Bau - und Kunstgeschichte Stift St. Kastor (Koblenz)

0.1.Aufbau der Klosteranlage

St. Kastor - Grundriss[Bild: Michael Imhof]

Umfassend zur Baugeschichte der Kirche und ihrer einzelnen Bestandteile siehe neben der alten Darstellung von F. Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz (1937), S. 79-126, die Ergebnisse der Ausgrabungen und Bauuntersuchungen 1985 - 1990 bei G. Stanzl, St. Kastor in Koblenz (1998).

 

 

0.2.Kirche

0.2.1.Die Kirche heute

St. Kastor - Innenraum[Bild: Katharina Ücgül/IGL]
St. Kastor - Innenraum[Bild: Katharina Ücgül/IGL]

St. Kastor zeigt sich heute als romanische dreischiffige Basilika mit Querschiff. Zwischen den Pfeilerarkaden des Mittelschiffs und dem Obergaden befinden sich Scheinemporen in Gestalt von Biforien. Die heutige romanische Kirche steht auf den Fundamenten des karolingischen Baus, dessen Bausubstanz heute noch unter anderem in den Fundamenten und beim Querhaus bis zu den Kämpfern des Chorbogens erhalten ist. Dieser karolingische Bau, also die 836 geweihte Kastorkirche, die über einem römischen Umgangstempel erbaut wurde und für die ein fränkischer Vorgängerbau nicht ausgeschlossen werden kann, besaß ein einschiffiges Langhaus mit dreigeteiltem Querschiff und Mittelapsis. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde das Westwerk in kleinerem Umfang und unter Wiederverwendung der karolingischen Kapitelle neu errichtet. Der Chor mit den beiden Flankentürmen wurde um 1150/60 erbaut, die Turmobergeschosse mit den beiden relativ steilen Rautenhelmen entstanden im frühen 13. Jahrhundert. Nach offensichtlich größeren Zerstörungen 1198 im Krieg zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. konnten 1208 das breite und niedrige romanische Langhaus mit gewölbten Seitenschiffen und flachgedecktem Mittelschiff durch Erzbischof Johann I. geweiht werden. Offensichtlich waren aber noch nicht alle Schäden beseitigt, da 1236 Propst Gerlach testamentarisch das Gnadenjahr seiner Präbende zum Wiederaufbau der Kirche bestimmte. Im späten 15. Jahrhundert erfolgten die Einwölbung des Langhauses und die Neueinwölbung der Vierung mit einem Netzrippengewölbe.
1673 wurde eine neue Sakristei errichtet.

0.2.2.Klausur- und Konventsgebäude

Die Stiftsgebäude befanden sich vor der Westfassade der Kirche und auf ihrer Südseite.

0.3.Bauausstattung

0.3.1.Altäre, Kanzeln, Taufsteine, weitere Ausstattungsgegenstände

St. Kastor - Kanzel[Bild: Katharina Ücgül/IGL]

Der Hochaltar ist mit Bronzekruzifix ausgestattet und wurde 1685 von Georg Schweigger aus Nürnberg gefertigt.
Die Kanzel im Jahr 1625 von Peter Kern.
Die 16 Tafelbilder von 1480, der ehemaligen Chorschranke sind zu sehen. Ebenso vier Grabsteine und ein Pokalförmiger Taufstein aus rotem Lahnmarmor, 18. Jh.

Siehe hierzu Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, S. 128 f.

 

 

 

0.3.2.Grabstätten und Grabmäler

St. Kastor - Grabmal von Erzbischof Kuno von Falkenstein[Bild: Michael Imhof]

Im Chor befinden sich die Grabmäler der Erzbischöfe Kuno von Falkenstein († 1388) und Werner von Falkenstein († 1418), außerdem das Doppelgrabmal des um 1411 verstorbenen Koblenzer Amtmanns Friedrich von Sachsenhausen und seiner Frau Sophie Schenk von Liebenstein aus dem frühen 15. Jahrhundert.
Siehe hierzu Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, S. 134-149.

 

 

 

 

 

0.3.3.Orgeln

St. Kastor - Orgel[Bild: Katharina Ücgül/IGL]

Schon 1422 gab es in der Kastorkirche zwei Orgeln, die aber zu dieser Zeit offensichtlich reparaturanfällig waren. 1489 wurde deshalb durch Bruder Leonhardus von Mainz eine neue Orgel gebaut, deren Flügel durch den Maler Johann von Boppard künstlerisch gestaltet wurden. Offensichtlich war es ein sehr gutes Instrument, da sogar der Organist des Erzbischofs, ein Meister Jakob, nach der Fertigstellung darauf spielte. Der Propst von St. Simeon und Stiftsherr Dr. Johann Jux stiftete um 1490 eine neue kleine Orgel im rechten Seitenschiff. Die große Orgel auf dem Lettner und die kleine wurden dann 1728 abgebrochen und ihre Materialien dem Orgelbauer Bartholomäus Boss übergeben, der für 1000 Taler eine neue Orgel bauen sollte. 1769 wurde von den Orgelbauern Gebrüder Stumm eine zweimanualige Orgel auf der Westempore errichtet, die mehrmals umgebaut und erweitert wurde, zuletzt 1929.
Am 6. November 1944 brannte nach einem Bombenangriff die hölzerne Westempore zusammen mit der Orgel ab. 1962 wurde durch die Gebrüder Späth aus Ennetach-Mengen eine neue Orgel mit elektropneumatischer Traktur und 37 Registern auf drei Manualen mit Pedal erbaut. Diese Orgel wurde zum Schutz vor Hochwasser hoch an der Nordwand des nördlichen Querhauses angebracht. Diese Orgel wurde nach der Innenrenovierung der Kirche allerdings nicht mehr in Betrieb genommen und stattdessen 1990 eine kleine fahrbare Chororgel der Firma Hugo Mayer aus Heusweiler angeschafft, die 11 Register auf zwei Manualen mit Pedal umfasst. Bis zum geplanten Neubau einer großen Orgel an der Westwand ist sie im gottesdienstlichen Gebrauch.

0.3.4.Glocken

Im 15. Jahrhundert besaß die Kastorkirche fünf Glocken des Meisters Wilhelm von Hebelscheidt, dem neben seinem Lohn sogar noch ein Jahrgedächtnis bewilligt worden war. Eine weitere Glocke von über 3000 Pfund ließ der französische Präfekt Chaban aus Niedermendig bringen. Bis auf ein kleines Meßglöckchen von 1792 wurden fünf alte Glocken im 19. Jahrhundert umgegossen.

Die Inschriften von vier Glocken sind bei Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, S. 153, zu finden.

0.3.5.Gemälde, Wandmalereien, sonstige Ausstattung

St. Kastor - Gnadenbild[Bild: Michael Imhof]

Siehe hierzu Michel, Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz, S. 126 ff. sowie S. 131ff.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Koblenz - Stift St. Kastor. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-stift-st-kastor/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 20.02.19)