Religiöses und spirituelles Wirken

0.1.Einfluss auf andere Organisationen

Wenn auch Laach ab 1474 über keinen überbordenden Personalbestand verfügte, schickte die Abtei zwischen 1485 und 1520 zahlreiche Laacher Mönche in andere Klöster der Bursfelder Kongregation. Selbst  nicht reformierte monastische Gründungen wurden von ihnen besucht. Weiterhin stellte die Abtei den Beichtvater für das reformierte à Benediktinerinnenkloster Rolandswerth. Dies hatte zur Folge, dass um 1500 das Kloster am See nur über einen festen Personalstamm von 15 Mönchen verfügte.

0.2.Tochtergründungen

Das Frauenkloster Seligenstadt wurde 1181 im Westerwald als eine eigenständige Institution gegründet. Vor 1215 entsandte Maria Laach den Nonnen einen Probst. Geistlich und juristisch unterstand der Konvent dem Laacher Abt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1218 wurden die Frauen nostra filia genannt.

0.3.Patronatsrecht

1180 und 1184/85 gestand die römische Kurie der Abtei Laach zunächst den Kirchenzehnten und danach die völlige Inkorporation der Pfarrei Kruft zu.
Leiter anderer Einrichtungen
Abt Peter Mags (1529-53) wurde wiederholt zum Präsidenten der Kongregation in den Jahren gewählt, als sich der Schwerpunkt der Reformbewegung aufgrund der Reformation in den Südwesten des Reiches verlagerte.

0.4.Geistliche Tätigkeit

Über seelsorgerische Tätigkeiten Laacher Mönche sind nach Einschätzung Resminis kaum Quellen bekannt. Etwa seit 118 ist die Pfarrei Kruft in die Abtei inkorporiert. Als um 1500 die Bursfelder Kongregation die weltliche Seelsorge der Konventsmitglieder zu beschränken suchte, predigten die Mönche in der Laacher Klosterkirche und in der St. Nikolauskapelle. Seit dem 17. Jahrhundert übernahmen zunehmend Konventuale aus Laach die Pflichten von Weltgeistlichen. Dieses Engagement intensivierte sich im 18.Jahrhundert, sodass im Durchschnitt wohl ein Drittel des Konvents abwesend war. Eine Auflistung der Pfarreien, an denen sich Laacher Mönche im Laienpastorat nachweisen ließen, findet sich in Resmini, 1993, S. 234-238.

0.5.Gebetsverbrüderungen

Eine Gebetsverbrüderungsliste der Abtei St. Maximin in Trier aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bestätigt Mönche aus Laach. Deren erste drei Einträge aus der Zeit bald nach der Jahrhundertmitte betreffen Laach, Afflighem und St. Eucharius. Für den Zeitraum davor kommt Resmini  angesichts der Dokumentenlage (Fremdüberlieferungen, Nichteinbeziehung in Chroniken) zu dem Eindruck, dass Laach „zumindest bis nach 1170 eine monastische Welt für sich darstellte, die, isoliert von den religiösen Bewegungen im Rheinland, auch mit anderen Klöstern zunächst kaum Berührungen hatte“.

Spirituelle Ausstrahlung

0.1.Zugehörigkeit zu geistlichen Strömungen und Reformbewegungen

Siegfrieds Haltung zum Investiturstreit und seine Bewertung der Kirchenpolitik Heinrichs V. führten zur Einführung der bislang im Rheinland noch fremden Spiritualität des cluniazensischen Klosterwesens. Mit der Unterstellung  unter Afflighem wurde Laach eine geistige Neuorientierung
ermöglicht. Als einziges Mitglied des cluniazensischen Klosterverbandes im Rheinland  ist eine solche Aufgabenzuweisung  nicht von der Hand zu weisen. Intensiver gestaltete sich das Engagement Laachs zur Durchführung und Sicherstellung der Bursfelder Reform.
Bei der Klosterreform des späten Mittelalters war die  Benediktinerabtei Bursfelde an der Weser. einer der Träger. Unterstützt von Mönchen aus St. Matthias in Trier und beeinflusst von dem Windesheimer Johannes Busch wurden neue Gottesdienst- und Lebensordnungen geschaffen. Sie wurden zum Vorbild für zahlreiche Benediktinerklöster. Nicht ohne heftige Auseinandersetzungen zwischen Reformern und Nichtreformern im Konvent schloss sich Laach der Bursfelder Kongregation an. Die Einführung der Reform, zu der auch die Betonung des wissenschaftlichen Studiums gehörte, bewirkte eine Blütezeit: Laach wurde zum Zentrum des benediktinischen Humanismus unter Abt Simon von der Leyen sowie Johannes Butzbach und Johannes von Andernach.

0.2.Reliquien

Mitte des 12. Jahrhunderts schilderte eine Begebenheit, wie ein schwäbischer Ritter Ulrich, durch einen Traum motiviert, in der Stadt Köln nach vergessenen Reliquien sucht und sie auch fand. Durch Abt Gilbert (1138-1152) kam sie nach Laach und beeinflusste sogar den Bau der Kirche Die Zwerggalerie im Westwerk wurde gebaut, um von dort den Gläubigen gezeigt zu werden, und zwar am Kirchweihtag, am 24. August.
Reliquien hatten eine große Bedeutung für kirchliche Gründungen und deren weitere Akzeptanz bei der Bevölkerung. Auch Maria Laach hatte Kreuzreliquien von  Heinrich von Ulmen erhalten, die er 1204 nach der Eroberung Konstantinopels an die Mosel brachte und zur Ausstattung an geistliche Institutionen weitergab. Für Laach hatte er fünf Kreuzpartikel mitgebracht, für die Abt Albert (1199-1217) einen kunstvollen Schrein mit Gold, Silber und Edelsteinen fertigen ließ. Er ging verloren.
Kulturelle Leistungen
Literarische, wissenschaftliche und künstlerische Betätigung
Unter den Äbten Gilbert (1138-1152)und Fulbert (1152-1177) stand die Laacher Schreibschule in hoher Blüte. Mit Fulberts Namen ist auch der Ausbau des Laacher Skriptoriums verbunden und seine Tätigkeit als Schreiber. Ein Sakramentar aus Laach mit schönen Miniaturen wird heute in der Landesbibliothek in Darmstadt aufbewahrt. Andere, zum Teil illuminierte Handschriften gehören zum Bestand der Berliner Staatsbibliothek.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Glees - Maria Laach Benediktinerabtei. Religiöses und spirituelles Wirken. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/glees-maria-laach-benediktinerabtei/religioeses-und-spirituelles-wirken.html> (Letzter Aufruf: 19.05.19)