Klöster in Rheinhessen

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Alzey - St. Nikolaus - Nikolaikirche - Nikolaikloster

GEO:49.744801, 8.112183

Oeffnungszeiten

Besichtigungen sind nach Voranmeldung beim ev. Gemeindebüro möglich (Öffnungszeiten: Mo/Di/Fr 9-12 Uhr, Do 9-12 Uhr und 15-18 Uhr).

Führungen

Führungen erfolgen nach Voranmeldung über die Tourist-Info Alzey
Antoniterstraße 41
55232 Alzey
Tel. 06731/499364


St. Nikolaus - Nikolaikirche - Nikolaikloster

Evang. Pfarrkirche St. Nikolai[Bild: Horst Goebel]

Außer der vor der Stadt gelegenen ältesten Pfarrkirche Alzeys, St. Georg, gab es in Alzey noch eine im oder bei dem Salhof am heutigen Obermarkt gelegene und dem hl. Nikolaus geweihte Kapelle. Sie war möglicherweise aus der Kapelle des königlichen Salhofes hervorgegangen und verfügte bei ihrer ersten urkundlichen Erwähnung um 1350 auch schon über gewisse Pfarrrechte. Dieser Kirche galt die besondere Fürsorge der Pfalzgrafen, die seit Beginn des 14. Jahrhunderts bestrebt waren, St. Nikolaus zur Pfarrkirche von Alzey zu machen. 1432 hatten sie dieses Ziel erreicht, denn in diesem Jahr übertrug der Mainzer Erzbischof Konrad II. die bisher bei der Georgskirche vor der Stadtmauer ruhenden Pfarrrechte auf St. Nikolaus. Letztes Ziel der Pfalzgrafen aber scheint die Einrichtung eines Kanonikerstifts an der Nikolauskirche gewesen zu sein. Diesem Zweck diente wohl schon der Ausbau des Langhauses zur dreischiffigen Hallenkirche in den Jahren zwischen 1420 und 1430. Von 1420 an sind auch Stiftungen für den Bau überliefert. Um 1450 war der Neubau des spätgotischen Chores vollendet. In den folgenden Jahren gab es an der Kirche zwar noch kein Stiftskapitel, aber bereits eine größere Gruppe von Geistlichen, die hier im Chor ihren Dienst versahen. Im Jahre 1479 erlaubte Papst Sixtus IV. dann die Umwandlung der Pfarrkirche St. Nikolaus in eine Stiftskirche, nachdem er zuvor bereits am 11. Januar dieses Jahres auf Betreiben des Pfalzgrafen das Kloster Himmelgarten aufgehoben hatte, um mit dessen reichen Einkünften die Ausstattung des neuen Stifts noch weiter zu verbessern. Dem Stift sollte ein Dekan vorstehen, der gleichzeitig Pfarrer von Alzey war. Außerdem sollten dem Stift acht Kanoniker und neun Vikaren angehören. Sie sollten einer strengen Residenzpflicht unterliegen und an einer von ihnen zu unterhaltenden Schule Unterricht geben.
Freilich kam es dann doch nicht zu einer formalen Stiftsgründung; St. Nikolaus blieb einfache Pfarrkirche mit neun Altaristen. Die Gründe für das Scheitern dieser Pläne kennt man nicht, wahrscheinlich war die finanzielle Ausstattung doch nicht ausreichend genug.
An der Verbundenheit der Alzeyer Bürgerschaft mit der Kirche änderte sich aber nichts, wie die Existenz mehrerer Bruderschaften sowie die finanzielle Unterstützung von Baumaßnahmen durch Spenden beweist. Am Turm, der 1499 um zwei Stockwerke und einen Turmhelm erhöht wurde, sind die Wappen der Bauherren angebracht, des Burggrafen Erkinger von Rothenstein und des Schultheißen Anthis von Heppenheim.
1563 /64 wurden im Zusammenhang mit der Reformation die Kleriker der Kirche von Pfalzgraf Friedrich III. entlassen, die Einkünfte der Geistlichen Administration überwiesen. St. Nikolaus diente fortan als evangelische (reformierte) Pfarrkirche. Nachdem sie nach einem Stadtbrand 1689 schwere Schäden erlitten hatte, die erst nach 1715 wieder endgültig beseitigt waren, wurde schon 1705 im Rahmen der "Pfälzischen Kirchendeklaration" das Gebäude geteilt: den Reformierten wurden neben 5/7 des Kirchenvermögens das Langhaus zugesprochen, während die Katholiken den Chor erhalten sollten. Da sie diesen aber nicht bezogen, wurde auch er bald von den Reformierten übernommen.
1794 richtete das französische Militär in der Kirche zunächst ein Lazarett ein, dann eine Großbäckerei.
In den Jahren von 1844 bis 1848 wurde der Bau gründlich restauriert und dient seitdem als evangelische Pfarrkirche.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Alzey - St. Nikolaus - Nikolaikirche - Nikolaikloster. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/alzey-st-nikolaus-nikolaikirche-nikolaikloster.html> (Letzter Aufruf: 30.11.20)