Klöster in Rheinhessen

Zur Übersichtskarte der Region

Bau- und Kunstgeschichte des Karmeliterklosters (Mainz)

0.1.Kirche

Karmeliterkirche - Mainz

Zunächst bestand nur eine kleine Kapelle. Vom 13.9.1326 datiert die Urkunde über den Kauf eines weiteren benachbarten Hauses, des Hofs Zum Hersfelder. Prior und Konvent erwarben das Hausgrundstück zum Bau einer Kirche von Humbert d. Jüngeren und seiner Frau Thina. An den Kauf waren allerdings Bedingungen geknüpft. Bevor nicht der gesamte Kaufpreis bezahlt war, durfte an der Kirche keine Weihe vorgenommen werden. Erlaubt wurde nur das Brechen eines Einganges und die Aufstellung von Altären.
Mit dem Bau der Kirche wurde wahrscheinlich sehr bald begonnen, denn um die Mitte des 14. Jahrhunderts war die Kirche bis auf das Mittelschiffgewölbe fertiggestellt. Finanziell unterstützt wurde der Bau durch die niederdeutsche Provinz der Karmeliter, zu der der Mainzer Konvent gehörte und durch Bürger der Stadt Mainz. Von der Beteiligung der Bürger zeugen Wappendarstellungen: das Mainzer Doppelradwappen am ersten Schlussstein; das Wappen Kuno von Falkensteins im Mittelschiff, am Aufzugsring das Wappen des Mainzer Bürgers Simon Boes und im nördlichen Seitenschiff das Wappen der Mainzer Familie von Bechtolsmünzer. Das Mittelschiffgewölbe der Kirche wurde 1404 eingezogen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstanden Decken- und Wandmalereien.
Durch den damaligen Prior wurde 1517 ein Hochaltarbild gestiftet, das die Krönung Mariens zeigte.
Kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsam sind auch die Grablegen: Margarete von Rodemachern (+1490), Claudius Bibeleth (+ 1653) und Johann Crato Schmidt (+ 1680) und ihre Witwe Juliane Schmidt gen. Bibeleth (+ 1687), Wohltäter des Klosters sowie Franz v.Sickingen (+1715).
Die Fenster der Kirche sind gestaltet von Jan Schoenaker(1970).
Unter den Statuen zu erwähnen sind v.a. die um 1400 entstandene Karmelitermadonna und eine Pietadarstellung: (~Anf.15 Jh.). Die heute in der Kirche befindliche Darstellung der hl. Anna Selbdritt (~1500) ist eine Kopie, da das Original 1999 gestohlen wurde. Eine möglicherweise von Heinrich Jung stammende Rokokoplastik stellt den hl. Valentinus dar.
Eine Gedenktafel erinnert an P. Titus Brandsma OCarm. der im KZ Dachau starb.

0.2.Schicksal von Kirche und Klostergebäuden nach 1802

Bei der Aufhebung des Klosters kamen drei Altäre, ebenso wie drei Beichtstühle und die Kommunionbank, in die Mainzer Kirche St.Emmeran; der alte Flügelaltar kam in den Dom. Nach der Säkularisation wurde die Kirche als öffentliches Kauf - und Lagerhaus genutzt, in dem man Gegenstände (> 20 Pfd.) gegen Gebühr deponieren konnte. Nach Aufhebung des Lagerhauses (1887) wurden verschiedene Nutzungsmodelle überlegt, von denen allerdings keines realisiert wurde (Nutzung als evangelische Garnisonskirche, durch die deutschkatholische Gemeinde, Standort für ein Volksbad, Einrichtung eines Museums).
Ende des 19. Jahrhundert erwog man, die Kirche abzureißen. Ihre kulturelle Bedeutung war im Mainzer Stadtrat stark umstritten. Das hessische Denkmalschutzgesetz (1902) stoppte zunächst die Abrisspläne, neue Nutzungsmöglichkeiten wurden diskutiert - und wieder nicht umgesetzt. Der Bau verfiel weiter. Am 28.12.1922 beschloss der Stadtrat: aus finanziellen und nicht zuletzt aus Gründen der Sicherheit, den (teilweisen) Abriss. Nach Bildung einer Bürgerinitiative, die dagegen heftigen Protest erhob, wurde erneut überlegt, die Kirche als Börsenhalle zu nutzen.
Die Berufung holländischer Karmeliter nach Mainz verhinderte sowohl Abriss als auch weltliche Nutzung. Seit 1924 dient die Kirche (Patrozinium: Mariae Aufnahme in den Himmel) , die damals aufwändig saniert wurde, wieder dem Gottesdienst.
Die Klosteranlage wurde 1804 von der Handelskammer ersteigert, und wurden später Eigentum der Stadt, die sie zu verschiedenen Zwecken, u.a. als Freischule und Kleinkinderbewahranstalt, nutzte. Sie kamen bei der Rückkehr des Ordens nach Mainz nicht mehr in dessen Besitz.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Mainz - Karmeliten. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-karmeliten/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 23.09.19)