Bau- und Kunstgeschichte Stift St. Maria im Felde - Heilig Kreuz (Mainz)

Kirche

Eine Kirche Sancta Maria in campo wird erstmals in einer Urkunde vom 17. Mai 808 als Grundstücksbesitzer in Hechtsheim erwähnt. Ihre Anfänge reichen vielleicht sogar in frühchristliche Zeiten zurück. An dieser Kirche richtete Erzbischof Erkenbald von Mainz (1011-1021), der Nachfolger des Willigis, dann das Kanonikerstift ein. Diese alte Marienkirche blieb möglicherweise stehen, als unter Erzbischof Peter von Aspelt um 1320 eine neue gotische Stiftskirche errichtet wurde. Die Kirche und alle Stiftsgebäude wurden am 23. August 1552 durch die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach niedergebrannt, lediglich die Kirche wurde wegen ihrer Beliebtheit als Wallfahrtskirche bis 1573 wieder aufgebaut.
Bei der Belagerung von Mainz ging die Kirche am 10. Juni 1793 mit den umliegenden Gebäuden in Flammen auf, ihre Ruine wurde später von den Franzosen gesprengt. 1806 wurden sogar ihre Fundamente ausgegraben, die Steine fanden Verwendung als Baumaterial.

Altarkreuze und Skulpturen

Ein als wundertätig verehrtes Kreuz, welches in der um 1320 neu erbauten gotischen Kirche zwischen Chor und Schiff aufgehängt war, gab offenbar den Grund, dass das Stift nun vermehrt nicht mehr unter seinem eigentlichen Namen „Sancta Maria in campis“, sondern als „Heilig Kreuz“ erscheint. Dieses Kreuz wurde bei der Zerstörung der Kirche durch die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach am 23. August 1552 offenkundig vernichtet, da später in den Quellen von ihm nie mehr die Rede ist.
An seiner Stelle erfuhr im späten Mittelalter ein anderes Kreuz eine besondere Verehrung, welches sich zunächst in einer kleinen Kapelle am Weg aus der Stadt zum Stift Heilig Kreuz befunden hatte. Der Legende nach beschimpfte ein Betrunkener zunächst den hölzernen Kruzifixus und schlug dem Gekreuzigten schließlich sogar den Kopf ab, woraufhin dieser zu bluten begann. Der Frevler, der sich nicht mehr von der Stelle bewegen konnte, wurde ergriffen und mit dem Tode bestraft. Das Kreuz wurde daraufhin Gegenstand höchster Verehrung und zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt in die Stiftskirche gebracht, die hierdurch zu einer bedeutenden Wallfahrtskirche wurde. Bei drohender Kriegsgefahr wurde es in die Stadt gebracht und später wieder in feierlicher Prozession zurück in die Wallfahrtskirche geleitet. Auch 1792 hatte man das Kreuz in die Stadt nach St. Christoph in Sicherheit gebracht, weshalb es den Untergang der Stiftskirche überlebte. Auch beim Bombenangriff im August 1942 konnte es gerettet werden, später kam es in die wiederaufgebaute St. Quintinskirche. Im Jahre 2000 wurde es gründlich restauriert und hängt heute in der zum Priesterseminar gehörenden romanischen St. Franziskuskapelle des ehemaligen Arnsburger Hofes in der Grebenstrasse. Diese wird von Franziskanerinnen aus Kroatien, die in verschiedenen Einrichtungen des Bischöflichen Ordinariats beschäftigt sind, als Konventskirche für ihr Chorgebet genutzt und ist deshalb nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - Heilig Kreuz - Maria in campis. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-heilig-kreuz-maria-in-campis/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 17.10.19)