Klöster in Rheinhessen

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Tätigkeit

Die beiden ersten Jesuiten, die 1606 nach Worms gekommen waren, waren zunächst „in einer der Pfarrkirchen“ (Keilmann, S 191) eingesetzt. Seit 1607 erteilten sie regelmäßig Katechsen. Nach Duhr stieß ihr Wirken bei den Katholiken auf Zustimmung. Der päpstliche Nuntius Atilio berichtete am 20.1.1608 über die Erfolge, beklagte sich aber auch darüber, dass der Rat der Stadt versuche, den Orden mit Hilfe von Kurpfalz aus der Bischofstadt zu vertreiben. Seit 1608 waren Jesuiten am Wormser Dom tätig. Ihre Berichte aus dem Jahr 1609 sind durch Optimismus gekennzeichnet. Sie beschrieben ihre Katechesen, sie fanden in der Nikolauskapelle des Doms statt, als „ungemein fruchtreich. Wir sehen darin selbst Lutheraner und Calviner, welche derselben (!) mit Aufmerksamkeit und Bescheidenheit beiwohnen. Die erwachsenen Katholiken aber kommen immer zahlreicher, gleich als wäre dieselbe mehr für die Erwachsenen als für die Kinder“[Anm. 1]. Erfolge sahen sie auch in ihrem Wirken als Prediger. Auch hier befanden sich unter den zahlreicher werdenden Zuhörern Nichtkatholiken. Es mussten sogar, wurde bemerkt, neue Bänke beschafft werden. 
Es gelang den Jesuiten, so die Berichte, eingerissene Missbräuche abzustellen. Die Gläubigen empfingen häufiger das Sakrament der Eucharistie: im Jahr 1609 zählte man 1165 „Kommunionen“. 16 Nichtkatholiken traten in die katholische Kirche ein oder kehrten zu ihr zurück. Eine ähnliche Entwicklung verzeichnete man auch in den folgenden Jahren.  Bei Duhr werden sogar noch weiter steigende Zahlen von Konversionen erwähnt (1625: 55; 1626: 90, 1627: 130)[Anm. 2].

Während des Krieges waren die Ordensleute primär in der Bischofsstadt selbst pastoral tätig, herrschte doch Priestermangel. Ihre Aufgaben umfassten die Feier der Eucharistie, Predigten an den Pfarrkirchen sowie die Tätigkeit als Beichtväter in den Frauenklöstern. Speziell genannt werden die Pfarrkirchen St.Rupert (dem Paulusstift incorporiert) und St.Lambertus (dem Martinsstift incorporiert), an denen die Stiftsdekane den Wunsch nach der Tätigkeit der Jesuiten ausgesprochen hatten. Im Jahr 1638 wird einmal mehr von der erfolgreichen Tätigkeit des Ordens in Worms berichtet. Wieder übernahmen sie Katechesen und den Predigtdienst. Seit 6.1.1636 waren sie auf Wunsch des Bischofs wieder als Domprediger tätig. Zwei Jahre später werden spezifisch auch von den Jesuiten gehaltene Advents- und Fastenpredigten am Wormser Dom erwähnt. In dieser Funktion waren Jesuiten bis zum Ende ihrer Wirksamkeit in Worms tätig. Zuletzt wird 1773 Johannes Engelhard (* 7.3.1733) als bischöflicher Domprediger bezeichnet[Anm. 3].
Tätig waren die Jesuiten gemäß der Vereinbarung aus dem Jahr 1613 in Worms auch im Unterrichtswesen. Bereits im Herbst 1609 war den Jesuiten der Unterricht an der Domschule übertragen, was zu einer positiven Entwicklung geführt hatte, indem nämlich eine vierte Klasse eingerichtet werden konnte. Es kam dann allerdings zu einer Stagnation der Entwicklung; 1625 wurde gar über den schlechten Besuch der Schulen geklagt. Den Grund suchte man einmal mehr beim Verhalten des Rates der Stadt gegenüber dem Orden. Nach der Flucht vor den Schweden und der 1635 erfolgten Rückkehr nach Worms fanden die Jesuiten ihr „Arbeitsfeld gewaltig geändert“[Anm. 4]vor. Im April 1636 konnte die Domschule – vorläufig mit nur zwei Klassen - wiedereröffnet werden. Seit 1642 zählte sie wieder vier Klassen, wobei allerdings wegen der geringen Schülerzahl immer zwei Klassen kombiniert waren. Erst nach Kriegsende war eine in ruhigeren Bahnen verlaufende Tätigkeit möglich. Das von den Jesuiten gegründete Gymnasium war zwar „für viele Jahrzehnte eine wichtige Bildungseinrichtung für die Katholiken“[Anm. 5], doch verhinderten die ständigen Friktionen mit dem Rat das erhoffte Wachstum der Schule.

Die einschneidenden Ereignisse des Jahres 1689 führten zu einer Unterbrechung des Schulbetriebs, der 1703 wieder aufgenommen wurde.

Die pastorale Tätigkeit der Jesuiten erfuhr in den gesamten Jahren ihres Wirkens immer wieder Beschränkungen durch den Rat der Stadt, so etwa durch das Verbot von Prozessionen und „Wiesengängen“. wie am 8.5.1653, 1.5.1655, 30.4.1656., 26. und 30.4.1668.

In der Diözese Worms gab es durch die Einführung der Reformation in Kurpfalz nur noch wenige katholische Pfarreien. Zur Sicherung des Bestandes und im Bestreben um Rekatholisierung der verlorenen Gebiete waren die Jesuiten auch außerhalb der Bischofsstadt tätig. Im Jahr 1617 hielten die Jesuiten nach B.Duhr in drei Orten außerhalb Worms regelmäßig Katechesen ab. Am 5.8.1616 hatte sich der General an den Rektor der Wormser Niederlassung, Ludwig Franckenstein, gewandt und den Wunsch nach einer umfangreicheren personellen und finanziellen Ausstattung geäußert. Im Jahr 1625 waren nach B.Duhr Jesuiten auf kaiserlichen Wunsch an sieben Orten tätig, an denen zuvor calvinistische Prediger ausgewiesen worden waren. Es gelang ihnen „den geistlichen Verfall in den wenigen Bistum und Hochstift Worms noch verbliebenen Bereichen aufzuhalten“[Anm. 6].
Wormser Jesuiten wurden 1626 zur pastoralen Tätigkeit, namentlich für dort ansässige Beamte und die Besatzung, nach Frankenthal gesandt; es entwickelte sich damit eine „Jesuitenmission“. Zwei Patres waren laut B.Duhr seit 1627 ständig in Frankenthal eingesetzt, bis am 4.12.1632 die Stadt an die Schweden fiel. Im Oktober 1635 kehrten nach V.Christmann die Jesuiten wieder zurück. P.Warmbrunn spricht davon, dass auf „Wunsch der spanischen Regierung“ (Warmbrunn, S. 202) seit 15.8.1637 Wormser Jesuiten regelmäßig in Frankenthal Gottesdienst feierten und sich 1638 dauerhaft dort niederließen (Vgl. Warmbrunn, S. 202), Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges brachte die Tätigkeit außerhalb Worms insgesamt zum Erliegen. V.Christmann spricht  davon, dass 1626/31 und 1649/52 die Gebäude des ehemaligen Augustinerchorherrenstiftes der „Nutzung als Jesuitenhospiz“ (Christmann, S. 511) dienten. Vier Jahre nach Kriegsende, 1652, verschwand die Niederlassung der Jesuiten in Frankenthal (Warmbrunn, S. 204).

Anmerkungen:

  1. zit. nach Duhr. 2.1, S, 174 Zurück
  2. Vgl. Duhr 2.1., S. 176 Zurück
  3. Vgl. Becker, S. 202 Zurück
  4. Duhr 2.1, S. 176 Zurück
  5. Keilmann, Bistum, S. 192 Zurück
  6. Keilmann, Bistum, S. 193 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Worms - Jesuiten. Tätigkeit. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-jesuiten/taetigkeit.html> (Letzter Aufruf: 16.07.19)