Klöster am Mittelrhein

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Geschichtlicher Abriss Kloster St. Beatusberg (Koblenz-Karthause)

0.1.Benediktinerkloster und Chorherrenstift

Stadtansicht 1549

Über die Anfänge und überhaupt über die Geschichte des Benediktinerklosters St. Beatusberg ist nur sehr wenig bekannt. Da es keine Gründungsurkunde gibt und sich auch nur wenige Urkunden aus seinem Archiv erhalten haben, gehen die Meinungen über die Zeit und die Umstände seiner Gründung stark auseinander. Entscheidend scheint die Frage zu sein, wann Reliquien des Trierer Ortsheiligen Beatus von der Trierer Abtei St. Maria ad martyres nach Koblenz gebracht wurden. Während Pauly einen Zusammenhang mit der Schenkung des Koblenzer Königshofes an den Trierer Erzbischof im Jahre 1018 sieht und die Möglichkeit erwägt, dass es sich bei der in diesem Zusammenhang erwähnten "abbatia" um das spätere Kloster Beatusberg handelt, glaubt Simmert in seinem Beitrag in der Germania Benedictina, dass die Reliquientranslation erst in den Jahren zwischen 1107 und 1143 erfolgte und Kloster Beatusberg wahrscheinlich erst um 1143 durch den Trierer Erzbischof Albero von Montreuil (1131-1152) errichtet wurde. Erzbischof Hillin von Fallemaigne (1152-1169) hat dann 1153 die Schenkungen seines Vorgängers bestätigt und vervollständigt. Ungeachtet dieser Frage nach dem Zeitpunkt der Einrichtung eines Benediktinerklosters scheint aber durchaus die Möglichkeit zu bestehen, dass an seiner Stelle schon in weitaus früheren Zeiten eine Kirche gestanden hat. Durch die Angliederung des Frauenkonvents von Oberwerth vor Koblenz entstand ein Doppelkloster, welches aber aufgrund ständiger Besitz- und Jurisdiktionsstreitigkeiten 1215 durch den Trierer Erzbischof Dietrich II. von Wied wieder getrennt wurde. Bei dieser Gelegenheit mussten beide Konvente zur Vermeidung weiterer Streitigkeiten alle Urkunden, die bei diesen Auseinandersetzungen als Beweismittel dienen konnten, zur Vernichtung abliefern. Die schlechte archivalische Überlieferungssituation von Beatusberg findet hier sicher zum wesentlichen Teil ihre Erklärung.
Doch auch über die verbleibenden hundert  Jahre des Benediktinerklosters auf dem Beatusberg ist nur wenig bekannt. 1233 nahm es Papst Gregor IX. in seinen päpstlichen Schutz und bestätigte alle seine Besitzungen, 1241 weihte Bischof Heinrich von Ösel im Auftrag des Trierer Erzbischofs die Klosterkirche zu Ehren der Gottesmutter und der Heiligen Beatus und Servatius.
Die meisten Klöster des Benediktinerordens durchlebten im 13. und 14. Jahrhundert eine schwere Krise, von der auch das Kloster auf dem Koblenzer Beatusberg nicht verschont blieb. Hier nahm sie solche Ausmaße an, dass sich der Trierer Erzbischof Boemund I. von Warsberg (1289-1299) noch kurz vor seinem Tod gezwungen sah, den Abt Walram des Trierer Klosters St. Maria ad martyres als Administrator einzusetzen. Er sollte verhindern, dass weiterhin infolge der Liederlichkeit der Mönche und des nachlässigen Verhaltens der Klosteroberen der Klosterbesitz verschleudert und das Kloster so in den Ruin getrieben wird. Trotz einer 15 - jährigen Regierungszeit konnte Walram den weiteren Niedergang aber nicht aufhalten und gab am 30. Mai 1314 schließlich auf. Der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg wandelte das Kloster auf dem Beatusberg daraufhin zunächst in ein Chorherrenstift (1315-1331) und dann schließlich 1331 in eine Kartause um.

0.2.Kartäuserkloster

Kartause

Erster Prior der neuen Kartause, bis ungefähr 1335, wurde Johannes von Echternach aus der Kartause Seitz, der auch der erste Klostervorsteher der Kartausen Mainz  und Trier war. Von 1342-1348 war er wieder Prior in Mainz, hat sein Leben dann aber als erster Rektor der 1348 gegründeten Kartause Würzburg.beschlossen  Dem Orden inkorporiert wurde die neue Kartause auf dem Beatusberg wahrscheinlich 1337. Den Angehörigen des bisherigen Chorherrenstifts wurde zugestanden, dass sie ungeachtet ihrer bisherigen Einkünfte Kartäusermönche werden können, wobei sie auch weiterhin ihren Besitz und ihre Rechte außerhalb der Klausur behalten konnten. Erst nach ihrem Tod sollte dies alles an das Kloster fallen.
In ihren Anfangsjahren litt die Kartause noch schwer unter der Last der Schulden, die das Benediktinerkloster verursacht hatte, dessen Besitz offensichtlich auch weitestgehend verloren gegangen war. Der Ausbau der bisherigen Anlage zu einem Kartäuserkloster, der Bau und die Ausstattung der Einzelzellen, wurden durch zahlreiche Spenden wohlhabender Koblenzer Bürger ermöglicht. Dank wohlgesonnener Stifter und Schenker erlebte die Kartause ab Beginn des 15. Jahrhunderts einen beachtlichen Aufstieg.

0.3.Säkularisation

Nachdem der Konvent schon am 9. November 1794 das Kloster verlassen und in den Stadthof  Vogelsang gezogen war, wurde das Kloster am 12. September 1802 aufgehoben. Die Gebäude wurden zunächst als französische Kaserne genutzt. 1814/15 dienten sie dem Militär als Seuchenlazarett, mussten dann aber in den Jahren 1822-1832 völlig dem Neubau des Forts Großfürst Konstantin weichen. Einige der ehemaligen Klosterangehörigen blieben in Koblenz, der letzte war P. Bruno Hoffmann (1763-1843), der hohes Ansehen in der Stadt genoss.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Koblenz - Kloster St. Beatusberg. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-kloster-st-beatusberg/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 17.09.19)