Klöster in Rheinhessen

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Alzey - Heilig-Geist - St. Johann

GEO:49.744513, 8.125081

Heilig-Geist - St. Johann

Die ursprüngliche Lage des Klosters Heilig-Geist in oder bei Alzey ist nicht bekannt. Eine freilich nicht belegbare Hypothese vermutet es südlich der Stadt in der Umgebung des spätrömischen Kastells und des St. Georg-Friedhofes. Von hier gelegenem Besitz des Pfalzgrafen Philipp heißt es nämlich zu Beginn des 15. Jahrhunderts, dieser würde "uff den Heiligen Geist bis an die mure" stoßen. Freilich erbrachten archäologische Untersuchungen hier - mit Ausnahme der ehemaligen St. Georgs-Pfarrkirche - fast ausschließlich Reste römischer Bauten.
Auch über die Anfänge  des Klosters weiß man nichts. Möglicherweise ging es aus einer Frauengemeinschaft hervor, die an der Kapelle seit Anfang des 13. Jahrhunderts lebte und die 1248 erstmals als "monasterium" bezeichnet wird. Welche Regel diese Frauen befolgten, weiß man nicht. In der genannten Urkunde von 1248 wird der Wormser Dominikanerprior vom Papst aufgefordert, das Alzeyer Frauenkloster Heilig-Geist seinem Orden zu inkorporieren. Daraus scheint aber nichts geworden zu sein, denn 1271 wurde das Kloster in den Zisterzienserorden inkorporiert.
Schon zuvor, im Jahre 1262, hatte der Konvent das Patronatsrecht an der Johanneskapelle südöstlich von Alzey, nördlich der heutigen Dautenheimer Landstraße, erhalten. Aus unbekannten Gründen verlegte der Konvent in den folgenden Jahren sein Kloster an diese Kapelle, die wahrscheinlich größer und geeigneter für das Klosterleben war. Erst um 1290 war dieser Umzug abgeschlossen und schlug sich nun auch im Namen der Gemeinschaft nieder, die sich 1299 etwa als "conventus sanctimonialium in Spiritu sancto ad sanctum Johannem" bezeichnete[Anm. 1]. Auch wenn das Kloster nun vorrangig als "St. Johann" bezeichnet wurde, findet sich der alte Name auch weiterhin noch, selbst 1539 befindet sich auf einem Konventssiegel die Umschrift "Sigillum conventus ad spiritum sanctum"[Anm. 2].
Nach anfänglichen finanziellen Problemen, die vielleicht durch den Umzug und damit notwendig gewordene Baumaßnahmen verursacht worden waren, verbesserte sich die  wirtschaftliche Lage der Frauen bald, vor allem dank der Unterstützung durch die Pfalzgrafen. Diese erwiesen sich als Gönner des Klosters, die es mit zahlreichen Privilegien ausstatteten und die es auch als Versorgungsstätte für ihre Töchter nutzten: 1502 lebten immerhin vier Töchter von Pfalzgraf Philipp als Schülerinnen hier. Der Konvent scheint sich demnach zumindest teilweise aus Töchtern adliger Familien zusammengesetzt zu haben.

Der enge Kontakt zu den Pfalzgrafen bewahrte das Kloster, dem 1501 immerhin noch 17 Chorfrauen, 12 Laienschwestern und 6 Schülerinnen angehörten, jedoch nicht vor seiner Aufhebung im Jahre 1564. Ursula Wolf von Sponheim, die bis dahin Konventualin des Klosters war, beurkundet in diesem Jahr, dass sie als Entschädigung jährlich 40 Gulden Geldes, 16 Malter Korn und 4 Ohm Wein bekommen soll und nun zu ihrem Neffen Johann Wolf von Sponheim und seiner Gemahlin Maria Schenck von Schmidtburg nach Bacharach ziehen werde.

Nach seiner Aufhebung wurde das ehemalige Kloster in ein Spital umgewandelt, welches allerdings keinen Bestand hatte, weshalb ein Schaffner, der bis ins 18. Jahrhundert seinen Amtssitz in den noch gut erhaltenen Klostergebäuden hatte, die Güter verwaltete.
Einblick in die Architektur von Kirche und Klostergebäude, wie sie in ähnlicher Form wohl auch für die anderen Zisterzienserinnenklöster in und um Alzey zutrafen, erbrachten seit 1963 durchgeführte Ausgrabungen auf dem Gelände von St. Johann. Die Klosterkirche war demnach dreischiffig und ungefähr 40 Meter lang, der Kreuzgang – einen Teil davon bildete das südliche Seitenschiff – maß im Geviert etwa 30 Meter. „Das Hauptgebäude mit Speisesaal, Kapitelsstube und Schlafräumen war über 50 Meter lang. Es waren ansehnliche Gebäude, in denen die Nonnen wohnten“[Anm. 3].

Um 1780 waren noch Gebäudereste des Klosters sichtbar, am Bogen des Hoftores stand die Inschrift "Pax Domini sit semper vobiscum anno Domini M.CCCC.LX.III" (Der Friede des Herrn sei stets mit Euch. Im Jahre des Herrn 1463). 1806 wurde das Hofgut als Nationalgut versteigert, die übrig gebliebenen Gebäude wurden wenige Jahre später abgebrochen.

Anmerkungen:

  1. Schnabel/Untermann, Alzey, Heilig Geist, S.97 Zurück
  2. Abbildung bei Schnabel/Untermann, Alzey, Heilig Geist, S. 107 Zurück
  3. A.Ph.Brück, Christliches Leben, S. 161 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Alzey - Heilig-Geist - St. Johann. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/alzey-heilig-geist-st-johann.html> (Letzter Aufruf: 13.11.18)