Klöster in Rheinhessen

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1978 beklagte O. Böcher das Fehlen einer Monographie über die Geschichte des Klosters Maria Himmelskron in (Worms-) Hochheim. Die 1580 von Hochheim nach Heidelberg gebrachten Archivalien des Klosters sind dort 1689 verbrannt.

 

Um 1276 hatten sich bereits einige Frauen als Reklusen bei der Pfarrkirche St. Peter von Hochheim zusammengeschlossen.

Mit Urkunde vom 25.1.1278 gestattete der Bischof von Worms, Raugraf Friedrich I. (1277/1283) die Gründung eines Klosters und stellte es unter seinen Schutz. Stifter waren ein Ritter Dirolf (+1318) und seine Gemahlin Agnes (+1329).

Nach Wagner-Schneider finden sich Hinweise, dass der Stifter dem Geschlecht der Schmu(t)zger angehörte. Gieraths bezeichnet Dirolf als letzten Vertreter der Adelsfamilie von Hochheim; Agnes stammte ihm zufolge aus dem Wormser Patriziergeschlecht vom Rosenbaum.

Die Reklusen wurden in den neu entstehenden Konvent übernommen. Die Seelsorge übernahmen die Wormser Dominikaner. 1282 stellte das Generalkapitel des Dominikanerordens die Schwesterngemeinschaft unter die Aufsicht des Priors der Wormser Dominikaner. O. Böcher erwähnt die Überlassung der Wormser Amanduskirche an den Konvent durch Bischof Simon von Schoeneck (1283/1291) am 13.11.1283. In Urkunden vom 20.8.1283 und 13.11.1283 wird die Schwesterngemeinschaft als Kloster des Predigerordens bezeichnet.

 

Das folgende Generalkapitel beschloss 1285 die Aufnahme des Konventes in den Dominikanerorden. Am 8.12.1287 wurde dieser Schritt förmlich durch den Legaten Boccomazzi vollzogen. Im folgenden Jahr führte Provinzial Hermann von Minden die Klausur ein.

 

In der Schlacht bei Pfeddersheim während des Süddeutschen Städtekrieges (1388) erlitt das Kloster große Schäden. Die Schwestern zogen sich während der kriegerischen Auseinandersetzungen wahrscheinlich zeitweise nach Worms zurück. König Ruprecht (1400/1410) von der Pfalz befreite 1408 das Kloster von allen Belastungen durch die Reichslandvögte und die königlichen Amtsleute. Dieser Schritt wurde 1414 durch König Sigismund (1410/1437) bestätigt.

 

Gieraths spricht von einer durch Petrus von Gengenbach mit Hilfe von Schwestern aus Basel, Schönensteinbach und Unterlinden 1428/29 durchgeführten inneren Reform des Konventes. Nach Böcher wurde dieser Schritt durch Ludwig II. von der Pfalz (1410/1436) bewirkt. Die bisherige Priorin unterstützte das Reformanliegen; Ziel war die Beseitigung von Missständen, die sich eingeschlichen hatte und die Wiederherstellung einer strengeren klösterlichen Disziplin.

Vier Schwestern verließen die Gemeinschaft. Die erste Priorin dieser neuen Ära stammte aus Basel. Von Maria Himmelskron wurde das Kloster Ammerschweier/Elsaß reformiert.

Der Wormser Bischof Reinhard von Sickingen (1445/1482) sandte 1449 Wormser Beginen (Haus Rosenbaum) nach Mariä Himmelskron. 1455 wurde das Beginenkloster mit seinem Besitz und seinen Rechten dem Kloster Mariä Himmelskron einverleibt, das damit auch die entsprechenden Pflichten übernahm.

1463 erfolgte die Mitwirkung des Konventes in Hochheim an der Reform des Speyerer Klosters.

1486 erfolgte die Aufnahme der Laienschwestern des Konventes in die Rosenkranzbruderschaft in Frankfurt.

Im Mai 1525 wurde das Kloster Maria Himmelskron durch aufständische Bauern geplündert.

Der letzten Priorin des Klosters weist O. Böcher einen „Ehrenplatz in der Kirchengeschichte des 16.Jahrhunderts“ zu[1].

Die Aufhebung des Klosters, die „unter dramatischen Umständen“[2] erfolgte, war ein längerer Prozess, über den wir durch eine Beschreibung aus dem 19.Jh. unterrichtet sind[3].

1556 führte Kurfürst Ottheinrich (1556/59) die Reformation ein; Kurfürst Friedrich III. (1559/76)  nahm den calvinistischen Glauben an. Er versuchte 1561 vergeblich, das Kloster aufzulösen und beauftragte im Dezember dieses Jahres den Burggrafen von Alzey, Valentin von Erbach, sich gemeinsam mit dem Landschreiber und dem Superintendenten nach Hochheim zu begeben und mit der Priorin über die Auflösung des Kosters zu verhandeln. Der Burggraf beließ es nach Schilderungen von Johann Georg Lehmann (1797-1876) dabei, den Landschreiber und den Superintendenten zu senden, da er befürchtete, dass die Priorin und der Konvent das Ansinnen ablehnen würden.

Ein durch den Kurfürsten in das Kloster gesandter Prediger sollte den Konvent zur Annahme der Reformation bewegen, was jedoch durch die Priorin verweigert wurde. Sie berief sich, so B. Keilmann, auf die Juden, denen ebenfalls die Ausübung ihres Glaubens erlaubt sei.

Der Pfarrer von Pfiffligheim wurde mit der Abhaltung des Gottesdienstes in Hochheim und Liebenau beauftragt. Im Mai 1562 wies der Kurfürst den Alzeyer Burggrafen abermals an, sich mit den zuständigen Räten nach Hochheim zu begeben, um die Priorin aufzufordern, sich dem Willen des Kurfürsten zu beugen. Priorin und Konvent sollten vor allem die Predigten des ihnen gesandten Geistlichen hören. Am 11.3.1563 versuchten nach der Schilderung aus dem 19.Jh. der von Friedrich III. geschickte Burggraf von Starkenburg und die Räte vergeblich, in das Kloster einzudringen; nach einer anderen Schilderung ließen sie sich den Schlüssel aushändigen. Am 16.3.1563, berichten die Quellen, drangen sie gewaltsam in das Kloster ein.

Die Schwestern wurden angewiesen, ihre Ordenskleidung abzulegen; die Aufnahme neuer Mitglieder wurde dem Konvent untersagt. Die Konventsmitglieder erklärten sich nun bereit, die Predigten des durch den Kurfürsten bestellten Geistlichen anzuhören. Es kam zur Einziehung der Klostergüter. Die Schwestern mussten das Kloster nun verlassen. Im Jahr 1570 erfolgte dann die förmliche Auflösung. Das Generalkapitel lobte 1580 die Haltung der von der Plünderung betroffenen Schwestern.

1580 fielen die Klostereinkünfte endgültig an den Pfalzgrafen (Heidelberger Administration).

Als die Kurwürde 1685 an die Linie Pfalz-Neuburg fiel, kam es nicht zu einer Wiederbelebung des Klosters.


[1] Böcher, O.: Anfang und Ende. S.158 (14)

[2] Böcher, O.: Anfang und Ende, S. 158 (14)

[3] Zitiert bei: Böcher, O.: Anfang und Ende, S.165-168

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - Maria Himmelskron. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-maria-himmelskron.html> (Letzter Aufruf: 30.03.17)