Klöster in Rheinhessen

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Geschichte des Klosters Armklara (Mainz)

In Mainz stand die Gründung der Niederlassung der Armen Klarissen möglicherweise im Zusammenhang mit der zweiten Ankunft der Minoriten. Deren Konvent war 1567 ausgestorben, seit 1612 hatten sie wieder eine Niederlassung in Mainz. Der Provinzial, Nikolaus Vigerius, berief fünf Klarissen aus dem Kölner Kloster Mariatempel nach Mainz. 1619 richtete er eine entsprechende Anfrage an den Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Johann Schweickard von Kronberg und bat um die Errichtung eines Klarissenkonventes. Am 28.10.1619 verließen die Schwestern ihr Mutterkloster und kamen per Schiff am 2.11.1619 in Mainz an. Zunächst fanden sie in einem Haus am Dietmarkt (heute Schillerplatz) Aufnahme bei einer Mainzer Bürgerin, Maria Molitor, Witwe eines Domkapitelssekretärs.
1620 übertrug der Erzbischof der kleinen Gemeinschaft den ehemaligen Antoniterhof, dessen Kirche allerdings seit 1574 profaniert war. Die Äbtissin Margarete von Gramaye erwarb zunächst das ebenfalls am Dietmarkt gelegene Haus „Langenhoff zum grünen Klee“; die finanziellen Mittel des Konventes reichten allerdings nicht zur Bezahlung aus, weshalb drei Domvikare in Bürgschaft traten. Das Haus wurde dem Gewaltboten des Kurfürsten zur Verfügung gestellt, damit er das von im bewohnte Antoniterkloster räumte.
Im August 1620 erfolgte der feierliche Umzug des Konventes in die ihnen nun zustehenden Gebäude.
Von 1622 an diente die Kirche gleichzeitig auch den Franziskanern, die darin bis zum Wiederaufbau ihrer eigenen Kirche Chorgebet und Predigt abhielten.
Das Leben der Klarissen war, wie die Chronik festhält, entbehrungsreich. Eine Reihe von Schwestern starb bereits in jungen Jahren. Nicht zuletzt die Kargheit des Lebens führte dazu, dass 1628 nahezu alle Mitglieder des Konventes erkrankten.
Bereits 1631 mussten die Schwestern Mainz auf Veranlassung des Erzbischofs vor den heranrückenden Schweden wieder verlassen. In der Meinung, bald wieder zurückzukehren, begaben sie sich zunächst zum Landskroner Hof bei Koblenz. Von dort begaben sie dann später in ihr Kölner Mutterkloster. In Mainz zurück blieben nur drei Chorschwestern und eine Laienschwester. Zwei von ihnen verstarben (1534, 1635) an der in Mainz grassierenden Pest. Das Kloster blieb in der Zeit der Abwesenheit des Konventes vor Übergriffen verschont. Die 1669 angelegte Chronik berichtet von einem Besuch des Schwedenkönigs Gustav Adolf im Kloster (1632). Im Mai 1636 kehrten die Schwestern wieder nach Mainz zurück. Wirtschaftlich befand man sich damals in einer schlechten Lage. Bis 1644 mussten die Schulden abgetragen werden, die durch den Aufenthalt außerhalb von Mainz entstanden waren. 1652 allerdings finden sich bereits wieder Hinweise darauf, dass das Kloster Geld verleihen konnte.
Im 18. Jahrhundert. bildeten sich, v.a. unter der adeligen Äbtissin Maria Philippina Josepha Theresia Reichsgräfin von Berlepsch (1739/75) eigene Formen der Barockfrömmigkeit im Konvent heraus. Einige der besonders verehrten hl. Bilder befanden sich in der Klausur des Klosters: in der sog. Kapitelskapelle das Bild der Glorwürdigsten Hausmutter, im Nonnenchor der Kirche das der Königin des Friedens. Neben den Ordensheiligen Franziskus und Klara genossen vor allem die hl. Thecla und Katharina von Bologna besondere Verehrung. Die Verehrung der hl. Thecla wurde besonders durch die Jesuiten belebt, was für den zunächst nur durch Franziskaner betreuten Konvent eine geistliche Horizonterweiterung darstellte. 1757 hatten die Franzsikaner ihre Jurisdiktion an das Mainzer Vikariat übertragen, was wahrscheinlich zu einer Lockerung der Bindungen zwischen den beiden Ordensgemeinschaften geführt hatte. Die Bruderschaft der hl. Thecla, vor allem zur Erlangung einer seligen Sterbestunde, erfuhr Unterstützung durch den Adel. Zu den Gönnern und Förderern gehörte nicht zuletzt die Familie der Markgrafen von Baden.
Eine eigene Bruderschaft wurde auch zur Verehrung der hl. Katharina von Bologna errichtet. Die in der Kirche aufgestellte Nachbildung ihres Schreins war Ziel einer der zahlreichen Prozessionen im barocken Mainz.
1802 wurde der Konvent aufgelöst.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Mainz - Armklara. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-armklara/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 20.05.19)