Archivalien und Literatur Kloster St. Alban (Mainz)

0.1.Kloster- bzw. Stiftsarchiv und -bibliothek

Durch ein tragisches Geschick, dessen zeitliche Fixierung und genauen Hintergründe sich wohl nicht mehr aufklären lassen, ist die gesamte frühe Überlieferung des Klosters St. Alban verloren. Die älteste bekannte Urkunde datiert vom Jahr 958 und ist nur kopial überliefert. An sie schließen sich nur einige wenige Stücke aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts an. Alle Klosterurkunden, die angeblich aus der Zeit vorher datieren, sind in Wirklichkeit Fälschungen aus der Feder Schotts und Bodmanns. Dieser Urkundenverlust muss schon relativ früh eingetreten sein, da die Angehörigen von St. Alban bereits im 13. und 14. Jahrhundert keine Urkunden aus der Frühzeit ihres Klosters vorlegen konnten. Dementsprechend finden sich auch keine älteren Stücke im großen, 1410 auf Geheiß des Abtes Werner Ring von Saulheim angelegten Kopialbuch. Über den ganz frühen, sicher sehr umfangreichen Besitz von St. Alban, über die Gründungsausstattung vom frühen 9. Jahrhundert und über die weitere Besitzentwicklung sogar bis über die Jahrtausendwende hinaus lassen sich somit aus St. Albaner Quellen fast keine Aussagen machen.

Nach der Zerstörung der Stiftsgebäude auf dem Albansberg 1552 wurde ein Teil der Archivalien in die Pfarrkirche St. Ignaz gebracht, wo sie Georg Helwich 1613 in einer großen Kiste fand und sie als Grundlage für seine Darstellung der Klostergeschichte nutzen konnte. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Archiv von St. Alban im oberen Stockwerk der St. Gothardkapelle am Dom aufbewahrt, sicher auch aufgrund der Nähe zur Sebastianskapelle, wo die Stiftsherren von St. Alban zusammen mit denen von St. Ferrutius  seit 1682 ihren Gottesdienst abhielten. Beim Herannahen des französischen Heeres wurde das Präsenzarchiv von St. Alban  im Oktober 1792 vom Stiftsarchivar Peter Schunk über Köln und Düsseldorf nach Zündorf gebracht und nach der Rückeroberung von Mainz ein Jahr später wieder an seinen angestammten Ort zurückgeführt. Bis zur Abtretung der  linksrheinischen Teile des Kurstaates an Frankreich scheint das Archiv allerdings nicht in Mainz geblieben zu sein, denn im August 1794 lagerte es auf der Würzburger Festung. Spätestens bis März 1803 war es dann zusammen mit dem Domkapitelsarchiv nach Aschaffenburg gekommen. Nachdem Aschaffenburg an Bayern gefallen war, wurden die St. Albaner Archivalien auf Anordnung des Münchener Reichsarchivs im wesentlichen  1819 und 1820 nach Würzburg gebracht, wobei die Urkunden aus der Zeit vor 1400 in den Jahren 1821/22 nach München abgegeben werden mussten. Erst 1993 wurden diese wieder im Zuge einer Bestandsbereinigung nach Würzburg zurückgebracht.

0.2.Annalen, Chroniken, Diarien

Schum, Wilhelm: Die Jahrbücher des Sanct-Albans-Klosters zu Mainz. Diss. Göttingen 1872.

0.3.Urkundenbestand

Staatsarchiv Darmstadt

A 1 Urkunden Starkenburg; A 2 Urkunden Rheinhessen;

Kopialbücher: C 1 A Nr.88 (Fragment eines Kopialbuches des 15. Jhs.); C 1 A Nr.11 (Kopialbuch des Stiftsherrn Rudolf  Forstmeister von Gelnhausen aus der Mitte des 16. Jhs.); C 1 A Nr. 117 (Sammlung von Urkundenabschriften des 15. Jhs., den Streit zwischen St. Alban und St.Stephan um die Kirchen in Münster und Sarmsheim betreffend).

Staatsarchiv Würzburg

Mainzer Urkunden Nr. 5014 – 5766 (bis 1993 im Hauptstaatsarchiv München);

Urkunden Stift St. Alban (Urkunden ab 1400);

Mainzer neuregestierte Urkunden;

Ein neuer Bestand "Mainz, St. Alban Urkunden" enthält alle Urkunden aus diesen drei Beständen mit der Provenienz St. Alban.

0.4.Kopialbücher, Urkundenverzeichnisse u.ä.

Staatsarchiv Würzburg

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 6 (Calendarium seu anniversarium von St. Alban)

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 9 (Kopialbuch von 1410)

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 9a,b,c (Kopialbücher des Stiftsarchivars Johann Tobias Jageman von 1784 bzw. 1788 (9c)

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 101 (Kopialbuch der Präsenz aus der 2. Hälfte des 15. Jhs., fortgeführt bis in das 16. Jh.

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 111 (Weistum von Bodenheim)

Hier auch die Handschriften von Georg Helwich, die Georg Christian Joannis für sein 1722 gedrucktes Werk (Chronicon monasterii iam vero collegiatae equestris ad S. Albanum extra moenia Moguntina …, in: Rerum Moguntiacarum 2, S. 713-798) herangezogen hat:

Mainzer Regierungsarchiv XIII St. Alban 1/1III  (Chronologia monasterii sancti Albani … ex variis cum libris tum scriptis collecta ac in unum congesta per Georgium Helwich … 1613.

Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts Nr. 7 (Chronologia ecclesiae sancti Albani extra muros Moguntinenses 1624.

Mainzer Regierungsarchiv XIII St. Alban 1/1I  (Fortsetzung der „Chronologia“ von 1624).

0.5.Literatur

  • Acht, Peter: Probleme der Mainzer Urkundenforschung. Überlieferung und Fälschung im Kloster St. Alban vor Mainz. In: Archivalische Zts. 55 (1959), S. 51-116.
  • Arens, Fritz: Die Kunstdenkmäler der Stadt Mainz. Teil 1: Kirchen St. Agnes bis Hl. Kreuz. Mainz 1961 (= Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz 4,1), S. 11-27.
  • Dobras, Wolfgang: Die kurfürstliche Stadt bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1462-1648). In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. i. A. der Stadt Mainz von Franz Dumont-Ferdinand Scherf-Friedrich Schütz. Mainz o.J., S. 227-263.
  • Dobras, Wolfgang: Mainz, St. Alban. In: Die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, bearb. von Friedhelm Jürgensmeier in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger. St. Ottilien 1999 (= Germania Benedictina 9), S. 445-469.
  • Falck, Ludwig: Die erzbischöfliche Metropole 1011 -1244. In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. i. A. der Stadt Mainz von Franz Dumont-Ferdinand Scherf-Friedrich Schütz. Mainz o.J., S.111-137.
  • Falck, Ludwig: Die Freie Stadt in ihrer Blütezeit 1244-1328. In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. i. A. der Stadt Mainz von Franz Dumont-Ferdinand Scherf-Friedrich Schütz. Mainz o.J., S. 143-170.
  • Falck, Ludwig: Mainz im frühen und hohen Mittelalter (Mitte 5. Jahrhundert bis 1244). Düsseldorf 1972. (Geschichte der Stadt Mainz 2).
  • Falck, Ludwig: Mainz in seiner Blütezeit als freie Stadt (1244-1328). Düsseldorf 1973. (Geschichte der Stadt Mainz 3).
  • Lindenschmit, Ludwig-Neeb, Ernst: Bericht über die Ausgrabungen der St. Albanskirche bei Mainz im Jahre 1907. In: Mainzer Zts. 3 (1908), S. 92-100.
  • Matheus, Michael: Vom Bistumsstreit zur Mainzer Stiftsfehde: Zur Geschichte der Stadt Mainz 1328-1459. In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. i. A. der Stadt Mainz von Franz Dumont-Ferdinand Scherf-Friedrich Schütz. Mainz o.J., S. 171-225.
  • Neeb, Ernst: Bericht über die Ausgrabungen der St. Albanskirche bei Mainz im Jahre 1908. In: Mainzer Zts. 4 (1909), S. 34-49.
  • Neeb, Ernst: Zur Baugeschichte der St. Albanskirche bei Mainz. In: Mainzer Zts. 3 (1908), S. 69- 91.
  • Schmid, Reinhard: Die Abtei St. Alban vor Mainz im hohen und späten Mittelalter. Geschichte, Verfassung und Besitz eines Klosters im Spannungsfeld zwischen Erzbischof, Stadt, Kurie und Reich. Mainz 1996 (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz, 30).
  • Schrod, Konrad: Das Kloster St. Alban bei Mainz. In: Mainzer Zts. 30 (1935), S. 49-55.
  • Schum, Wilhelm: Die Jahrbücher des Sanct-Albans-Klosters zu Mainz. Diss. Göttingen 1872.
  • Selzer, Wolfgang: St. Alban. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd. 11. Mainz 1969, S. 147-154.
  • Staab, Franz: Mainz vom 5. Jahrhundert bis zum Tod des Erzbischofs Willigis (407-1011). In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hrsg. i. A. der Stadt Mainz von Franz Dumont-Ferdinand Scherf-Friedrich Schütz. Mainz o.J., S. 71-107.
  • Staab, Franz: Die Mainzer Kirche. Konzeption und Verwirklichung in der Bonifatius- und Theonesttradition. In: Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die Salier und das Reich. Bd. 2: Die Reichskirche in der Salierzeit. Sigmaringen 1991, S. 31-77.
  • Staab, Franz: Reform und Reformgruppen im Erzbistum Mainz. In: Reformidee und Reformpolitik im spätsalisch-frühstaufischen Reich. Hrsg. von Stefan Weinfurter unter Mitarbeit von Hubertus Seibert. Mainz 1992. (Qu.u.Abh.z.mrh.KG 68), S. 119-187.

0.6.Karten, Lagepläne, Grundrisse, Ansichten

  • Ansicht der Albanskirche auf dem linken Flügel des Kirchbrombacher Altares (nach 1518).
  • Stadtplan von Gottfried Maskopp (Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Risse und Pläne 163); Kopie von H.J. Ostertag von 1724 (Stadtarchiv Mainz BPS 37-43C).
  • Handzeichnungen Wenzel Hollars von 1632 und 1634 (Katalog Wenzel Hollar 1607-1677. Reisebilder vom Rhein. Ausstellung vom 16.11.1986 – 6.1.1987, hg. vom Landesmuseum Mainz, Mainz 1986, Nr.74 und 78).
  • Ansicht der Stadt Mainz von Südosten um 1630, angeblich von M. Merian, mit ziemlicher Sicherheit von Wenzel Hollar (Stadtarchiv Mainz, BPS 61 B).
  • J.W.G. Person, Geometrischer Grundriss des Albans-Berges … Ao 1713, Kopie von 1724 (Stadtarchiv Mainz BPS II A 1).

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Alban. Archivalien und Literatur. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-alban/archivalien-und-literatur.html> (Letzter Aufruf: 17.10.19)