher, S.441 f. Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Worms - Johanniter. Besitz. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-johanniter/besitz.html> (Letzter Aufruf: 21.05.19)