Klöster in Rheinhessen

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Gebäude

Das alte Deutschhaus befand sich am nordöstlichen Stadtrand. Im 17. / Anfang 18.Jh. zeigte sich das Gebäude wohl wenig repräsentativ. Merian erwähnte es 1646 nur mit wenigen Worten im Zusammenhang mit der Elisabethenkirche „>S.Elisabeth/ bei S.MartinsSchloß/da vorzeiten das Teutsche Hauß gewesen<“[Anm. 1]. Monymus spricht gar von einer baufälligen Ruine. Eine solche widersprach freilich dem Selbstbewusstsein des seit 1694 im Amt befindlichen Hoch- und Deutschmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Er entschloss sich zum Neubau.  Terrain für die neue Kommende schuf ein Tausch mit der Hofkammer. Vom 19.2.1730 datiert eine „ausführliche Dotationsurkunde“[Anm. 2]
Nach J.H.Hennes begannen die Erdarbeiten zum Bau im Winter 1729/1730. Die offizielle Grundsteinlegung fand am 13.4.1730 statt. Leitender Architekten des Projektes wurde Anselm Franz Ritter zu Groenesteyn (1695-1765). Monymus bezeichnet ihn als Gentleman-Baumeister des Mainzer Kurfürsten, der wohl gute Ideen hat, dem aber allerlei passierte“ (Monymus, S. 23), so etwa der Einsturz eines Kellers oder die „mangelhafte technische Dachverarbeitung“ (ebd.).
Bauinspektor war bis 1731 Johann Valentin Thomann. Noch bevor die Pläne des Architekten vollendet waren, begannen bereits die Bauarbeiten. Im Zuge der Bauarbeiten wurde die alte Elisabethenkapelle abgebrochen.
Das neue Haus entstand auf gleicher Linie mit dem kurfürstlichen Schloss, wobei zur Realisierung des Plans sogar ein Teil der Stadtmauer aufgegeben wurde.
Am 16.1.1732 konnte das Richtfest stattfinden; aus der Inschrift auf einem im Altertumsmuseum der Stadt Mainz aufbewahrten Dachschiefer ging hervor, dass am 28.1.1732 mit der Eindeckung des Daches begonnen worden war. Weitere Verhandlungen hinsichtlich des Innenausbaus waren geplant. Ein Vierteljahr später aber, am 18.4.1732, verstarb Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. In seine Nachfolge als Hoch- und Deutschmeister trat Clemens August Herzog von Bayern (17.8.1700 – 6.2.1761; 1716-1723 Koadjutor des Fürstpropstes von Berchtesgaden, 1717-1719 Fürstbischof von Regensburg; 1719 Fürstbischof von Münster und Paderborn, 1722 Koadjutor des Erzbischofs von Köln, 1723 in Personalunion Erzbischof von Köln und Fürstpropst von Berchtesgaden, 1724 zugleich Fürstbischof von Hildesheim, 1728 ebenso Fürstbischof von Osnabrück). „Ein Kontinuum“ in seinem Leben „bildete seine Baulust[Anm. 3]. E.Gatz spricht auch von seiner „Prachtliebe“[Anm. 4]. Kraft seines Amtes wurde er nun auch Bauherr. Mit seinem Amtsantritt aber „endeten die kurmainzischen  Verbindungen mit diesem Gebäude“[Anm. 5]. Die Verantwortung für den Bau lag letztlich beim Komtur, der sich in seiner Funktion als Koadjutor des Landkomturs allerdings meist in Ellingen aufhielt, so dass vor Ort die Verantwortung auf dem Ordensbaumeister und dem Mainzer Kommendeverwalter Johann Jakob von Stubenrauch (+ 13.8.1753) ruhte.
Ordensbaumeister wurde nun Franz Joseph Roth aus Mergentheim. Unter seiner Bauleitung wurde am 5.1.1735 ein Vergleich zwischen dem Orden und dem Kurstaat geschlossen, bei dem die Grundstücksgrenzen endgültig festgelegt wurden. Gegenüber dem Konzept Groenesteyns nahm Roth beim Innenausbau des Hauptbaus (corps de logis) nach H.Reber Änderungen vor. Prägender schien er beim Bau der Nebengebäude (Pavillons) gewesen zu sein, deren Ausführungspläne ihm H.Reber zuschreibt[Anm. 6].
Nach H.Reber nahm Clemens August von Bayern keinen „erkennbaren Einfluß“[Anm. 7] auf die Auswahl der Künstler. Sie fiel in den Aufgabenbereich des Ordensbaumeisters. Er holte für die Baugestaltung den Bildhauer Burkard Zamels (um 1690-1757), damals einer der bedeutendsten Vertreter seines Fachs, und den Maler Christoph Thomas Scheffler (1700-1765) aus Augsburg, einen Schüler Asams. Scheffler hatte bereits mit Roth in Ellwangen zusammengearbeitet, wo er auch für Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg tätig gewesen war. Zeittypisch war die reiche Ausstattung mit Stuckarbeiten, die noch vor den Malereien geschaffen werden mussten. Ein entsprechender Vertrag wurde von Roth am 5.11.1732 geschlossen. Auf Grund von Stilvergleichen, - typisch sei das „Bandlwerk“ -  geht L.Döry davon aus, dass für das Deutschhaus die Stuckateurfamilie Castelli tätig war.

Drei Werkgruppen schuf Burkard Zamels:

          den Schmuck des Giebels im Mittelrisalit (um 1731)

           die Atlanten am Haupteingang     

  •         die Figuren an den Nebengebäuden und am Verwaltungsgebäude. Die Figuren am nördlichen Pavillon, der Kapelle, stellen den hl. Georg, Symbol für das (gegen das Böse) kämpfende Rittertum, und die hl. Elisabeth, Symbol der Wohltätigkeit, dar und versinnbildlichen so die Aufgaben des Deutschen Ordens. Nach P.Metz – H.Reber übernimmt dessen Deutung - sind am Verwaltungsgebäude Judas Makkabäus und die hl. Brigitta dargestellt. Judas Makkabäus wurde „in der deutschen Kunst nicht eben häufig dargestellt“<anm>Reber, S. 32</anm>; außergewöhnlich sei zudem, dass er die Gesetzestafeln unter dem Arm tragend dargestellt werde. Er sieht Judas Makkabäus als eine Heldengestalt, die unter Einsatz ihres Lebens für den Glauben kämpfte (Vgl. 1 Makk. 3,1-9,22) und stellt damit eine Verbindung zu den Aufgaben und Idealen des Deutschen Ordens dar.

 

  • Bezüglich der Frauendarstellung frage sich, so H.Reber, welche hl. Brigitta (oder auch Birgitta) gemeint sei: Brigitta/Birgitta von Schweden oder Brigitte (Brigid/Brigit) von Kildare (+ um 524, Gründerin des Doppelklosters Kildare = Cell-dara, Eichenkirche) Die beigefügten Attribute ließen keine eindeutigen Rückschlüsse zu. Brigid von Kildare wird dargestellt als Äbtissin, begleitet von Tieren (Gänse, Kuh), mit einer Kerze oder Flammen über dem Haupt. Die Figur am Deutschhaus zeigt eine Frau „in zeitlos weltlicher Kleidung mit offenem Haar“ (Reber, Baugeschichte, S. 32). H.Reber schließt aus dieser Darstellung, dass es sich um Brigitta (Birgitta) von Schweden (1303-23.7.373) handele. Einen direkten Bezug zum Deutschen Orden stellt er hier nicht her, sondern interpretiert die Heilige als Repräsentantin eines frommen Lebens. Nach Rommel / Matthias handelt es sich bei den dargestellten Figuren um Moses (Attribut sind die Gesetzestafeln) und Maria<anm>Rommel/Matthias, S. 264</anm>.

 

Ebenfalls drei große Werkgruppen nennt H.Reber für Scheffler:

           drei Deckenbilder im Treppenhaus, die Szenen aus der Herkulessage darstellten

          das Fresko im Saal des Haupthauses, das allegorisch die Stellung des Deutschen Ordens in Kirche und Welt darstellte

           Fresko in der Kapelle.

Bei der Zerstörung des Deutschhauses im Jahr 1945 wurden die Fresken vernichtet. Nach dem Angriff auf Mainz am 12./13.8.1942 war wohl 1943/44 eine Farbdiaserie der Fresken angefertigt worden, die 1990 erstmals veröffentlicht wurde (Vgl. Erstveröffentlichung).

 

Zwischen 1735 und 1739 entstanden die beiden Pavillons, von denen der nördliche (mit einem Dachreiter, in dem sich zwei Glocken befanden) als Kapelle genutzt wurde. Auch sie wurden reich mit Fresken von Scheffler ausgestattet, der auch das die hl. Elisabeth zeigende Altarblatt schuf. Das 1737 entstandene Deckenfresko wurde so gestaltet, dass es den Eindruck einer Kuppel erweckte.
Im Sommer und Herbst 1740 wurde der Hofbereich vollendet; die Bauarbeiten am Gesamtkomplex hatten damit ihren Abschluss gefunden.
In unmittelbarer Nachbarschaft war 1738-1740 das neue Zeughaus (Saudanz) entstanden; Schloss, Deutschhaus und Zeughaus bildeten so ein repräsentatives Ensemble am Rheinufer.

Nach den Plänen Pfalz-Neuburgs war das Deutschhaus „mehr eine Residenz des Deutschmeisters ... als ... Sitz des Ordens“[Anm. 8]. Das Haus bekam aber, da er in Breslau residierte, nie wirklich die Funktion eines Residenz des Deutschmeisters. Der Deutsche Orden verfügte zudem „über so geringe Einkünfte“, das er das Palais in Mainz „aus eigenen Mitteln nicht einmal baulich unterhalten konnte“[Anm. 9]. Clemens August von Bayern hielt sich nach H.Reber ebenfalls nicht über einen längeren Zeitraum in Mainz auf. Nach Monymus wurde das Haus „gewöhnlich von Rittern des Deutschen Ordens bezogen, die in einer Mission am Kurfürstlichen Hof zu tuen(sic) hatten“ (Monymus, S. 23). Längere Zeit bewohnten nach Monymus auch der kurfürstliche Minister von Groschlag, sowie die österreichischen Gesandten Graf von Neipperg und Graf von Lehrbach das Deutschhaus.

Vom 17. – 31.3.1793 tagten die 65 Abgeordneten des  Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents im Großen  Saal des Deutschhauses.

Kurzfristig residierte Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl Josef v. Erthal, der während der französischen Besetzung der Stadt (21.10.1792 Einzug der Truppen Custines in Mainz) geflohen war, nach seinem am 9.9.1793 spektakulär inszenierten – zwölf Mitglieder der „sehr konservativen Metzgerzunft“[Anm. 10] zogen zum Spott der Jakobiner die Kutsche - Wiedereinzug in Mainz für fünf Tage im Deutschhaus, da seine eigene Behausung unbewohnbar geworden war.

 

 

Anmerkungen:

  1. Zit. nach Reber, Baugeschichte, S.12 Zurück
  2. Monymus, S.23 Zurück
  3. Gatz, Clemens August, S. 65 Zurück
  4. ebd., S. 66 Zurück
  5. Reber, Baugeschichte, S. 15 Zurück
  6. Vgl. Reber, Baugeschichte, S. 23 Zurück
  7. Reber, Baugeschichte, S. 20 Zurück
  8. Reber, Baugeschichte, S. 12 Zurück
  9. Rödel, S. 640 Zurück
  10. Dumont, Mayence, S. 345 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Deutschorden. Gebäude. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-deutschorden/gebaeude.html> (Letzter Aufruf: 21.11.19)