Geschichtlicher Abriss Stift Pfalzel

0.1.Kloster- und Stiftsgründung

Über den Gründungsvorgang des Klosters Pfalzel um 700 durch die spätere Äbtissin Adela ist nur wenig bekannt - auch wenn Adela nach Auffassung Heyens zu den wenigen profilierteren Gestalten des frühen 8. Jahrhunderts zu zählen ist. Sie wurde um 660 als eine von mehreren Töchtern einer angesehenen Arnulfinger Familie im Umfeld der Pippiniden geboren: als Tochter Irminas, der Mitbegründerin Echternachs und Äbtissin von Ören/Trier, und des fränkischen Seneschalls Hugobert. Sie war die Schwester von Plektrud, Ehefrau Pippins II. (+714), und von Bertrada, die erste Gründerin der Abtei Prüm. Adela war verheiratet und hatte Kinder. Um 700 gründete Adela in Pfalzel im Ostteil eines spätrömischen Gebäudekomplexes, der durch Gütertausch mit Pippin II. in ihren Besitz gekommens war, ein Kloster für adelige Frauen nach der Regel des Hl. Benedikt. Adela trat in das Kloster ein und stand ihm als Äbtissin vor.

0.2.Rund 1 800 Jahre überdauert

Wenn auch Dächer, Böden und Hofumgang verfallen waren, das Palatiolum konnte in der Gründungsphase um 700 entsprechend dem Raumbedarf eines Klosters hergerichtet werden: Zellen für die vermögenden Nonnen adeliger Herkunft, Unterkunft für das Personal sowie weitere Räumlichkeiten für die Gemeinschaft wie Refektorium, Küche, Wirtschaftskammern, Aufenthaltsräume und Gästezimmer. Der Umbau eines (spät)-römischen in ein kirchliches Gebäude war im Mittelalter nicht ungewöhnlich. Mittelalterliche Maßnahmen wuchsen oft über den römischen Vorgängerbau hinaus und zerstörten ihn dann. Das Palatiolum dagegen konnte auch dank der diversen Umwidmungen in wesentlichen Teilen rund 1800 Jahre bis in unsere Zeit überdauern.

0.3.Bonifatius hat geholfen

721 besuchte der hl. Bonifatius auf seiner Rückreise von Friesland Adelas Gründung. Dabei kam es nach einem Bericht Luidgers, dem späteren Bischof von Münster, zu einer Begegnung zwischen dem Enkel Adelas und dem Gast. Der 15jährige Gregor soll in dessen  Anwesenheit eine lateinische Passage aus der Hl. Schrift vorgelesen haben. Die Wiederholung in der Landessprache gelang ihm - allerdings nur mit Bonifatius Hilfe. Gregor war fasziniert von dessen Persönlichkeit. Er beschloss, sein Schüler zu werden. Adela gab dem Drängen ihres Enkels nach und liess ihn mit Bonifatius weiterziehen.
Diese Begebenheit unterstreicht für Heyen (2005) die Bedeutung Pfalzels in jener Zeit als „Zentrum religiösen und geistig-kulturellen Lebens“. Dies zeigte sich auch darin, dass der neue Frauenkonvent bald über 100 Personen Unterkunft gewährte, darunter Nonnen, Geistliche, Bediensteten, aber auch Lehrer und Schüler. Über die innere Verfasstheit der monastischen Einrichtung ist allerdings nur wenig bekannt.

Die Besitzgeschichte Pfalzels schien wohl auch schwierige Zeiten mehr oder minder unbeschadet überstanden zu haben. Denn Verwüstungen und Plünderungen 882 bei  Normannen-Überfallen im Moselraum sind jedenfalls schriftlich nicht festgehalten worden.
In ihrem berühmten Testament von 732/33 stellte Adela ihre Gründung mit seinem Besitz für alle Zeiten unter den Schutz der Domkirche und der Bischöfe. Die Gründerin starb um 735. Angesichts der allgemeinen defizitären und "kümmerlichen Überlieferung" (Heyen) ist Adelas Grabstelle bis zum 13. Jahrhundert noch ungeklärt.
Von 1207 bis 1802 befand sich ihr Grab im Chor der Stiftskirche auf der Evangelienseite. Nach der Aufhebung am 9. August 1802 wurden die sterblichen Überreste zunächst in die St. Martin-Pfarrkirche übertragen. Bei der Öffnung des Grabes wurde ein Teil des Bleibandes gefunden, auf dem über die Verlegung im Jahr 1207 berichtet wurde.
Adelas Nachfolgerin war die Äbtissin Bobila, die 13 Jahre und sechs Monate dem Konvent vorstand. Ihr folgte Warentrud, eine Schwester von Erzbischof Hetti (814-847). Sie starb um 850. Nach Cüppers leitete sie 42 Jahre und drei Monate das Kloster. Ihre Grabinschrift ist in Pfalzel überliefert. Über die direkte Nachfolgerin Warentruds ist nur wenig bekannt.
Die nächste belegte Information stammt vom Ende des 10. Jahrhunderts und betrifft die Äbtissin Ruothildis. Sie ist durch eine Schenkungsurkunde und die vollständig erhaltene Grabinschrift von 989 dokumentiert. Diese Inschrift hat für Verwirrung gesorgt: aus ihr ist geschlossen worden, Ruothildis sei keine Nonne, sondern eine Kanonisse gewesen. Wegen dieser Vermutung ist auf eine Umwandlung des Nonnenklosters in ein Kanonissenstift geschlossen worden. Heyen dagegen verweist auf die richtige Interpretation der besagten Zeilen: Ruothildis blieb (auch) unter dem heiligen Schleier eine schöne Kanonisse, aber in ihrer Lebensführung war sie dennoch eine Nonne.

0.4.Moselfehde und ein Ende

Knapp 300 Jahre nach Gründung des St.-Marienstifts führten bislang nicht eindeutig geklärte Vorgänge und Begebenheiten zur Auflösung des Klosters unter Erzbischof Poppo von Babenberg.
Anfang des 11. Jahrhunderts entwickelte sich ein unheilvoller Streit über die Besetzung des Trierer Bischofsstuhls. Das Domkapitel hatte sich 1008 für den Propst Adalbero vom Trierer Stift St.Paulin entschieden, einen Sohn des Grafen Siegfried von Luxemburg. Im Interesse des Reiches und gegen die weitere Ausweitung der Macht Luxemburgs ernannte Kaiser Heinrich II. den Dompropst Megingaud (1008-1015) zum neuen Erzbischof. Der jedoch blieb im Exil in Koblenz, da der vom Kapitel gewählte Adalbero Trier weiter besetzt hielt. Nach Megingauds Tod wurde Graf Poppo (1016-1046) aus dem Hause Babenberg zum Erzbischof ernannt. Unter ihm kam es zur so genannten Moselfehde. Um militärisch zu obsiegen, war die Anmietung von Vasallen notwendig geworden. Deren Finanzierung wurde von Poppo durch Beleihung von Klostergütern vorgenommen. Zusätzlich griff er auf weitere Besitzungen des bis dahin gut ausgestatteten Klosters Pfalzel zurück. Adalbero verzichtete. In diesem zeitlichen Kontext wurde dem Frauenkonvent auch eine innere moralische Krise unterstellt, die Erzbischof Poppo für seine Zwecke zu instrumentalisieren suchte.
Über diese Begebenheiten allerdings verzeichneten die Gesta Trevirorum:
So wurde berichtet, Poppo hätte sich aus dem Besitz Pfalzels 60 Präbenden (Pfründe) genommen, um mit diesen Einkünften „bewaffnete Leute“ zu entlohnen. Mit diesem Zugriff hätte er die materielle Substanz des Klosters dann schwer geschädigt.

0.5.Liebeszauber und Klosterverweis

Einer anderen Schilderung zufolge sollte eine Nonne einen Liebeszauber ausgesprochen haben, um Bischof, Geistliche und den Trierer Stadtpräfekten zu „betören“. Als der Erzbischof dessen gewahr wurde, hätte er den Konvent unmissverständlich aufgefordert, diese Nonne auszuschließen, den Konvent zu reformieren und das bislang weiße Habit zugunsten eines schwarzen zu wechseln. Kurz – er verlangte ein eindeutiges Bekenntnis zu einer strengeren Lebensführung.
Der Ausschluss der sog. „Zauberin“ ist vollzogen worden. Die Klosterinsassinnen waren aber nicht bereit, den weiteren Forderungen des Erzbischofs nach Änderung ihrer Regeln Folge zu leisten. Mitte 1016 erfolgte die Ausweisung der Nonnen aus dem Kloster.
In wieweit Reformbedarf und Reformwille oder politisches Kalkül das Vorgehen des Erzbischofs motivierten, läßt sich für Felten (1992) nicht mehr klären. Ein Teil der Nonnen fand dann wohl in Kloster St. Irminen/Ören Unterkunft; beide Gemeinschaften hatten bereits seit ihrer Gründungszeit steten Kontakt gepflegt.
Pfalzel dagegen verwaiste.

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Trier-Pfalzel - Stift Pfalzel. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/trier-pfalzel-stift-pfalzel/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 18.11.19)