Geschichtlicher Abriss

Kloster- bzw. Stiftsgeschichte

St. Florin - Aufnahme 1897

Aus einer Urkunde Erzbischof Heinrichs von Trier vom Jahr 959 erfährt man, dass sein Vorgänger, Erzbischof Ruotbert (931-956) auf Bitten des Herzogs Hermann I. von Schwaben die Kirche in Humbach (Montabaur) geweiht, ihren Zehntbezirk umschrieben und sie der in Koblenz gelegenen Kirche der hl. Maria geschenkt habe. Mit dieser Kirche ist das Stift St. Florin geweiht, welches Maria als Hauptpatronin geweiht war und bei einer bestehenden Marienkirche im Bering des Königshofes von Koblenz wohl um 940 gegründet worden war. Die Zuweisung der Kirche von Humbach (Montabaur) mit ihrem großen Zehntbezirk an das neue Stift zeigt auch gleichzeitig eine der wichtigsten ihm zugedachten Funktionen, nämlich die Sicherung der Pfarrorganisation im Westerwald in eben diesem Bereich. Von seinem Gründer, Herzog Hermann von Schwaben, der auch Graf in Rätien war, erhielt das Stift wohl aus Anlass oder kurz nach seiner Gründung Reliquien des im 7. Jahrhundert lebenden Priesters Florinus aus Remüs, dem heutigen Ramosch im Unterengadin. Schon 949 erscheint das Florinuspatrozinium neben dem Marienpatrozinium  und hat sich in der Folgezeit auch als allgemeiner Name des Stifts durchgesetzt, obwohl Maria weiterhin Hauptpatronin des Stiftsblieb.

St. Florin war eines der bedeutendsten und reichsten Stifte im Erzbistum Trier, welches mit dem anderen Koblenzer Stift St. Kastor die meisten Steuern zu entrichten hatte. 1452 beanspruchte St. Florin sogar den höchsten Rang unter den Kollegiatstiften im Trierer Erzbistum für sich.

Kaiser Karl IV. bestätigte dem Stift 1355 seine Privilegien und Rechte.1482/83 kam es zu einem Streit mit der Stadt Koblenz wegen der Nutzung einer 1203 dem Stift überlassenen Zwingmauer. Zwar baute das Stift die zerstörte Mauer wieder auf und schmückte sie mit Statuen des Gekreuzigten und des hl. Florin, doch gab sich die Stadt damit nicht zufrieden. Es kam zu Unruhen, in deren Verlauf die beiden Statuen zerstört wurden. Nach Einschreiten Erzbischof Johanns von Baden musste die Stadt ihre Ansprüche freilich aufgeben,ihre Vertreter leisten in St. Florin kniefällig Abbitte.

Ansicht von Koblenz 1632[Bild: Michael Imhof]

Im 16. Jahrhundert kam es wie in vielen anderen Kirchen auch in St. Florin zu einem Niedergang der Sitten, der sich nicht allein in mangelnder Erfüllung der Residenzpflichten ausdrückte; 1576 nämlich führte der Rat der Stadt Koblenz darüber Klage, dass Angehörige beider Stifte, St. Kastor und St. Florin, nachts auf der Straße Unzucht trieben.

Nach der Aufhebung des Stifts im Jahre 1802 wurden zahlreiche Einrichtungsgegenstände wie Altäre, Kanzel und Chorgestühl verschleudert, zahlreiche Grabdenkmäler wurden zerschlagen. 1811 wurden der Kreuzgang, die Stiftsgebäude und das alte Schulhaus abgebrochen.

Nachnutzung, späteres Schicksal (Kirche, Gebäude, Anlage)

1818 übergab König Friedrich Wilhelm III. die Kirche der evangelischen Zivil- und Militärgemeinde und bewilligte eine größere Summe Geldes für die Instandsetzung des stark in Mitleidenschaft gezogenen Kirchenbaus sowie für die Anschaffung einer neuen Orgel und von Glocken. 1820 konnte die Kirche nach ihrer Wiederherstellung wieder geweiht werden.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Koblenz - Stift St. Florin. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/koblenz-stift-st-florin/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 22.09.19)