Geschichtlicher Abriss Stift St. Maria im Felde - Heilig Kreuz (Mainz)

Kloster- bzw. Stiftsgeschichte

Bei einer alten, erstmals 808 erwähnten, möglicherweise aber noch in frühchristliche Zeit zurückreichenden Kirche Sancta Maria in campo wurde unter Erzbischof Erkenbald von Mainz (1011-1021) ein Kanonikerstift eingerichtet. Möglicherweise blieb diese alte Kirche stehen, als um 1320 eine neue gotische Stiftskirche erbaut wurde. Im Zuge der Fehde Erzbischof Diethers von Isenburg mit Pfalzgraf Friedrich dem Siegreichen wurden die Stiftskurien im Jahre 1460 niedergebrannt. Wahrscheinlich wurde dabei auch die Kirche beschädigt, da sie Papst Leo X. bei einer Ablassgewährung im Jahre 1518 als teilweise verfallen bezeichnet.
Wie für viele andere Mainzer Kirchen und Gebäude brachte das Jahr 1552 auch für das Stift Heilig Kreuz einen tiefen Einschnitt, als die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach am 23. August die Kirche und sämtliche Stiftsgebäude planmäßig in Schutt und Asche legten. Die Stiftskurien wurden danach nicht mehr wiederhergestellt und auch der Stiftsgottesdienst wurde in die Stadt verlegt, wo er zunächst in der Pfarrkirche St. Ignaz, dann von 1630 bis ca. 1737 im Heiliggeistspital und schließlich in St. Christoph gefeiert wurde. Die Stiftskirche allerdings, die mittlerweile wegen des wundertätigen Kreuzes zu einer wichtigen Wallfahrtsstätte geworden war, wurde bis 1573 wieder aufgebaut. Zweimal im Jahr, an Mariä Himmelfahrt und an Kreuzerhöhung, feierten auch die Stiftsherren hier ihren gemeinsamen Stiftsgottesdienst. Das alte wundertätige Kreuz war bei den Zerstörungen im August 1552 wohl dem Feuer zum Opfer gefallen, das jüngere Kreuz hingegen, welches nach der Freveltat seine Wundertätigkeit bezeugt hatte, konnte gerettet und zunächst nach Hechtsheim geflüchtet werden. Auch später wurde es bei drohender Kriegsgefahr in die Stadt gebracht und danach in feierlicher Prozession, an der auch der Erzbischof teilnahm, wieder in die Stiftskirche zurückgeführt.
Von schwereren Zerstörungen blieb die Stiftskirche in der folgenden Zeit weitestgehend verschont, erst die Einnahme der Stadt Mainz durch französische Truppen unter General Custine im Oktober 1792 und die sich daran anschließende Belagerung durch die Alliierten brachten das Ende für Kirche und Stift. Zunächst traf es die Kirche, die mit den angrenzenden Gebäuden am 10. Juni 1793 bei einem französischen Ausfall in Flammen aufging. Die Kirchenruine wurde einige Jahre später von den Franzosen gesprengt, ihre Fundamente 1806 ausgegraben und die Steine als Baumaterial verwendet. Der ehemalige Stiftsbereich wurde in Ackerland verwandelt und für 800 Franken versteigert. Das Stift seinerseits wurde wie alle anderen Mainzer Köster und Stifte im Jahre 1802 aufgehoben, sein Besitz verstaatlicht und in den folgenden Jahren versteigert.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - Heilig Kreuz - Maria in campis. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-heilig-kreuz-maria-in-campis/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 18.11.19)