Verfassungsordnung Stift St. Goar

Verhältnis zur Abtei Prüm

Aus der Schenkung der Goarszelle zunächst an Abt Assuer 765 und dann an die Abtei Prüm selbst im Jahre 782 resultierte ein Eigentumsrecht der Abtei am Stift, welches einerseits im Recht zur Verleihung der Kanonikate und Vikarien, andererseits aber auch in der Fürsorgeverpflichtung der Abtei für die materielle Grundlage des Stifts zum Ausdruck kam. Tatsächlich haben die Äbte von Prüm Ende des 11. und zu Beginn des 12. Jahrhunderts, als das Stift sich in erheblichen wirtschaftlichen Nöten befand, diesem durch die Schenkung von Gütern und Einkünften wichtige Hilfe zukommen lassen.

Ständische Verhältnisse, Einzugsbereich

Wie in Boppard und Oberwesel finden sich auch unter den Angehörigen von St. Goar zahlreiche Angehörige einheimischer Familien, sowohl aus St. Goar wie auch den umliegenden Ortschaften.

Dignitäten und Ämter

An der Spitze des Stifts stand ein Dekan. Ein Propst wird in St. Goar nur einmal, nämlich in den Miracula s. Goaris des Prümer Mönchs Wandalbert zum Jahr 839 erwähnt. Möglicherweise handelte es sich dabei um einen Prümer Mönch, der in St. Goar mit Verwaltungsaufgaben für den umfangreichen Prümer Besitz am Mittelrhein betraut war.
1408 gab es in dem Stift 12 Kanonikate und 9 Vikarien. Ihre Besetzung hatte bisher allein dem Abt von Prüm zugestanden, nun aber einigten sich Abt Friedrich von Prüm und Graf Johann von Katzenelnbogen auf ein abwechselndes Besetzungsrecht. 1460 kamen noch vier weitere Vikarien hinzu, für die der Graf von Katzenelnbogen als Stifter das Präsentationsrecht ausübte. (Zu den einzelnen Dignitäten, Ämtern und Vikarien siehe Pauly S.184 – 199.)

Zahl der Mitglieder

Der Klerikergemeinschaft im ausgehenden 8. Jahrhundert gehörten sechs Personen an. Möglicherweise wurde deren Zahl nach Übernahme der Goarszelle durch die Abtei Prüm für die Wahrnehmung weiterer Aufgaben erhöht. 1408 wird dann von 12 Kanonikern und 9 Vikaren gesprochen.

Immunität und Vogteirechte

Vögte des Stifts waren zunächst die Grafen von Arnstein, dann, nach deren Aussterben um 1190, die Grafen von Katzenelnbogen. Ihre alte Burg gegenüber der Kirche ist 1219 bezeugt. 1245 gründeten sie zur militärischen Sicherung des Herrschaftsbereiches Burg Rheinfels. 1479 kam die Grafschaft Katzenelnbogen mit St. Goar an die Landgrafen von Hessen.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: St. Goar - Stift St. Goar. Verfassungsordnung. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/st-goar-stift-st-goar/verfassungsordnung.html> (Letzter Aufruf: 23.03.19)