Religiöses und spirituelles Wirken Stift St. Maria im Felde - Heilig Kreuz (Mainz)

0.1.Inkorporierte Pfarreien und Stellung im Pfarrverband

Niedersaulheim und Oberhilbersheim mit der Kirche auf dem Laurenziberg waren Filiale des Klosters.

0.2.Konventmitglieder als Archdiakone

Wie die Pröpste der anderen Mainzer Stifte war auch der Propst von St. Maria in campis als Archidiakon zuständig für die geistliche Gerichtsbarkeit und kirchliche Verwaltung in seinem Archidiakonatsbereich, der das Landkapitel Partenheim mit 42 Pfarrorten umfasste. Diese Funktion sowie weitere Aufgaben im Umfeld der Mainzer Erzbischöfe waren auch der Grund, weshalb sich die Pröpste der Mainzer Stifte am Ende des 12. Jahrhunderts verwaltungsmäßig von ihren jeweiligen Kirchen weitestgehend lösten. Siehe hierzu auch S. R. Schürmann, Das Stift S. Maria in campis oder Hl. Kreuz bei Mainz, S. 53-57.

0.3.Konventmitglieder an fürstlichen Höfen

Der Italiener Alatrinus, päpstlicher Subdiakon und Kapellan, erhielt als päpstlicher Provise die Propstei St. Maria in campis, in der er erstmals am 11. Dezember 1219 nachweisbar ist und die er bis zu seinem Tod 1242 behielt. Alatrinus war einer der bedeutendsten päpstlichen Diplomaten seiner Zeit, der auch immer wieder an den Verhandlungen zwischen Papst und dem Staufer Friedrich II. beteiligt war. Zwischen 1228 und 1234 begegnet er zudem als päpstlicher Legat in der Mark Ancona und als päpstlicher Rektor im Herzogtum Spoleto.

0.4.Seelsorge

Zur Stiftspfarrei gehörte Hechtsheim; bis 1279, als die dortige Dorfkapelle zur Pfarrkirche erhoben wurde, war die Kirche des Stifts auch Pfarrkirche für die Bewohner von Hechtsheim. Diese mussten ihre Kinder aber auch noch danach in der Stiftskirche taufen lassen und hatten hier an allen Muttergottesfesten am Hochamt teilzunehmen. Nach 1279 wurde die Pfarrei Hechtsheim von einem Stiftsvikar betreut.

0.5.Bruderschaften, Prozessionen und Wallfahrten

Ein wundertätiges Kreuz, welches sich zunächst in einer kleinen Kapelle auf dem Feld befunden hatte, wurde, nachdem es als Gnadenbild in den Hochaltar der Stiftskirche verlegt worden war, zum bedeutenden Wallfahrtsziel. Ihm verdankte die Kirche auch ihren Wiederaufbau nach den Zerstörungen von 1552. Kreuzwegstationen führten aus der Stadt zu der Wallfahrtskirche. Zu ihnen gehörte auch die Kapelle, in welcher sich 1383 nach einer Freveltat das Kreuzwunder ereignet haben soll. 1644 wurde sie erneuert und vergrößert, so dass darin auch Messen gelesen werden konnten.
„Prozessionen nach Heiligkreuz kamen alljährlich am St. Rochustag (16. August) aus Kastel mit einer 15 Pfund schweren Wachskerze, am Ostermontag aus Weisenau und Laubenheim, am dritten Fastensonntag aus der Pfarrei St. Quintin. An anderen festgelegten Tagen kamen die Franziskaner, die Dominikaner und das Liebfrauenstift. Offizielle allgemeine Wallfahrtstage waren die Feste Kreuzfindung am 3. Mai, Kreuzerhebung am 14. September und die Kirchweihe am Sonntag nach Kreuzerhebung“ (L. Falck, Das Stift St. Maria im Feld, S. 57). An diesen allgemeinen Wallfahrtstagen wurde vor der Kirche auch ein kleiner Markt abgehalten, wo auch Brot, Wein und andere Dinge verkauft wurden.
Siehe hierzu auch S. R. Schürmann, Das Stift S. Maria in campis oder Hl. Kreuz bei Mainz, S. 170-174.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - Heilig Kreuz - Maria in campis. Religiöses und spirituelles Wirken. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-heilig-kreuz-maria-in-campis/religioeses-und-spirituelles-wirken.html> (Letzter Aufruf: 18.11.19)