Erkanbald

Spektakulärer Höhepunkt der Ausgrabungen aber war, zumindest vom Medieninteresse her, der Fund eines intakten Sarkophages im Mittelschiff der Kirche und dessen Öffnung am 4. Juni 2019. Vermutete man darin doch die sterblichen Überreste des Mainzer Erzbischofs Erkanbald (1011-1021), des Nachfolgers von Willigis. Wie dieser konnte nämlich auch er nicht in dem von Willigis errichteten, kurz vor seiner Weihe 1009 jedoch abgebrannten neuen Dom bestattet werden, da dieser zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht wieder fertiggestellt war. Stattdessen war er in seiner Amtskirche beigesetzt worden. Hätten sich nun wirklich die sterblichen Überreste Erkanbalds in diesem in der Johanniskirche gefundenen Sarkophag befunden, wäre die lange diskutierte Frage nach dem alten Mainzer Dom wohl entschieden gewesen.

Allerdings war das Ergebnis der Sarkophag-Öffnung zunächst doch ziemlich ernüchternd, da sich von dem Bestatteten nicht mehr viel erhalten hatte. Er war nach seiner Beisetzung mit Ätzkalk bedeckt worden und auch Beigaben, die zu seiner Identifikation hätten beitragen können, namentlich Bischofsring und Hirtenstab mit Krümme, fehlten.So bedurfte es erst sehr genauer feingeweblicher Untersuchungen, bis am 14. November 2019 schließlich verkündet werden konnte, dass es sich bei dem Bestatteten mit ziemlicher Sicherheit wirklich um Erzbischof Erkanbald gehandelt hat. Reste von Textilien (Wolle, Seidenkreuze, Goldbortenfragmente) in Höhe des Kaselsaums deuten auf ein ursprünglich hier gelegenen Palliums, so dass es sich also wirklich um einen Erzbischof gehandelt hat. Für seine zeitliche Einordnung entscheidend aber war die Altersbestimmung der Schuhe nach der C-14 Methode. Mit ihrer Hilfe konnten sie ungefähr auf das Jahr 1000 datiert werden, mit einer Abweichung von 20 Jahren in beide Richtungen. Der verstorbene Erzbischof war also zwischen 980 und 1020 hier beigesetzt worden. Dies würde zwar auch auf Erkanbalds Vorgänger Willigis († 1011) zutreffen, doch weiß man von diesem, dass er in seiner Gründung St. Stephan beigesetzt worden ist.

Empfohlene Zitierweise

Reinhard Schmid: Mainz - St. Johannis. Erkanbald. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-johannis/erkanbald.html> (Letzter Aufruf: 13.04.21)