Klöster in Rheinhessen

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Wohngebäude

Für die frühere Anlage ist  nicht urkundlich nachweisbar, ob die zunächst genutzten Wohngebäude durch den Orden errichtet worden waren oder ob die Gemeinschaft eine schon bestehende Anlage  übernommen hatte. Nach Schaab hatten die Johanniter das Haus von den regulierten Chorherren Zum Heiligen Grab übernommen. W.G.Rödel misst dieser Vermutung eine „gewisse Wahrscheinlichkeit“[Anm. 1]bei. Für die Übernahme eines Hauses spricht das für die Johanniter sonst ungewöhnliche Patrozinium, wurden doch in Deutschland üblicherweise neuerbaute Kirchen des Ordens Johannes geweiht. Bei der Übernahme einer bestehenden Kirche wurde das bisherige Patronat auf einen Nebenaltar übertragen. In den Quellen wird ein mit dem Wohnhaus verbundener Wehrturm erwähnt.
Das Visitationsprotokoll des Jahres 1495 bezeichnet den Bau als alt, aber in gutem Zustand. Die Anlage wird als umfangreich bezeichnet und namentlich der Turm als herrliches Bauelement hervorgehoben. Zu dem gut ausgestatteten Haus gehörte ein weitläufiger Garten, der vor allem als Obstgarten genutzt wurde.
Die Mainzer Stadtaufnahme beschreibt die Kommende 1568 als ein Haus „mit seinem begriff und zugehorungen, kirchen, haus, hof, scheurn, ställen und großen garten“[Anm. 2]. Als stadtgeographische Lage wird angegeben, dass das Grundstück an das Bockshöfchen sowie die „Schoffergaß“ und die „Schulmeisterei“ anstoße. Festgehalten wird „bewont alzeit ein schaffner, so es abwesent des hern Commenthors in verwaltung hat“[Anm. 3]. Ähnlich lauten die Beschreibungen der Stadtaufnahmen der Jahre 1657 und 1687.

O.Böcher interpretiert die Fassadenverzierung am Haus Leichhofstraße 5, einen Kopf in einem Medaillon, als  Kopf des hl. Johannes und als Spolienstein der früheren Komturei (15.Jh.); die Denkmaltopographie nennt hingegen keinen Verweis auf ein Gebäude des Ordens und bezeichnet die Darstellung als Christushaupt[Anm. 4].

Zwischen 1740 und 1748 entstand ein Neubau (Lit F 191; heute Heilig-Grab-Gasse 2), ausgeführt durch Johann Kaspar Bagnato (1693-1757). Miteinbezogen in die Planungsphase war auch Anselm Franz Ritter von Grünstein. Das Areal umfasste einen durch den Weihergarten, Weihergartenstraße, Hollagässchen, Bockshöfchen und Heilig-Grab-Gasse umschlossenes Terrain
Die Stadtaufnahme des Jahres 1747 nennt einen großen Garten samt Ausfahrt, der zum Hl. Grab gehöre, der an das Bockshöfchen sowie in die „Schäfergaß“ und die alte Scholasterei anstoße[Anm. 5], gelegen hinter zwei Häusern, von denen H.Schrohe eines als Kirschgarten 21 identifiziert. Weiter heißt es hier zu dem später unter der Adresse Bockshöfchen 3 geführten Haus: „Hierneben im eck ist ein eingang zum kirchhof und capellen ins Heil. Grab“[Anm. 6].

Bei der Visitation im Jahr 1772 wurde bei der Besichtigung der Gebäude herausgestrichen, dass der Komtur für manche Verbesserungen gesorgt hatte.

Für die folgenden Jahre des 18.Jh. liegen keine detaillierten Beschreibungen des Gebäudes vor; der für die Kommende maßgebliche Band der Stadtaufnahme des Jahres 1785 ist wahrscheinlich in französischer Zeit verloren gegangen; die Stadtaufnahmen der Jahre 1794/97 vermerken keine Einzelheiten zu den jeweiligen Immobilien.

Im 18.Jh. lebten nur noch selten Mitglieder des Ordens im Komturgebäude. Bei der Stadtaufnahme im Jahr 1747 verzeichnet das Protokoll keine Bewohner[Anm. 7]. Wahrscheinlich schon um 1750/51, so Rödel[Anm. 8], war es daher Sitz des französischen Botschafters am Kurmainzer Hof.

Beim Einmarsch der Franzosen in Mainz (30.12.1797) wurde das Ordenshaus „wohl in Beschlag genommen“[Anm. 9].

In der Stadtaufnahme 1794/95 wird zwar das als „Malteser Kommenturhaus“ bezeichnete Gebäude erwähnt, doch findet sich kein Hinweis auf die Bewohner.
In den Akten der im Jahr VIII  (1800) durchgeführten Stadtaufnahme  findet sich Lit F 191 nicht erwähnt. Das Adressbuch der Stadt Mainz für das Jahr 1800 bezeichnet das Haus F 191 als „dermalen Requisitionsfuhrwesen-Depot“. Als Bewohnerin genannt wird eine Witwe Margarethe Schreffer.
Der Plan, den Gerichtshof in das Gebäude zu verlegen (1808), ließ sich nicht realisieren, da die Räume nicht über die notwendige Größe verfügten.
Später wurde das Gebäude als Artillerieschule genutzt (1812-1814). In napoléonischer Ära entstand auch die Ummauerung neu. In der Zeit der Nutzung als Artillerieschule stammen die Aufsätze am Torabschluss.

Auch nach dem Abzug der Franzosen (1814) diente das Gebäude bis 1918 der Genie-Direktion der Mainzer Festung und verblieb auch 1920 – 1930 im Besitz der Garnison Mainz.
1931 befanden sich die Gebäude im Eigentum der Bischöflichen Verwaltung und waren von 1930-1966 Sitz des Franziskanerinnenklosters. Die Schwestern unterhielten ein Heim für stellenlose weibliche Jugendliche, eine ambulante Kranken- und Armenpflege sowie eine Stellenvermittlung; später ein Altersheim und ein Mädchenwohnheim.

Das Haupthaus überstand die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend unbeschadet. Die zerstörten Seitenflügel wurden 1948 wieder aufgebaut, wobei die ursprünglichen Walmdächer durch Mansarddächer ersetzt wurden. In vier Räumen ist die aus dem 18.Jh. stammende Stuckdecke von 1747 erhalten.

Die aus dem 12.Jh. stammende Kapelle, die bei den Baumaßnahmen im 18.Jh. weitgehend erhalten geblieben war, wurde nach 1960 beseitigt.

Nach einem umfassenden Umbau ist das Wohngebäude seit 1969 Sitz des Bischöflichen Ordinariates Mainz.

Anmerkungen:

  1. Rödel, Kommende, S. 68 Zurück
  2. Schrohe, Stadtaufnahme Bd.1  (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz 6), S. 64, Nr. 646 Zurück
  3. Ebd. S. 65 Zurück
  4. Vgl. Denkmaltopographie,  S. 258 Zurück
  5. Vgl. Schrohe, S. 41 f. Zurück
  6. Schrohe, S. 42 Zurück
  7. Vgl. Schrohe, Stadtaufnahmen, Beiträge Bd.8, S. 41, Nr. 518 (444) Zurück
  8. Vgl. Rödel, Kommende, S. 73 Zurück
  9. Rödel, Kommende, S. 74 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Johanniter. Gebäude. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-johanniter/gebaeude.html> (Letzter Aufruf: 14.11.19)