Klöster in Rheinhessen

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Geschichtlicher Abriss Kloster St. Paul (Worms)

Paulusstift - Stich

Vom 3.10.1002 datierte eine Urkunde König Heinrichs II., durch die der Wormser Kirche in und außerhalb der Stadt liegende Grundstücke, Einkünfte, Gebäude, Wasserlaäufe, Teiche und Mühlen sowie auch die dort lebenden Hörige übertragen wurden. Nicht weiter beschrieben wird eine in der Quelle ebenfalls genannte Befestigungsanlage.
Danach ließ Bischof Burchard von Worms (1000/1025), so berichtet seine Vita, die in der Stadt bestehende Salierburg abreißen. Aus dem dabei anfallenden Baumaterial sei ein neues Stift gebaut worden. Archäologische Befunde bestätigen, dass es zur Niederlegung einer vorher bestehenden Burg gekommen war.
Um 1016 bestand dann ein Kollegiasttift. Es symbolisiert nicht zuletzt auch den Herrschaftswechsel in Worms. Von den Saliern war die Stadtherrschaft auf den Bischof übergegangen. Auf den 29.6.1016 ist eine Besitzübertragung datiert, doch handelt es sich bei der Urkunde um eine mittelalterliche Fälschung. Historisch eindeutig belegt ist die Existenz des Stiftes durch eine auf Marienmünster bezogene Urkunde, deren Inhalt unter anderem von Mitgliedern des Stiftes bezeugt wird.
Die Wahl des Patronates unterstreicht die Verbindung des Stiftes mit dem Domstift; der Wormser Dom ist St. Petrus geweiht. Zum Fest der Apostel Petrus und Paulus (29.6.) tritt für das Stift selbst noch das Fest Pauli Bekehrung (25.2.).
Unter den Stiften in Worms und der nächsten Umgebung nahm das Paulusstift im Mittelalter den Rang nach dem Domkapitel und dem Neuhausener Cyriacusstift ein.
Über die Entwicklung des Stiftes gibt es für die Zeit des 12. Jahrhunderts nur wenige Informationen.
Ein Förderprogramm Bischof Buggos (1116/1149) für die Wormser Stifte überhaupt (~ 1140) zielte auf eine wirtschaftliche Besserstellung ebenso wie auf eine Neuordnung. Festzuhalten bleibt, dass die Wormser Ministerialenfamilien für dieses Programm durch den Bischof mit herangezogen wurden.
Durch personelle Beziehungen stand im 12. Jahrhundert das Paulusstift in Kontakt zur Hirsauer Reformbewegung.
Um 1200 ist eine stärkere Bautätigkeit zu verzeichnen.
Tangiert wurde das Stift durch Stadtbrände in den Jahren 1221, 1231 und 1259.
Das Ansehen des Stiftes zeigte sich nicht zuletzt darin, dass bei der Offizial des Stiftes in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts häufig in Urkunden in der Zeugenliste genannt wird.
Etwa im gleichen Zeitraum wurde ein reges geistliches Leben verzeichnet. In einem Ablassbrief aus dem Jahr 1443, den man von Papst Eugen IV. erwirkte, ist die Rede von Pilgerströmen und von der Reliquie des Wundertätigen Blutes, zu der man pilgerte. Gleichzeitig ist aber auch die Rede vom mangelhaften baulichen Zustand des Stiftes und von einem spürbaren Mangel an Büchern und Paramenten. Offensichtlich bestand der Plan, St. Paul zu einem Zentrum der Eucharistieverehrung zu machen.
Bedeutung besaß das Stift auch dadurch, dass es Sitz eines der Archidiakonate des Bistums Worms war. Der damit verbundene Einflussbereich lag im linksrheinischen Nordteil der Diözese und umfasste die Landkapitel Guntersblum und Westhofen.
Als 1499 der Klerus in den Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Geistlichkeit die Stadt verließen, war dieser Schritt nicht zuletzt vorbereitet worden durch den Scholaster des Paulusstiftes, Johannes Lindenlaub. Als Aufenthaltsort von Stiftsherren wurde anschließend Oppenheim genannt. Während der Zeit des Exils nach 1499 kam es zu einem wirtschaftlichen Rückgang, von dem sich das Stift nie wieder gänzlich erholte.
Wenigstens einer der Stiftsherren wandte sich um 1600 der Reformation zu.
1802 kam es zur Auflösung des Stiftes.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - St. Paul. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-st-paul/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 21.10.19)