Bau- und Kunstgeschichte Kloster St. Alban (Mainz)

Kirche, Klausur- und Konventsgebäude

Die älteste Albanskirche stammt noch aus spätrömischer Zeit. Sie erhob sich auf einem großen, in römischer und fränkischer Zeit genutzten Friedhof, wahrscheinlich über dem Grab des Heiligen, und wurde wohl schon in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts errichtet. Über dieser Coemeterialkirche wurde dann die 805 geweihte karolingische Basilika errichtet. Diese dreischiffige Kirche mit einer Mittelapsis war einer der größten Kirchenbauten der karolingischen Zeit. Ihr Mittelschiff hatte eine Länge von 48 Metern und eine Breite von 12 Metern. Vor dem Mittelschiff erhob sich ein zweigeschossiger Westbau, in dem sich über einer Vorhalle eine Michaelskapelle befand. Dieser Westbau muss niedriger gewesen sein als das Mittelschiff, da dessen Giebel bei einem Erdbeben im Jahre 858 herabstürzte und ihn zerstörte.

Der karolingische Bau wurde zu einer etwas späteren Zeit, vielleicht einer späteren karolingischen oder frühromanischen Bauperiode, durch ein Querschiff und je eine Seitenapside erweitert. Das Querschiff hatte eine Breite von fast 41 Metern. Noch später, in romanischer Zeit, wurden dem Bau noch zwei Westtürme hinzugefügt.

Wahrscheinlich erst am Ende des 15. Jahrhunderts entstand dann jener mächtige gotische Chor, der auf verschiedenen alten Ansichten als östlicher Abschluss der Albanskirche zu sehen ist. Er schloss sich dem Mittelschiff des alten Langhauses in gleicher Breite an und lag mit seiner Mittelachse genau in der Verlängerung derjenigen der karolingischen Mittelapsis. Diese gotische Choranlage, die außen mit mächtigen, sich nach oben verjüngenden Strebepfeilern versehen war, beeindruckt sowohl durch ihre Ausmaße wie auch durch die äußerst gründlich durchgeführten Fundamentierungsarbeiten. Der Chor hatte eine Länge von 17 Metern und eine Breite im Innern von 11 Metern; auch seine Höhe muss beachtlich gewesen sein, wie es die Mauerstärke der Fundamente nahelegt. Wahrscheinlich war ein vollkommener Umbau der Klosterkirche im gotischen Stil geplant, da man auch schon mit den Fundamenten des Querschiffes begonnen hatte. Durch die weiteren Ereignisse konnte dieser Plan aber leider nie verwirklicht werden.

Der Kreuzgang befand sich auf der Südseite der Kirche. Schon 1844 stieß man bei Fundamentierungsarbeiten an der Albansschanze auf seine Reste. Wie in anderen Klöstern gruppierten sich um ihn die zum Klausurbereich gehörenden Gebäude: Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal usw.

Kapellen innerhalb und außerhalb der Anlage

Eine 1021/31 erstmals erwähnte Marienkapelle lag am Kreuzgang, dem Krankensaal benachbart, vor ihrer Tür lag der Begräbnisplatz der Brüder. Eine weitere, 1309 erwähnte obere Marienkapelle diente offenbar zur Reliquienaufbewahrung. Neben einer Albanskapelle, die gleichzeitig das Baptisterium der Klosterkirche war, und einer Dionysiuskapelle am Portikus wird auch noch eine Bonifatiuskapelle erwähnt, die möglicherweise Grablege der in St. Alban bestatteten Mainzer Erzbischöfe des 9. und 10. Jahrhunderts war.

Altäre, Kanzeln, Taufsteine, weitere Ausstattungsgegenstände

1485 wurden neue seitliche Chorstühle zusammen mit einem größeren Pult für 100 Goldgulden angefertigt.

Kelche, Monstranzen, weitere liturgische Geräte, Paramente

Der Weihwasserkessel eines Abtes Bertolf von St. Alban befindet sich heute im Speyrer Domschatz (Arens, Inschriften S. 352ff.)

Orgeln

Eine Orgel wurde 1489 durch den Franziskaner Leonhard erbaut.

Glocken

Glocken werden erstmals 1154 erwähnt, 1481 wurden sechs Glocken aufgehängt.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Alban. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-alban/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 17.10.19)