Klöster in Rheinhessen

Zur Übersichtskarte der Region

Spirituelles

Erste Hinweise darauf, dass in der Dionysiuskirche der Leib des hl. Cyriacus ruhe, werden auf das Jahr 823 datiert, doch ist diese erste urkundliche Erwähnung historisch zweifelhaft. Die Reliquienübertragung erfolgte wohl erst 847 unter Bischof Samuel, womit die Änderung des Patronziniums verbunden war. Im Jahr 1049 gab Papst Leo IX. (1049/1054) einen Arm des Heiligen an die Abtei Altdorf/Els., die 947 durch seinen Großvater gestiftet worden war.
Bei der Weihe des Wormser Domes im Jahr 1110 wurde als eine der Reliquien, die in den Hochaltar gelegt wurden, das Haupt des hl. Cyriacus genannt[Anm. 1].
Von einer „Besichtigung der Reliquien“[Anm. 2]durch den Wormser Bischof Konrad (1158/1171 (?)) im Beisein des Abtes von Kloster Schönau, zwei weiteren Mönchen dieses Klosters sowie der Dekans und Kapitels ist 1158 die Rede. Genannt werden außer den Reliquien des hl. Cyriacus jene von Sisinnius, Largus und Samargdus.
Für die folgenden ca. 300 Jahre fehlen Quellen, die sich auf die Reliquien beziehen.
Im Jahr 1461 gebot der Wormser Bischof Reinhard von Sickingen (1445/1482), das Fest des hl. Cyriacus besonders feierlich zu begehen. Für das Jahr 1488 berichtet die Kirschgartener Chronik von einem Besuch Kaiser Friedrichs III. im Cyriacusstift. Das Stift überließ dem Herrscher einen Teil einer Rippe des Heiligen, seine Vita und sein Bildnis.
Im Jahr 1495 hielt sich Kaiser Maximilian gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria Blanka im Stift auf; man ließ sich ebenfalls die Stiftsgeschichte vortragen und die Reliquien zeigen. Drei Jahre später, 1498, hielt sich Kaiser Maximilian erneut in Neuhausen auf und besuchte die Reliquien.
Die Reliquien waren Ziel einer Wallfahrt, über die allerdings „nur spärliche Unterlagen“[Anm. 3]vorliegen.
1044 berichtet die Kirschgarter Chronik von der Wunderheilung der Edelfreien Fulmudis: sie war „viele Jahre durch eine Lähmung gefesselt und aller jeglichen Gebrauchs all ihrer Glieder und jeder Kraft  beraubt“ (annis multis paralysi obstricta ac onmium membrorum usu ac vigore destituta Nuhusae in ecclesia, in qua beatissim Cyriaci martyris et levitae corpus requiescit a Deo misercoriditer sanitati est restituta[Anm. 4] und genas am Grab des Heiligen.
C.J.Villinger verweist auf die Sitte, neugeborene Kinder zu wiegen und ein Wachsopfer im Gewicht der Kinder darzubringen. Allerdings stellt er in Frage, ob die in einer Quelle aus dem Jahr 1583 erwähnte „Cyriacuswaage“ tatsächlich je existiert hat[Anm. 5].

Am 31.10.1461 bestätigte Bischof Reinhard von Sickingen auf Bitten des Stiftsdekans und des Kapitels die Statuten „der von der dortigen Priesterschaft gegründeten Bruderschaft“[Anm. 6].


Anmerkungen:

  1. Vgl. Villinger, S. 76 Zurück
  2. Villinger, S. 34 Zurück
  3. Villinger, S. 38 Zurück
  4. Boos, Annalen, S. 34 f. Zurück
  5. Vgl. Villinger, S. 41 Zurück
  6. Villinger, S. 94, Reg. Nr. 177 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Worms - Neuhausen, St. Cyriacus. Spirituelles. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-neuhausen-st-cyriacus/spirituelles.html> (Letzter Aufruf: 23.09.19)