Geschichtlicher Abriss Kloster Marienberg (Boppard)

Kloster Marienberg

Die früheste Nennung des Klosters Marienberg findet sich in einer gefälschten Urkunde Heinrichs V. aus der Zeit zwischen 1122 und 1125, die aber wohl auf einem historischen Kern beruht. Demnach lösten Bopparder Bürger eine Marienkapelle von der Mutterkirche St. Severus, dotierten sie und unterstellten sie dem Trierer Kloster St. Eucharius/Matthias. Ansonsten erfährt man aus der Frühzeit des Klosters nur wenig, auch seine Gründungsausstattung lässt sich nicht aus den Quellen erschließen. Das 13. Jahrhundert brachte dann einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, zu dem zahlreiche Schenkungen des umliegenden Niederadels und von Bopparder Bürgern beitrugen. Bemerkenswert viele Privilegien erhielt Marienberg auch von Kaisern und Königen, die das reichsunmittelbare Kloster in ihren Schutz nahmen, ihm Zoll- und Weiderechte sowie Steuerfreiheit gewährten.
Nicht gut war es in dieser Zeit allerdings um die klösterliche Zucht der Schwestern bestellt, für die das Kloster allein eine wirtschaftliche Versorgungsanstalt war und die sich ansonsten nicht um ihre klösterlichen Pflichten wie etwa die Klausur kümmerten. Auch die Klostervorsteherin selbst ging nicht mit gutem Beispiel voran, sie hatte noch nicht einmal die Profess abgelegt.
Kloster Marienberg wurde deshalb im Jahre 1437 durch Johannes Rode reformiert, der bei dieser Tätigkeit die volle Unterstützung der Meisterin Isengard Greiffenclau von Vollraths fand. Johannes Rode war eigentlich Kartäusermönch und Prior der Kartause St. Alban in Trier, zur Reform des Trierer Klosters dennoch zum Abt St. Matthias erhoben worden. Seine Reformbemühungen in Marienberg waren ein voller Erfolg, das Kloster wurde hinsichtlich seiner monastischen Formung zum Vorbild für viele andere Gemeinschaften; von hier aus wurde die Reform auch in zahlreiche weitere Frauenklöster getragen. Wahrscheinlich mit seinem Mutterkloster St. Matthias trat Marienberg um 1458 der Bursfelder Union bei.
Der vorbildliche monastische Geist in Marienberg fand natürlich auch Anerkennung in Form zahlreicher Schenkungen und Stiftungen, die freilich auch nötig waren, um den äußerst stark angewachsenen Konvent versorgen zu können; bis zu 150 Schwestern sollen in dieser Zeit in Marienberg gelebt haben.
Als der Trierer Kurfürst Johann von Baden 1497 Boppard belagerte, bezog er im Kloster Marienberg, das seine Truppen zuvor besetzt hatten, sein Hauptquartier und beurkundete hier am 1. Juli dieses Jahres die Unterwerfung der Stadt unter seine Herrschaft. Nachdem das Kloster schon Mitte des 16. Jahrhunderts unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten und großen Schulden gelitten hatte, musste es im Dreißigjährigen Krieg weitere schwere Einbußen hinnehmen, worunter natürlich auch die Klosterdisziplin litt.
Nachdem Boppard 1497 an den Erzbischof von Trier übergegangen war, machte dieser seinen Einfluss zunehmend auch in Marienberg geltend, nicht nur in liturgischen Angelegenheiten, sondern namentlich auch bei der Wahl der Äbtissinnen. Dies musste zum Konflikt mit dem Abt von St. Matthias führen, dem bisher der Vorsitz bei den Wahlen zugestanden hatte und diesen nun einem Vertreter des Erzbischofs überlassen musste.
Auch die Klosterdisziplin hatte inzwischen stark nachgelassen. 1687 wurde bestimmt, dass bei der Aufnahme neuer Schwestern Einkleidungs- und Profeßfeiern nicht länger als zwei Tage dauern dürfen; dennoch musste Erzbischof Karl von Lothringen 1715 erneut gegen übertriebene Feierlichkeiten vorgehen, wobei diesmal sogar Spielleute verboten wurden. Auch die Einhaltung der Klausur wurde immer wieder angemahnt, doch begnügte man sich am Ende damit, den Aufenthalt außerhalb des Klosters in weltlichen Häusern einzuschränken. Noch gravierendere Auswirkungen auf die Klosterdisziplin hatte der Brand, der am 10. März 1738 einen großen Teil der Klostergebäude verwüstete. In den folgenden Zeiten des Wiederaufbaus, der sich bis 1770 hinzog, lebte ein Teil der Schwestern in benachbarten Klöstern, ein anderer Teil aber auch bei ihren Familien. Ein geregeltes Klosterleben war in dieser Zeit nicht möglich, so dass  es schon einen gewissen Fortschritt darstellte, als Äbtissin Maria Philippina  von Lobenthal 1755 eine „Morgenbetrachtung“ und jährliche Exerzitien einführen konnte.
Im Oktober 1792 wurde das Klosterarchiv nach Merheim vor den französischen Truppen in Sicherheit gebracht, während ein Teil der Schwestern nach Siegburg floh. Am 13. November dieses Jahres kamen sie wieder in ihrem Kloster Marienberg zusammen, doch mussten sie dieses 1794 schon wieder verlassen, um nach Münzenberg und Würzburg zu flüchten. Erst 1796 konnten sie wieder nach Boppard zurückkehren, bis sie ihren Platz im Kloster Marienberg durch dessen Auflösung am 27. Juli 1802 endgültig verloren.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Boppard - Kloster Marienberg. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/boppard-kloster-marienberg/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 20.11.19)