Klöster in Rheinhessen

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Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Ricardiklosters (Worms)

0.1.Besitzgeschichte

Zu den Gütern, die Gudelmann den Religiosen 1288 vermachte, zählte auch das Haus, in dem sie lebten und das er von den Kindern des David von Gundheim erworben hatte.
1390 (Baur III, 1488) erhielt der Konvent ein Vermächtnis von 6 Pfd. Heller u.a. durch Else, Witwe es Johann Mor, Tochter des Johann Baltz.
1469 ist davon die Rede, dass die Schwestern aus ihren Besitzungen 5 Heller Schatzung zu zahlen hatten; beim Erwerb weiterer Güter sollten sie dann aber die gleichen Abgaben zahlen wie die übrigen Bürger. (Hess. Archiv II, S.414).
Im 16. Jahrhundert besaß das Kloster Einnahmen („Gefälle“) im Wormser Raum: in Pfeddersheim, Westhofen, Monzernheim, Pfiffligheim, Niederflörsheim, Flomborn und Gundersheim. Ein anderes Bild zeigt sich knapp 300 Jahre später. Bei der Aufstellung der zu versteigernden Nationalgüter werden zu Beginn des 19. Jahrhunderts als außerhalb von Worms gelegen kleine Ackerflächen in Edigheim, Mörsch sowie eine größere Ackerfläche in Oggersheim genannt. Die beiden Flächen in Mörsch wurden je mit 172 fr. taxiert, nur einer der beiden Äcker wurde auch verkauft (für 230 fr.): Nicht verkauft wurde auch der Besitz in Edigheim, der mit 215 fr. taxiert worden war. Deutlich höher taxiert wurde der Landbesitz in Oggersheim (2490 fr.), der schließlich für 6000 fr. den Eigentümer wechselte.
Eine gewisse Besitzarrondierung lässt sich innerhalb des Wormser Stadtgebietes nachweisen. Dort besaß das Kloster landwirtschaftliche Nutzflächen. Genannt sind ein Garten, Ackerflächen in der Rohrlache und „an der großen Straße in der Schalmay“ (Schieder, IV, Nr.12634) , Land, das teils mit Reben bepflanzt war sowie ein Weinberg.

0.2.Hauptsächlich betriebene Wirtschaftsweise

Im Jahr 1469 gestattete der Rat der Stadt Worms den Schwestern ihre bisher betriebenen vier Webstühle weiter zu behalten und so viel Garn anzunehmen wie sie verspinnen konnten. Daneben strichen die Schwestern Wolle und buken.

0.3.Wirtschafthöfe, Grangien, Landnutzung

Bei der Versteigerung der Nationalgüter werden zwei Höfe genannt.
In einem Fall handelte es sich um ein Gut in Offstein (Schieder IV, 12367), zudem ein umfangreiches Stück Land, ein freier Platz und ein Keller gehörten. Taxiert auf 13 240 fr. wurde das Gut am 30.8.1808 für 27 900 fr. verkauft. 1809 wurde das Gut in rascher Folge dreimal erneut angeboten. Erst beim letzten Angebot wurde das Gut nach einer nunmehrigen Taxierung auf 16 000 fr. für 20 000 fr. verkauft.
Zwei Güter sind in Weinsheim genannt. Bei einem der beiden handelte es sich um eine relativ kleine Liegenschaft, zu der ein Weinberg gehörte und die mit 1 000 fr. taxiert wurde und einen Kaufpreis von 1 175 fr. erzielte. Das andere Gut bestand in Haus, Scheune, Ställe, Garten und umfangreichem Landbesitz. Taxiert auf 26 400 fr. betrug der Kaufpreis schließlich 30 000 fr. Zum Vergleich sei angeführt, dass der Klosterkomplex als solcher mit 2 000 fr. taxiert worden war und für 5 200 fr. verkauft wurde.

0.4.Stadthöfe, Termineien, Termineibezirke

Im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung von Kirche und Konventsgebäuden (1768) war die Rede davon, dass der Konvent 1742 mit dem Wormser Domkapitel ein Haus getauscht, worin der Rat der Stadt Worms einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Westfälischen Friedens sah. Bei den im Zusammenhang mit der Nationalgutversteigerung genannten Liegenschaften taucht allerdings ein Haus in Worms nicht eigens auf, sondern es ist an Gebäuden in der Stadt nur allgemein vom Kloster die Rede.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - Ricardikloster. Besitz- und Wirtschaftsgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-ricardikloster/besitz-und-wirtschaftsgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 07.07.20)