Klöster in Rheinhessen

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Mainz - St. Johannis

Standort

GEO:49.998385,8.272375

Hinweise

St. Johannis

St. Johannis - Außenansicht
St. Johannis - Außenansicht

Das Stift St. Johannis wird urkundlich erstmals 1128 erwähnt, doch bestand es wohl bereits im 11.Jh. Es war finanziell schlecht ausgestattet und verfügte im Gegensatz zu anderen Stiften nicht über einen eigenen Immunitätsbezirk.
Die Blütezeit des Stiftes endete spätestens im 16. Jahrhundert. Seit 1552 fand in der Stiftskirche auch der Gottesdienst des Viktorstiftes statt. Ein Visitationsbericht aus dem Jahr 1594 zeigt die Krise des Stiftes deutlich: Gottesdienstliche Disziplin und klerikales Betragen der Stiftsmitglieder waren in Verfall geraten. Erzbischof Wolfgang von Dalberg (1582/1601) und seine Nachfolger mühten sich zwar um eine innere Reform, doch wurde der Prozess durch die Wirren des 30jährigen Krieges, in die auch Mainz geriet, aufgehalten.
1802 wurde das Stift aufgehoben.

Verfassung

An der Spitze stand zunächst der Propst.
Die Propstei wurde 1189 der Domkustodie inkorporiert.
Die zunächst 12 Kanonikerpfründen wurden schon im 13. Jahrhundert auf 11 reduziert.

Kirche

Der Kern des Gebäudes reicht zurück bis in das 9./10. Jahrhundert. Die ursprüngliche Länge des Mittelschiffs betrug 13,5 m, die Breite 13 m, die Höhe ca. 16 m. Schon in romanischer Zeit wurde das im Westen befindlich Chorhaus abgetrennt.
Um Mittel für Baumaßnahmen zu haben, wurde 1231 vom Kapitel beschlossen, vakante Pfründen vorläufig nicht mehr zu besetzen. Der Beschluss erhielt erzbischöfliche Zustimmung (1231) und sogar päpstliche Bestätigung (1235). Kirchenbau-Ablässe wurden 1251, 1300, 1301 und 1359 gewährt. Erst danach setzte die Bautätigkeit in größerem Umfang ein. Um 1360 erhielt die Kirche einen gotischen Turm.
Im Norden der Kirche schlossen sich Kreuzgang, Kapitelsstube und eine 1293 erstmals urkundlich erwähnte Bonifatiuskapelle an, in der die heute im Dom aufgestellte Tumbaplatte mit der Darstellung des Heiligen wohl ein Reliquiengrab bedeckte (Abb. Bonifatiustumbaplatte im Dom). Das sog. „Paradies“ verband die Johanniskirche mit dem Dom.
Eine Erneuerung des Inneren fand 1603 statt; 1685 wurden eine neue Sakristei gebaut sowie der zerfallene Kreuzgang und das südliche Seitenschiff wieder errichtet. Die Apsis wurde 1737/37 abgetragen.
Im Jahr 1792 wurde die Kirche als Militärdepot requiriert. Seit 1828 dient sie dem protestantischen Gottesdienst.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Mainz - St. Johannis. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-johannis.html> (Letzter Aufruf: 24.05.17)