Klöster im Westerwald

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Geschichtlicher Abriss

0.1.Gründung und Mittelalter

Marienstatt wurde 1212 als Zisterzienserabtei von dem Kölner Burggrafen Eberhard von Aremberg und seiner Frau Adelheid von Molsberg gegründet und mit Mönchen aus der Abtei Heisterbach (bei Bonn) besiedelt. Eine Stiftung des Grafenpaares Heinrich III. und Mechthild von Sayn ermöglichte eine Übersiedlung vom ursprünglichen Standort in der Nähe von Neunkhausen an die Große Nister. Damit wechselte die Abtei von der Trierer in die Kölner Diözese. Dort wurde ab etwa 1246 mit dem Bau der heute noch erhaltenen Abteikirche begonnen. Mit einigen päpstlichen Schutzprivilegien ausgestattet fügte sich das Kloster zunächst gut in die Nachbarschaft der weltlichen Herrschaften ein.

Nach dem Aussterben der Linie der älteren Grafen von Sayn mit dem Tode Heinrichs III. 1246/47 setzte eine Schwächephase des Hauses ein, da sich die Nachfolger erst etablieren mussten. Sie erwiesen sich gegenüber Marienstatt etwa zwei Jahrhunderte lang als nicht durchsetzungsfähig. So mussten sie 1343/44 den bereits begonnenen Neubau der Burg Froneck in unmittelbarer Nähe zum Kloster beenden und die bereits errichteten Anlagen wieder schleifen. Erst als Marienstatt im 15. Jahrhundert mit finanziellen und disziplinarischen Problemen zu kämpfen hatte, sahen sie wieder eine Möglichkeit ihren Einfluss auf die Abtei zu vergrößern. Sie begannen sich für eine Reform des Klosters einzusetzen und mischten sich bei verschiedenen Gelegenheiten in die klosterinternen Angelegenheiten ein. Dieses Engagement ging soweit, dass sich Graf Gerhard von Sayn 1459 an den Papst wandte und um die Entsendung des Kardinals Nikolaus von Kues bat. Er solle die Reform des Marienstatter Konvents vorantreiben.

0.2.Von der Reformation bis zur Säkularisierung

Neben der tatsächlichen Sorge um das Wohl des Konvents ist den saynischen Grafen aber immer auch ein territorialpolitisches Motiv zu unterstellen. Daher ließen sie auch nicht locker. Das Verhältnis spitzte sich aber erst richtig zu, als in der Grafschaft 1560/61 die Reformation eingeführt wurde, während Marienstatt katholisch blieb.

Gegen den zunehmenden Druck der Grafen von Sayn versuchte sich die Abtei zunächst mit Hilfe von Schutzurkunden der Trierer und der Kölner Erzbischöfe zur Wehr zu setzen. 1562 erbat man sogar eine Schutzurkunde von Kaiser Ferdinand I. Wenngleich deren Echtheit zweifelhaft ist, so scheint das Kloster ein solches Privileg dennoch für nützlich im Kampf gegen die Grafen gehalten zu haben. Die Klage, die Marienstatt 1573 beim Reichskammergericht einreichte, zeigt, dass man sich nun mit Hilfe des Reiches gegen seine Bedränger wehren wollte. Diese Rechnung ging tatsächlich auf, denn 1582 wies ein Rezess, der unter Druck des Kaisers zustande gekommen war, die Ansprüche der Grafen von Sayn zurück und legte die Eigenständigkeit Marienstatts fest. Er bildete bis zur Auflösung den juristischen Bezugspunkt für die sich trotz allem fortsetzenden Auseinandersetzungen mit dem Grafenhaus.

Der 30jährige Krieg brachte Marienstatt an den Rand seiner Existenz. Die Schwadron niederländischer Kavallerie, die 1619 auf dem Weg nach Böhmen in Marienstatt Quartier bezog richtete zwar noch keinen Schaden an, aber schon die kaiserlichen Truppen setzten der Abtei auf ihrem Gegenfeldzug 1621 und 1622 erheblich zu. Sie zwangen den Konvent zur Flucht. Ein zweiter Überfall 1625 verschlechterte die Lage Marienstatts weiter, 1632 wurde sie unter schwedischer Besatzung gar für aufgehoben erklärt. Nach dem Zusammenbruch der schwedischen Herrschaft am Mittelrhein 1634 wurde die Grafschaft Sayn mitsamt dem Kloster 1636 als heimgefallenes Lehen vom Kölner Erzbischof eingezogen. Der Westfälische Frieden von 1648 bestimmte jedoch deren Wiederherstellung und so geschah es auch im darauffolgenden Jahr.

Zwar hatte Marienstatt unter den Wirren des 30jährigen Krieges vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht zu leiden, doch gelang dem Kloster nach dessen Beendigung ein beachtlicher Wiederaufstieg. Bereits zum Ende des Jahrhunderts war man wirtschaftlich wieder in der Verfassung, immer zahl- und umfangreichere Umbaumaßnahmen zu finanzieren, die zwischen 1734 und 1751 in der vollständigen Niederlegung und barocken Neuerrichtung der Konventsgebäude gipfelten. Zum Abschluss der Umbauarbeiten wurde 1754 das Pfortenhaus neu gebaut. Abgesehen von den andauernden Auseinandersetzungen mit den Grafen von Sayn und einigen umliegenden Gemeinden, die vor dem Reichskammergericht ausgetragen wurden verlief die Marienstatter Geschichte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ruhig stabil. 1776 war die Abtei auch wirtschaftlich wieder so gefestigt, dass sie das Priorat Bottenbroich übernehmen und inkorporieren konnte.

Erst die Wirren und Kriege der französischen Revolution brachten das Kloster wieder in Bedrängnis. 1795 plünderten durchziehende französische Truppen Marienstatt schwer. Am 19. Oktober 1802 schließlich ergriff der Fürst von Nassau-Weilburg Besitz von der Abtei und löste sie zum 3. Januar 1803 auf.

0.3.Die Abtei in der Moderne

Nach zwischenzeitlicher Nutzung der Abteigebäude zu wirtschaftlichen Zwecken und als Erziehungsanstalt gelang es nach Beendigung des Kulturkampfes dort 1888 wieder Zisterzienser anzusiedeln. Sie stammte aus der österreichischen Zisterze Wettingen-Mehrerau. Zunächst als Priorat unter Leitung von Dominikus Willi wiedererrichtet, wurde Marienstatt 1889 wieder eine vollgültige Abtei mit Willi als erstem Abt.

Schon nach kurzer Zeit hatte sich Marienstatt soweit etabliert, dass man auch an bauliche Erweiterungen denken konnte. So wurde 1908 der neue Bibliotheksflügel errichtet, in dem zunächst auch die 1911 gegründete Oblatenschule untergebracht war. Aus ihr ging das heute noch existierende Gymnasium mit nunmehr etwa 900 Schülern und Lehrern hervor. Der Versuch die Abtei Hardehausen (bei Paderborn) mit Marienstatter Mönchen wiederzubesiedeln scheiterte 1938. Mit der Gründung der Vermögensverwaltungsgesellschaft Abtei Marienstatt mbH (VVG) im Jahr 1939 und der Übertragung der Grundstücke 1949 wurde die Abtei rechtlich selbständig und ist seitdem nicht mehr auf Genehmigung von rechtlich relevanten Handlungen durch ihre Mutterabtei angewiesen. Die VVG ist nach wie vor die Holding für alle andern klösterlichen Betriebe, zu denen jedoch die Landwirtschaft seit 1971 nicht mehr gehört, da in diesem Jahr die Ökonomie nach nahezu 800 Jahren endgültig aufgegeben wurde.

Empfohlene Zitierweise

Hillen, Christian: Streithausen - Abtei Marienstatt. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/westerwald/streithausen-abtei-marienstatt/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 17.09.19)