Klöster in Rheinhessen

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Geschichte des Karmeliterklosters (Mainz)

Karmeliterkloster - Holzstich 1553

Die Ankunft der ersten Karmeliter in Mainz und damit auch die Gründung des Klosters sind in den Zeitraum 1271-1284 zu datieren; das genaue Jahr ist unbekannt. In einer Urkunde vom 24.2.1285 findet sich das Mainzer Karmeliterkloster erstmals erwähnt. Damals schenkte Gisela, die Witwe des Mainzer Bürgers Ernst von Eberbach dem Orden testamentarisch 1/2 Silbermark für ein Gebäude.
Förderung erfuhren die Karmeliter möglicherweise durch den Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein (1259/1284). Intensiveren Bezug zum Orden hatte aber wahrscheinlich der Walpode Baldungus.
Am 19.4.1289 bestätigte der Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein (1289/1305) einen Ablassbrief, die von italienischen Erzbischöfen und Bischöfen zugunsten deutscher Kameliterkonsventskirchen ausgestellt worden war und erlaubte den Patres am 30.4.1290, öffentlich zu predigen und mit der Zustimmung der zuständigen Pfarrer das Bußsakrament zu spenden. Für bestimmte Tage wurde den Gläubigen, die die Predigt hörten, ein Ablass gewährt. Durch eine Urkunde vom 4./7.7.1290 bestätigte der Mainzer Erzbischof das Karmeliterkloster in Mainz und sagte ihm seinen besonderen Schutz zu. Wenige Tage später (28.8.1290), gestattete er den Mainzer Karmelitern, sich der päpstlichen Privilegien, die für den Orden gewährt worden waren, zu bedienen: Am 13.4.1298 erlaubte der Erzbischof dem Orden die ungehinderte Ausübung des Predigtamtes und der Spendung des Bußsakramentes. Hier lag fortan das religiöse und pastorale Wirken des Ordens. (P. Diether Weinheim wurde 1539 sogar Hofprediger des Mainzer Kurfürsten).
In den ersten Jahren des Bestehens des Ordens in Mainz lebten die Patres in einem im Nordosten der Stadt gelegenes Mainzer Bürgerhaus. Am 24.2.1322 erwarben Prior und Konvent zur Erweiterung ihres bisherigen Hauses das benachbarte Haus Zum Rosen. Die Konventsgebäude bestanden im 15. Jahrhundert aus den Zellen für die Patres, dem Refektorium, einer Bibliothek, Küche, Gästezimmern und einem Klosterkarzer. Direkt an die Konventsgebäude schloss sich ein mit Wandmalereien geschmückter Raum an, der wahrscheinlich als Sakristei genutzt wurde.
Im Jahr 1448 wurde von Mainz aus eine Niederlassung in Ingelheimerhausen gegründet, die allerdings im 16. Jahrhundert aus finanziellen Gründen wieder aufgegeben wurde.
Zwischen 1451 und 1471 vollzog sich eine innere Reform des Karmeliterordens, der sich auch der Mainzer Konvent anschloss. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte der Mainzer Konvent eine Blütezeit, die bis in die ersten beiden Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts dauerte. In diesen Zeitraum fällt auch die Tätigkeit von Ordensmitgliedern an der 1477 gegründeten Mainzer Universität. Ein Bezug zwischen Universität und Orden bestand auch dadurch, dass bei den Karmelitern die Rektoratswahlen und zeitweise auch die Universitätsgottesdienste stattfanden.
P. Mathias Emich de Andernaco wurde 1.Sonntag nach Trinitatis 1477 in der Karmeliterkirche zum Bischof geweiht und versah ab diesem Zeitpunkt das Amt eines Weihbischofs.
Die wirtschaftliche Lage des Ordens war nach einem Visitationsbericht von 1488 Ende des 15. Jahrhunderts gut. Immer wieder war der Orden durch Testamente bedacht worden.
Am 1.6.1499 bestätigte der Mainzer Erzbischof die Bruderschaft zu Ehren Mariens und ihrer Eltern, der hl. Anna und des hl. Joachim, die wenige Jahre zuvor durch die Karmeliter gegründet worden war und am 6.12.1493 bereits durch den Provinzial der Niederdeutschen Provinz bestätigt worden war. Die Bruderschaft errichtete in der Kirche ihren eigenen Altar.
Spätestens im 16. Jahrhundert trat zu den bisherigen Wirkungsbereichen zunehmend auch die Tätigkeit in der Pfarrseelsorge. Die wirtschaftliche Lage begann sich im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts zu ändern. Nicht zuletzt die dem Mainzer Kurfürsten zu erbringenden Geldleistungen zur Niederwerfung des Bauernaufstandes im Rheingau und der Mainzer Bürger (1525) und die Türkenabwehr schwächten den Orden wirtschaftlich. Hohe Geldforderungen, Plünderungen und Zerstörungen durch Markgraf Albrecht Alcibiades, führten zu einem weiteren wirtschaftlichen Niedergang des Konvents.
Nach der Zerstörung der Martinsburg durch Albrecht Alcibiades (1552), war der Karmeliterkonvent 1555 zeitweise Residenz des Erzbischofs.
Sowohl 1561 als auch 1575/76 wurde seitens des Erzbischofs erwogen, den auch personell geschwächten Konvent aufzulösen und Kirche sowie Klostergebäude den Jesuiten zu übertragen. Der Orden verblieb jedoch in Mainz. Eine Erholung nach dem wirtschaftlichen Tief in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert war zunächst nicht zu verzeichnen, zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der Mainzer Konvent eines der ärmsten Klöster der Niederdeutschen Provinz.
Nach einer Visitation des Ordenshauses durch den Generalprior P. Johannes Antonius Philippini wurde 1652 die sog. Tourainer Reform eingeführt. Gebet und Meditation rückten stärker in den Mittelpunkt des Ordenslebens. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch die Ordensnamen für die Patres üblich. Statt des früher üblichen schwarzen Habits wurde nun der braune Habit gebräuchlich.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand die Skapulierbruderschaft (Hauptfest am Hochfest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel (16.7.); am 5.2.1705 bestätigte Papst Clemens X. eine St. Josephsbruderschaft.
Die wirtschaftliche Lage war Ende des 17. Jahrhundert wieder eine bessere: Für den Konvent wurde ein Neubauprojekt begonnen. Zunächst wurden 1677 das Refektorium, darüber Gäste- und Krankenzimmer errichtet. Am 27.2.1710 legte der Mainzer Domherr Otto von Malsburg den Grundstein für den Klosterneubau, der am 27.8.1713 fertiggestellt wurde. Über beide Daten unterrichtet die als Chronogramm verfasste Inschrift.
InCepIt aeDIfICIUM 27 Febr
perfeCtUM fUIt haC Ipsa Die 27 Aug
Die groß geschriebenen Buchstaben sind römische Zahlzeichen und ergeben addiert 1677.
Das Kloster wurde dem hl. Josef geweiht. Die 1677 fertiggestellten Räume wurden in den barocken Neubau integriert und als Bibliotheksräume genutzt. Das Eingangstor und die Figur des hl. Josef existieren noch.
Nach der Besetzung der Stadt Mainz durch die Franzosen (1792) verlangte die französische Administration vom Klerus die Ablegung des Eides auf die französische Konstitution. Im März 1793 verließen die Karmeliter Mainz, um nicht den Eid ablegen zu müssen und begaben sich in den Konvent nach Frankfurt. Nach der Einnahme von Mainz durch preußische Truppen kehrten die Patres im August 1793 zurück.
Der Konsularbeschluss vom 9.6.1802 verfügte die Aufhebung der bisher bestehenden Dom- und Kollegiatskapitel sowie der klösterlichen Gemeinschaften. Am 20.7.1802 wurde der Beschluss vollzogen. Bis zum 29.7.1802 mussten die noch in Mainz lebenden Karmeliter das Kloster endgültig verlassen.
Als 1923 die schon seit 1802 nicht mehr gottesdienstlich genutzte Kirche abgerissen werden sollte, bildete sich eine Bürgerinitiative zu ihrem Erhalt. Der Mainzer Oberbürgermeister Külb und der evangelische Provinzialdirektor traten schließlich in Kontakt mit dem Mainzer Bischof Ludwig Maria Hugo (1921/1935), der sich an die Niederländische Karmeliterprovinz wandte (27.1.1923). Verhandlungen wurden eingeleitet. Nicht zuletzt der Einsatz des späteren Martyrers P. Titus Brandsma, der sich für die Übernahme der Kirche in Mainz stark machte, führte dazu, dass 1924 eine kleine Gemeinschaft von Karmelitern an die alte Wirkungsstätte zurückkehrte.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Mainz - Karmeliten. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-karmeliten/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 21.05.19)