Geschichtlicher Abriss Stift St. Goar

Stiftsgeschichte

Heiliger Goar[Bild: Heinz Straeter]

Die Anfänge des Stifts liegen im Dunkeln. Nach dem Bericht des Prümer Mönchs Wandalbert von 839 kam der hl. Goar in der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts aus Aquitanien an den Rhein, wo er bei Oberwesel nahe der Mündung des Wocherbachs in den Rhein eine kleine Kirche und ein Hospiz für Arme und Reisende errichtete. Rund 200 Jahre nach dem Tod Goars bestand an der cella sancti Goaris eine Klerikergemeinschaft von sechs Personen. Nachdem Abt Assuer von Prüm im Jahre 765 von König Pippin (751-768) die Nutzungsrechte an dieser Goarszelle auf Lebenszeit erhalten hatte, begann er mit dem Bau einer neuen und größeren Kirche. Spätestens 781 wurde diese Kirche, in welche man die Gebeine Goars überführt hatte, auf Veranlassung Karls des Großen durch den Mainzer Erzbischof Lull und die Bischöfe Basin von Speyer und Megingaud von Würzburg konsekriert. Kurze Zeit später schenkte Karl der Große die Goarszelle der Abtei Prüm. Sie wurde jedoch weiterhin von einer Klerikergemeinschaft betreut, die Ansicht, Prüm habe hier ein Mönchskloster eingerichtet, findet keinen Rückhalt in den Quellen. Auch 1089 heißt es in einer Prümer Quelle, dass bei der Kirche des hl. Goar Kanoniker leben, denen zum Lebensunterhalt Einkünfte der Abtei Prüm auf dem Taunus zugewiesen werden. Leider kann die Entwicklung vom Klerikerkollegium der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zum Kollegiatstift des 11. Jahrhunderts nicht verfolgt werden, da für diese Zeit aussagekräftige Quellen fehlen. Im Jahre 1171 wird erstmals ein Dekan des Stifts genannt, Kanoniker erst seit der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Wahrscheinlich veranlassten die kriegerischen Ereignisse der Zeit um 1250 die Flüchtung der Gebeine des hl. Goar nach Karden. Hier wurden sie im Hochaltar der Kastorkirche verwahrt, bis Erzbischof Balduin von Trier am 14. März 1321 ihre Rückführung nach St. Goar anordnete, selbst wenn zu diesem Zweck der Hochaltar auf- oder abgebrochen werden müsste. Zur Feier der Heimholung errichtete man in St. Goar ein neues Hochgrab für die Reliquien, dessen Deckplatte aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts den heiligen Goar in Lebensgröße zeigt. 1660 kam diese Deckplatte aus der Krypta der Stiftskirche in die neue katholische Kirche von St. Goar.

Nach zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Stifts einigte sich Abt Friedrich von Prüm im Jahre 1408 mit Graf Johann von Katzenelnbogen auf eine in Zukunft alternierende Besetzung der 12 Kanonikate und 9 Vikarien. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts nahm der Einfluss der Grafen von Katzenelnbogen auf das Stift stetig zu.

Nachdem die Grafschaft Katzenelnbogen 1479 an die Landgrafen von Hessen gekommen war und sich Landgraf Philipp 1524 zur Reformation bekannt hatte, wurde Ende 1527 in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen die Reformation eingeführt. Am 1. Januar 1528 wurde in der Stiftskirche St. Goar die erste evangelische Predigt gehalten. Das Stift selbst bestand als rechtliche Körperschaft allerdings fort und wählte nach dem Tod des 1536 verstorbenen Dekans Johan von Arscheid auch einen Nachfolger. Dieser wird 1540 mit zwei Kanonikern und fünf Vikaren als Mitglieder des Kapitels genannt, die in St. Goar Residenz halten und denen deshalb Einkünfte aus der Präsenzkasse zustehen. Erst nach der Jahrhundertmitte dürfte das Stiftskapitel erloschen sein.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: St. Goar - Stift St. Goar. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/st-goar-stift-st-goar/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 23.01.19)